Das Elternhaus — Hörgeschichte für Erwachsene zum Zuhören

Shownotes

Man kommt zurück nach Friedrichsfeld, westlich von Schleswig, nicht für lange — denkt man. Das Feld hinter dem Haus ist noch da. Die Bank auch. Eines Abends holt der Vater zwei Bier und zwei Zigarillos heraus, obwohl er nie geraucht hat, noch nie in seinem Leben. Man setzt sich nebeneinander auf die Bank. Man sagt nicht viel. Das Feld liegt da. Das Abendlicht macht das Gras goldener. Irgendwo stehen die Pferde auf der Koppel. Das reicht vollständig. Wenn man später irgendwo Rasen riecht — Gras und Benzin — ist man sofort wieder hier.

Stille Orte — ruhige Geschichten von stillen Orten und Momenten. Jeden Freitag eine neue Episode.

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Transkript anzeigen

00:00:00: das Elternhaus.

00:00:01: Man kommt zurück, nicht für lange denkt man nur für eine Weile – so denkt man das und dann ist es doch länger!

00:00:09: Und dann isst es gut dass es länger ist.

00:00:12: Das Elternhaus der Kolonistenweg.

00:00:15: Friedrichsfeld westlich von Schleswig Diese Gegend die flach ist Die weit ist, die man kennt seit man denken kann Aufgewachsen in Friedrich's Feld Das bedeutet der Colonistenweg.

00:00:32: Das bedeutet diese Weite, die man als Kind nicht sah – weil sie normal war.

00:00:37: Weil alles normal ist wenn man aufwächst.

00:00:40: Als Kind ist der Garten groß.

00:00:43: Der Garten ist eine Welt.

00:00:45: Als Erwachsener ist er ein Garten.

00:00:47: Groß aber einen Garten!

00:00:57: Diese Zähne, man kann sie riechen.

00:01:02: Als Erwachsener sind Sie Pferde auf einer Koppel.

00:01:05: Schön!

00:01:06: Aber man geht vorbei – Man schaut kurz, man geht weiter.

00:01:10: Was ändert sich?

00:01:12: Was bleibt?

00:01:13: Das Feld bleibt Die Weite bleibt Der Geruch vom Rasenmäher bleibt Die Bank hinter dem Haus bleibt Manche Dinge ändern sich nicht Manche Orte ändern sich Nicht.

00:01:26: Friedrichsfeld ändert Sich Aber langsam, sehr langsam.

00:01:31: So langsam das man es nicht merkt, dass man nach Jahren zurück kommt und es ist noch da – alles noch da!

00:01:40: Man kennt dieses Haus, man ist hier aufgewachsen, man kennt jeden Raum, jeden Boden, jede Treppenstufe, jeden Geruch Das Holz des Treppengeländers die Art wie die Küchentür zugeht, das Licht im Flur am Nachmittag, dass man kennt, das man erwartet.

00:02:01: Die Aussicht aus dem Fenster nach hinten – diese Aussicht die man hundertmal gesehen hat, die man nicht mehr bewusst sieht aber die da ist immer da ist.

00:02:12: Das Haus hat Platz für alle, das ist sein Wesen.

00:02:15: dieses Mehrfamilienhaus das Raum lässt, das nicht drängt, das einfach da ist.

00:02:21: Groß mit diesem Garten, mit diesem Feld dahinter, mit dieser Bank Still verlässlich.

00:02:30: Das Meerfamilienhaus, es hat mehrere Wohnungen, mehrere Türen, mehrere Leben die nebeneinander laufen, die sich manchmal begegnen auf der Treppe im Garten.

00:02:42: Man kennt die anderen man grüßt, man spricht manchmal nicht viel aber man kennt sich.

00:02:49: das ist der Unterschied zu einer Stadt.

00:02:51: hier kennt man sich Hier weiß man wer nebenan wohnt.

00:02:56: Das Haus ist aus einer Zeit gebaut, in der man baute.

00:02:59: Solide – mit Platz!

00:03:01: Mit diesem Garten, der groß genug ist für den Rasen, die Bank und Kinder wenn sie kommen.

00:03:08: Man stellt seine Sachen ab, man setzt sich, man isst wieder hier.

00:03:13: Das Platz manchmal das Richtige ist, dass ein großes Haus ein gutes Haus sein kann.

