Der Kanal — Hörgeschichte für Erwachsene, vorgelesen
Shownotes
Der Kanal