00:03:33: Hinter dem Haus das Feld.

00:03:35: Hollingstedt – der Ortsteil Die Träne nicht weit Dieser Fluss, der durch die Gegend geht Der ruhig isst, der nicht eilt Der einfach fließt In Richtung Nordsee Wie alles hier Irgendwann Richtung Nordsee geht Und Schleswig – fünfzehn Minuten.

00:03:53: Die Stadt, die man kennt der Dom, das dänische Gymnasium.

00:03:59: Alles nahe, alles erreichbar!

00:04:01: Aber hier in Friedrichsfeld ist man trotzdem draußen, ist man auf dem Land, isst man in dieser Stille.

00:04:09: Das ist das Besondere an diesem Ort – nahe an allem und trotzdem weit.

00:04:14: Weit genug, dass es das Richtige für diesen Ort, für dieses

00:04:19: Haus.".

00:04:20: Der Colonistenweg.

00:04:22: Man kennt die Geschichte dieses Namens Colonisten, Menschen die kamen, die sich ansiedelten.

00:04:28: Die blieben, die das Moor urbar machten.

00:04:32: vor Jahrhunderten.

00:04:33: Der Colonistenweg.

00:04:35: der Name hat eine Geschichte.

00:04:37: Friedrichsfeld wurde angelegt im achzehnten Jahrhundert unter Friedrich dem Fünften König von Dänemark und Norwegen.

00:04:45: Eine Moorkolonie.

00:04:47: Menschen kamen und siedelte sich an sie blieben Sie machten Das Moor Urbar.

00:04:53: Das ist der Name, den man kennt.

00:04:55: Der Weg auf dem man aufgewachsen ist.

00:04:58: Colonistenweg XXIII – diese Hausnummer, dieser Adresse die man auswendig kennt, die man nicht vergisst.

00:05:06: Man denkt manchmal daran an diese Menschen, die kamen, die hier anfingen Die dieses Feld bearbeiteten das Moor tockenlegten, die blieben, deren Nachkommen blieben.

00:05:18: Jetzt steht man auf dem Colonisten-Weg.

00:05:22: Es ist flach und grün.

00:05:24: Die Pferdegrasen, die scharfe Grasen!

00:05:27: Man weiß das alles – man geht den Weg, Kolonistenweg, man geht ihn wie immer, morgens manchmal, abends manchmal... dieselbe Straße, immer dieselbe…dieser Name….man geht den weg entlang und denkt hier sind Menschen gegangen, die nicht wussten was kommt..die kamen und anfingen.

00:05:46: Das isst auch etwas, diese Geschichte unter den Füßen.

00:05:52: Ruhig, diese noch deutsche Ruhe die man kennt.

00:05:55: Die man nicht erklärt, die man nicht erklären muss... ...die man einfach hat wenn man hier aufgewachsen ist!

00:06:22: Man schaut raus, dieses Feld das man kennt, dass immer da war.

00:06:27: Das sich nicht verändert hat, nicht in all den Jahren.

00:06:30: Es wächst, es wird gemäht, es wächst wieder.

00:06:33: Aber es ist dasselbe Feld Die selbe Weite, dieselbe Linie am Horizont.

00:06:38: Der Horizont – man kann ihn sehen von hier Fast bis nach Silberstedt, fast bis nach Träher.

00:06:44: Diese Orte die man kennt Die nicht weit sind, die man sehen kann wenn man genau schaut.

00:06:50: In anderen Ländern gibt es Berge In Norddeutschland gibt es den Horizont.

00:06:54: Den flachen, weiten, ruhigen Horizont der immer da ist, der sich nicht verändert, der einfach da ist wie die Schlei da ist und wie der Wind da ist.

00:07:04: Man schaut auf diesen Horizont, man schaut lange Kilometer weit fast bis nach Träa Diese Weite, die norddeutsches, die flach ist, die keine Berge braucht, die einfach geht und geht Und geht.

00:07:18: Die Koppeln – man schaut auf die Koppeln Pferde manchmal Die am Zaun stehen und schauen, die großen Köpfe über dem Zaun.

00:07:35: die sich nicht um einen kümmern, die nur das Gras interessiert und den nächsten Schritt.

00:07:53: Man hat sie alle hier erlebt.

00:08:18: Aber jetzt erlebt man sie wieder, mit anderen Augen vielleicht oder mit denselben?

00:08:23: Der Frühling kommt langsam – Hier kommt er immer langsam!

00:08:26: Man wartet….

00:08:27: Das Feld wird grüner Die Koppeln werden belebter Die Pferde kommen raus Die stehen am Zaun und schauen Der Sommer das Licht in Norddeutschland im Sommer Dieses Licht, dass lang bleibt Dass um zehn Uhr abends noch hell ist Dass einem das Gefühl gibt Es ist noch Zeit Noch ein bisschen Zeit.

00:08:46: Man sitzt abends draußen, weil man kann.

00:08:49: Weil das Licht es erlaubt, weil das Feld da ist und die Stille – diese norddeutsche Stille, die keine Stille isst, weil die Vögel da sind, weil der Wind manchmal kommt, weil irgendwo eine Kuh ruft oder ein Pferd.

00:09:02: Diese Stille die lebt, die atmet, die sich selbst ißt.

00:09:06: Man gewöhnt sich wieder ein, dass geht schnell, schneller als man dachte weil man diesen Ort kennt, weil der Körper ihn kennt, Weil man nicht fremd ist.

00:09:14: Nicht hier!

00:09:15: Hier war man nie fremt.

00:09:17: Der Rasen Wenn jemand den Rasen mäht Dann riecht es Dieser Geruch nach frisch gemähtem Gras Und Benzin vom Rasenmäher.

00:09:25: Diese Mischung die man kennt Die man immer gekannt hat Die zu diesem Ort gehört Zu diesem Haus Zu dieser Straße.

00:09:33: Gerüche und Erinnerungen Das ist eine merkwürdige Verbindung Die stärkste vielleicht Stärker als Bilder, stärker als Worte Dieser Geruch Gras und Benzin.

00:09:46: Wenn man ihn riecht Ist man sofort hier Nicht irgendwann Sofort Vollständig.

00:09:54: Man ist in der Stadt manchmal Irgendwo Und jemand mät Rasen Und man rieht es Und isst in Friedrichsfeld Für eine Sekunde für diesen Atemzug.

00:10:06: Das ist das Elternhaus.

00:10:08: Das ist dieser Ort Dieser Geruch, der einen überall findet.

00:10:13: Der einem folgt Nicht bedrängend einfach da Einfach Da warst du!

00:10:20: Da hast Du gewohnt Das gehört dir Der Rasenmäher.

00:10:27: Man hört ihn manchmal von drinnen.

00:10:29: Dieses Geräusch Dieses Soren Dass auf und ab wenn jemand die Bahn wechselt.

00:10:36: Man kennt das Geräusche auswendig.

00:10:38: Man weiß wann jemand am Zaun dreht wann er die nächste Bahn anfängt, wann er fertig ist.

00:10:45: Man kennt diesen Ablauf!

00:10:47: Man könnte ihn beschreiben ohne hinzuschauen.

00:10:51: und wenn er fertig isst dann kommt der Geruch noch stärker weil der Benzinmotor ausgegangen ißt weil das frisch gemähte Gras liegen bleibt Weil der Wind es trägt Das Gras Frisch gemäd liegtes flach grüner als vorher feuchter Diese Helligkeit von frisch gemähtem Gras, die nicht lange hält.

00:11:16: Die trocknet, die verblasst bis zur nächsten Maat – bis zum nächsten Mal!

00:11:22: Aber für diesen Moment diese Helligkeit dieser Geruch man steht draußen Man riecht, man atmet tiefer, man hält es kurz an diesem Geruch.

00:11:36: Man denkt das ist es.

00:11:39: Das is dieser Gerucht den man kannte den man nicht suchen musste, der einfach da ist.

00:11:46: Wenn jemand den Rasen mäht Es gibt Gerüche.

00:11:51: die Orte sind Dieser ist Friedrichsfeld Dieser is das Elternhaus Dieser iß der Garten hinter dem Haus Diese Mischung aus Gras und Benzin.

00:12:03: Man braucht kein Foto Man braucht keinen Datum Man riecht Und Iß Da Sofort Vollständig Die Eltern.

00:12:15: Man spricht nicht viel darüber, über das was Eltern sind.

00:12:19: Was sie bedeuten?

00:12:20: Man weiß es einfach!

00:12:22: Man hat es immer gewusst oder man lernt es langsam mit den Jahren.

00:12:29: Der Vater Er kommt rüber.

00:12:32: Er klopft selten.

00:12:33: Er kommt einfach.

00:12:35: Man kennt das.

00:12:37: Die Mutter Das Haus ist auch das Ire.

00:12:41: Sie kennt jeden Winkel.

00:12:43: Das Haus läuft.

00:12:44: Das hat Es Immer.

00:12:46: Die Küche läuft, der Garten läuft, die Bank hinten läuft.

00:12:52: Man ist hier aufgewachsen!

00:12:54: Man hat das als Kind nicht gesehen – Als Kind ist das Haus einfach da.

00:12:58: Die Eltern sind einfach da.

00:13:00: Das ist normal, das ist alles was es gibt.

00:13:05: Dann geht man weg.

00:13:07: Man kommt zurück und plötzlich sieht man Was man vorher nicht sah Wie groß das Haus ist, wie viel Arbeit es braucht, wie sehr man dankbar isst ohne ein großes Wort darüber zu verlieren.

00:13:21: Das Haus ist nicht nur das Elternhaus, es wird mehr!

00:13:26: Irgendwann kauft man einen Anteil – man wirkt mit Eigentümer…das Haus gehört einem … auch zum Teil.

00:13:35: Das ist kein großer Moment, es ist ein stiller Moment….

00:13:39: Man unterschreibt, man fährt nach Hause und schaut das Haus an.

00:13:44: Es sieht genauso aus wie vorher aber es ist bisschen auch das eigene.

00:13:50: Dann kommt die Frau, die zukünftige Frau.

00:13:54: Man zeigt ihr das Haus, man zeigt ihr den Garten, man zeigt ihr das Feld.

00:14:00: Sie schaut auf das Feld – diese Weite!

00:14:03: Sie ist aus dem Norden auch, sie kennt Weite Aber diese hier ist seine Dieser Blick ist seiner Diese Bank ist Seine.

00:14:15: Man setzt sich zusammen Auf die Bank hinter dem Haus Man schaut auf Das Feld Man erzählt vielleicht, oder man sagt nichts.

00:14:24: Man schaut einfach Das Feld ist da Die Koppeln sind da Sie atmet tiefer.

00:14:32: Man merkt das Dass sie sich einlässt Auf diesen Ort Auf diese Weite Auf das was man ihr nicht erklären konnte Was man nicht erklären kann Was man nur sitzen kann.

00:14:46: Das is auch ein Abend Einer von vielen Abenden auf dieser Bank Mit ihr Mit den Kindern später, mit dem Vater mal allein.

00:14:58: Die Bank hält das alles!

00:15:00: Sie ist aus Holz, sie wird nass im Regen, sie trocknet wieder – sie steht einfach.

00:15:06: Sie weiß nichts von dem was auf ihr gesessen hat aber sie hält es.

00:15:13: Sie schaut.

00:15:14: Sie schaut auf das Feld, auf diese Weite Man schaut auch.

00:15:19: man sieht was sie sieht und was man selbst sieht.

00:15:24: Dann die Kinder Charlie zuerst, dann das zweite.

00:15:29: Das Haus nimmt alle auf – weil es groß ist, weil es Platz hat!

00:15:34: Weil es das kann, weil Es das immer konnte, das Mehrfamilienhaus, dass für viele gemacht ist, dass viele aufnimmt, viele Jahreszeiten, viele morgen, viele Abende auf der Bank.

00:15:47: Dass sich nicht beschwert, viele Leben in diesem Haus, viele abende, viele Mahlzeiten und viele Morgen Viele Male, das jemand den Rasen gemäht hat und es nach Gras-und Benzin gerochen hat.

00:16:01: Immer wieder – dieses Mal!

00:16:03: Aber das ist später… Das ist alles später... Erst kommt dieser Sommer Dieser erste Sommer zurück.

00:16:10: Die Abende hinter dem Haus Diese Abende die man kennt Die ruhig sind Die lang sind im Sommer Die kurz sind Im Winter Ein Sommerabend.

00:16:20: Man sitzt auf der Bank Es ist noch hell Um neun, noch hell.

00:16:25: Das Licht hat diese Qualität die es nur im Norden hat.

00:16:29: Dieses Weiche dieses warme das nicht aufhören will.

00:16:33: Die Schwalben Sie fliegen um diese Zeit tief manchmal dann hoch.

00:16:39: sie kennen das Feld sie kennen die Insekten über dem Feld sie wissen wo sie fliegen müssen.

00:16:45: Man schaut den Schwalbem zu man trinkt man sitzt.

00:16:49: dass ist genug für diesen Abend.

00:16:52: Man sitzt manchmal allein, man sitzt manchmal mit jemandem.

00:16:56: Mit dem Vater, mit der Mutter später mit der Frau, später mit den Kindern.

00:17:02: Die Bank hinter dem Haus die immer da ist, die wartet Der Wind In Norddeutschland ist immer wind Hier auch Dieser Wind der vom Westen kommt, der über das Feld geht, der das Gras bewegt, der die Pferde unruhig macht.

00:17:18: manchmal.

00:17:19: Man kennt diesen Wind, man hat ihn immer gekannt.

00:17:22: Er ist kein Besuch, er gehört dazu wie das Feld, wie die Koppeln, wie der Geruch.

00:17:29: Im Herbst wird er stärker im Winter am stärksten.

00:17:32: Dann pfeift er ums Haus, man hört ihn in der Nacht, man liegt im Bett, man hört den Wind Das Haus hält – das macht es immer!

00:17:41: Dann hört man ihn nachts, man liekt und hört ihn, man denkt da isst er wieder.

00:17:47: Dieser Wind, der immer da ist.

00:17:50: Der einem ein gutes Gefühl gibt – nicht weil er angenehm ist sondern weil er vertraut isst!

00:17:56: Der Himmel hier über dem Feld dieser weite Himmel, der keine Berge hat, der einfach ist groß weit manchmal bewölkt, manchmal klar Manchmal diese Wolken die Schatten machen Die über das Feld laufen, die man sehen kann Die Schatten die laufen Das hat man als Kind geliebt Das liebt man noch.

00:18:18: Das Feld verändert sich mit der Jahreszeit, das Feld wechselt je nachdem was angebaut wird.

00:18:24: Im Frühling raps manchmal dieses gelb, dieses intensive leuchtende Gelb dass man von weit sieht.

00:18:32: im Sommer Getreide das im Wind geht diese Wellen in getreide die man sehen kann von der Bank wenn man hinschaut wenn man Zeit hat wenn man einfach sitzt.

00:18:43: Im Herbst abgeerntet flach Offen, dann sieht man noch weiter.

00:18:49: Noch mehr Horizont, noch mehr Weite Im Winter?

00:18:53: Karl Manchmal Frost, manchmal dieser weiße Reif auf dem Boden der Glitzert.

00:18:59: Das Feld macht das jedes Jahr Es wechselt, es bleibt dasselbe.

00:19:03: Man schaut auf das Feld und die Jahreszeiten gehen durch einen Durch alle auf einmal Weil man sie alle kennt weil man sie hier gesehen hat.

00:19:13: Das Licht, das Licht verändert sich auch Mit der Jahreszeit, mit der Tageszeit.

00:19:19: Das Abendlicht im Sommer dieses lange warme goldene Licht das nicht aufhören will, dass man nicht aufhören lassen will.

00:19:28: Man schaut wie sich das Licht verändert Wie der Abend kommt, wie die Pferde ruhiger werden, wie alles ruhig wird.

00:19:35: Die Bank – sie steht das ganze Jahr.

00:19:38: Im Sommer sitzt man abends Im Herbst sitzt man auch manchmal mit einer Jacke Im Winter selten zu kalt.

00:19:46: Im Frühling die ersten Abende wieder, wenn es länger hell bleibt.

00:19:50: Wenn man merkt – Es geht wieder!

00:19:53: Jede Jahreszeit hat ihre Abende auf der Bank.

00:19:56: Jede ist anders.

00:19:57: Im Sommer das lange Licht.

00:19:59: Im Herbst die Kühle, die man schon spürt.

00:20:02: Im Frühlings diese Erwartung Das Feld ist immer da Die Bank isst immer da Man muss nur rausgehen, man muss nur sitzen.

00:20:10: Das reicht.

00:20:11: Manchmal reicht das vollständig.

00:20:13: Eine Bank Dort wo man sitzen kann, wo man nach hinten schaut auf das Feld.

00:20:19: Auf die Koppeln.

00:20:20: Auf diesen Horizont Charlie Das erste Kind.

00:20:24: Man sagt es einfach Das erste kind.

00:20:26: Aber es ist nicht einfach Es ist alles.

00:20:30: Man ist dabei gewesen Die ganze Zeit Stunden.

00:20:35: Man hat gezählt und Aufgehör zu zählen Man hat gewartet und gehofft Und gezählt Und dann war's soweit.

00:20:44: Und dann war Charlie da, dieses Kind, dieses neue Leben das plötzlich da ist.

00:20:50: Das vorher nicht wahr.

00:20:52: und jetzt isst!

00:20:53: Man schaut, man schaut lange, man weiß nicht was man denkt, man denkt nichts, man schaut nur... Dann fährt man nach Hause.

00:21:04: Es ist spät oder früh, man weiss es nicht mehr genau, man fährt einfach.

00:21:10: Der Weg ist bekannt der Körper fährt Der Kopf ist woanders.

00:21:16: Abends fährt man nach Hause, man ist müde, man isst froh, man es beides gleichzeitig.

00:21:23: Man kommt an – das Elternhaus ist da wie immer!

00:21:28: Irgendwo brennt noch Licht, das hat immer bedeutet hier IST jemand.

00:21:33: Das hat sich nicht geändert, das wird sich nicht ändern.

00:21:37: Der Vater – man kennt ihn, man hat ihn immer gekannt diesen Mann der nicht viele Worte macht Der da ist, der immer da ist.

00:21:47: Der nicht erklärt, der einfach kommt.

00:21:51: An diesem Abend kommt er rüber!

00:21:53: Er klopft nicht, er kloppt nie – er kommt einfach.

00:21:57: So is das, so war das immer.

00:22:00: Er schaut einen an und fragt wie es ist?

00:22:04: Man sagt gut.

00:22:06: Er nickt, das stimmt so, dass hat immer gereicht zwischen Vater und Sohn.

00:22:11: manchmal diese wenigen Worte Diese kurzen Sätze, hinter denen mehr ist als sie sagen.

00:22:20: Er holt zwei Bier, zwei Zigarillos.

00:22:23: Man wundert sich kurz.

00:22:24: Der Vater raucht nicht.

00:22:26: Das weiß man – das hat man immer gewusst Noch nie In all den Jahren.

00:22:32: Man hat ihn nie Rauchen sehen.

00:22:35: Aber er setzt sich Er gibt einem die Zigarillo.

00:22:38: Er zündet seine an.

00:22:40: Mann zündete seine an.

00:22:41: Man sagt nichts Er sagt Nichts.

00:22:46: Das ist dieser Abend, dieser eine Abend den man behält.

00:22:51: Man sitzt auf der Bank hinter dem Haus und schaut auf das Feld.

00:22:56: Es ist Abend.

00:22:57: Das Licht ist das Abendlicht – dieses Licht, das man kennt.

00:23:02: Das Feld liegt da ruhig still weit.

00:23:08: Die Pferde stehen auf der Koppel irgendwo da drüben.

00:23:12: Man sieht sie, sie stehen still wie man selbst sitzt Still.

00:23:18: Der Zigarillo, man raucht nicht immer!

00:23:21: Man raucht manchmal zu besonderen Anlässen vielleicht an Abenden wie diesem.

00:23:28: Der Vater raucht nichts – das hat er nie.

00:23:30: Man weiß nicht warum er es an diesem Abend tut.

00:23:34: Man fragt nicht….

00:23:35: …man nimmt….

00:23:36: …man raucht.

00:23:38: Dieser Rauch dieser besondere Geruch der sich mit dem Abend mischt, Man wird sich erinnern, nicht an alles von diesem Abend aber an diesen Geruch.

00:23:53: Zigarillo-Rauch und Abendluft und Feld – diese Mischung die nur einmal war, die man nicht wiederholt, die einfach wahr!

00:24:03: Der Vater dieser Mann der an diesem Abend eine Ausnahme macht, der setzt sich, der gibt, der da ist Das ist genug das ist mehr als genug.

00:24:16: Er steigt auf Er riecht anders als Zigaretten ein bisschen süßlich, ein bisschen schwer.

00:24:23: Er zieht langsam weg im Abendwind der von Westen kommt fast immer vom Westen.

00:24:29: hier Man trinkt man raucht und schaut auf das Feld.

00:24:34: Der Vater trinkts, der Vater rauchts, er schaut aufs Feld.

00:24:40: Man sitzt nebeneinander, Vater und Sohn Auf dieser Bank in diesem Abend in Friedrichsfeld.

00:24:49: Man denkt an Charlie, an diesen Tag, an diesem Moment wo alles anders war.

00:24:54: Wo ein neues Leben da war.

00:24:57: Klötzlich!

00:24:58: Wirklich!

00:25:00: Man denkt am das Feld, an die Pferde An den Geruch vom Rasenmäher, an all'die Abende hier Die man hatte, die kommen werden.

00:25:11: Irgendwann sagt der Vater etwas oder Mann sagt etwas?

00:25:15: Man weiß es nicht mehr genau, man weiß nur dass man saß Dass man rauchte, dass das Bier kalt war, dass der Vater da war.

00:25:24: Das das Feld da war, das das gereicht hat – vollständig gereicht had.

00:25:31: Das Licht ist das Abendlicht, das Licht, das alles wärmer macht.

00:25:35: Das Feld leuchtet fast!

00:25:38: Man trinkt, man raucht, man sagt nicht viel.

00:25:42: Der Vater sagt nicht Viel, das braucht es nicht.

00:25:47: Die Pferde stehen irgendwo auf der Koppel.

00:25:50: Man sieht sie, Sie stehen still wie man selbst sitzt.

00:25:54: Man denkt an Charlie, man denkt an diesen Tag, man denken gar nichts – alles auf einmal!

00:26:02: Der Vater schaut auf das Feld, Mann schaut aufs Feld.

00:26:07: Das Bier, zwei Bier Nicht mehr, nicht mehr Nicht weniger.

00:26:13: Das erste Bier trinkt man schnell weil man Durst hatte, Weil der Tag lang war, weil man endlich sitzen kann weil alles gut ist, weil Charlie da ist.

00:26:22: Das zweite Bier trinkt man langsam.

00:26:24: Man hat Zeit jetzt – alle Zeit!

00:26:26: Man schaut auf das Feld, man dringt, man raucht, man schaut.

00:26:30: Der Vater trinkts auch langsam.

00:26:32: Auch er hat Zeit… auch er schaut aufs Feld.

00:26:36: So sitzen sie nebeneinander, nicht gegenüber, nebeneinander Beide auf die Weite gerichtet, beide stille, beide da.

00:26:45: Das hat immer gereicht, zwischen Vater und Sohn.

00:26:48: Diese Stille die keine Stille ist Die voll ist, die alles enthält was man nicht sagen muss.

00:26:54: Die Nacht in Friedrichsfeld Anders als in der Stadt, dunkler, stiller.

00:26:59: Die Straßenlaternen sind wenige das Feld ist dunkel, die Koppeln sind dunkel Man sieht die Pferde nicht mehr, man weiß dass sie da sind.

00:27:07: Die Sterne Hier sieht man Sterne Wirklich weil wenig Licht ist Weil die Nacht wirklich nacht ist.

00:27:13: Man steht manchmal abends draußen, man schaut nach oben.

00:27:17: Diese Sterne über dem Feld die man hier sieht wirklich sieht.

00:27:21: nicht nur ahnt diese Stille dazu kein Stadtlicht Kein Verkehr Nur das Feld Nur die Sterne Nur dieser Himmel Diese Weite in beide Richtungen Nach unten Das Feld Nach oben Die Sterne Man selbst dazwischen Klein In Ordnung damit.

00:27:38: Dann geht man rein.

00:27:39: Das Haus ist warm, die Eltern sind drin, das Licht brennt irgendwo Die Küche riecht nach etwas Man weiß nicht genau was Aber es rieht nach zu Hause.

00:27:48: Alles ist gut.

00:27:49: Später geht man reihen, man schläft.

00:27:52: Es dauert nicht lang, man schleft gut in dieser Nacht.

00:27:55: Das Haus steht noch, das Feld ist noch da Die Koppeln sind noch da.

00:27:59: Wenn jemand den Rasenmäht, riecht es noch Gras und Benzin.

00:28:03: Dieser Geruch der zu diesem Ort gehört Der immer dazugehört hat Der einen findet Überall wenn jemand rasen mäht Irgendwo Und man atmet Und ist in Friedrichsfeld Für einen Moment.

00:28:15: die Bank steht noch Hinter dem Haus Man setzt sich manchmal noch Man schaut auf das Feld Das selbe Feld, derselbe Horizont Fast bis nach Silberstedt fast bis nach Trier.

00:28:26: Charlie wächst auf, das Kind wird größer.

00:28:29: Man schaut, man schaut wie es geht, wie es läuft ,wie es fällt und wie es aufsteht.

00:28:34: Man zeigt das Feld, man zeigt die Pferde, man zeigt den Horizont fast bis nach Silber steht.

00:28:40: Das Kind schaut mit diesen Augen, die noch alles neu sehen, die nicht gewöhnt sind, die alles als Wunder nehmen.

00:28:48: das Feld als Wunder, den Horizont als Wunter die Pferde als Wunda.

00:28:53: So hat man das auch gesehen Irgendwann.

00:28:55: lange ist es her aber diese Augen kennt man noch.

00:28:58: Das ist ein gutes Gefühl dieses Zeigen dieses Weitergeben das Feld Die Koppeln der Geruch vom Rasenmäher.

00:29:06: Das zweite Kind kommt, das Haus hat Platz.

00:29:09: Es hatte immer Platz!

00:29:10: Es wird mehr leben, mehr Geräusche, mehr Schritte, mehr von allem.

00:29:14: Das Haus hält das – das Haus kann das.

00:29:17: Die Kinder kennen dieses Feld jetzt auch.

00:29:19: Charlie kennt es.

00:29:20: Sie sind aufgewachsen mit diesem Blick Mit dem Feld, mit den Pferden, mit dem Rasenmähergeruch Mit diesem Blick nach Silberstedt wie man selbst aufgewachsen ist.

00:29:30: Irgendwann werden sie zurückdenken an das Elternhaus, an den Garten, an das Feld dahinter.

00:29:35: An den Geruch wenn jemand den Rasen mähte.

00:29:38: so geht es von Generation zu Generation.

00:29:41: Charlie rennt manchmal übers Feld, kennt keine Grenzen.

00:29:45: Für das Kind ist das Feld grenzenlos – wie es früher grenzenloß war für einen selbst.

00:29:50: Das Kind wird das vergessen und irgendwann wiederfinden Wie man es wiedergefunden hat.

00:29:55: Dieser Geruch diese Weite dieser Horizont der immer da ist Diese Bank hinter dem Haus in Friedrichsfeld Kolonistenweg XXIII Das Feld.

00:30:06: Es ist immer das Feld, man kommt immer wieder auf das Feld weil es da ist, weil es immer da ist und nicht weggeht.

00:30:12: Irgendwann wird man selbst weggehen.

00:30:14: Man geht immer weiter – das Leben geht weiter Aber das Feld bleibt Der Colonistenweg bleibt, das Haus bleibt Und wenn man zurückkommt, ist es noch da.

00:30:24: Das Feld die Weite, man schaut, man atmet, man ist da!

00:30:29: Man sitzt auf der Bank, man schaut auf das Felt.

00:30:32: Das Feld ist da wie immer.

00:30:34: Die Pferde sind irgendwo, auf der Koppel.

00:30:36: Man sieht sie manchmal – manchmal nicht!

00:30:39: Der Abend kommt, das Licht wird anders Es kommt jetzt schräger, es macht Schatten im Gras.

00:30:44: Das Gras wird goldener, der Horizont bleibt Fast bis nach Süberstedt, fast bis nach Träher.

00:30:51: Immer da!

00:30:53: Man schläft, draußen ist das Feld die Pferden stehen, der Abend ist lange vorbei Die Schwalben schlafen, alles schläft.

00:31:01: Das Feld atmet, die Koppeln sind still Der Colonistenweg ist still, aber die Bank steht noch hinter dem Haus in Friedrichsfeld.

00:31:09: Das Elternhaus bleibt der Colonistenwege bleibt das Feld bleibt die Bank bleibt der Geruch von Gras und Benzin bleibt wenn jemand mäht irgendwo irgendwann man atmet und ist kurz wieder da in Friedrichsfeld im Garten.

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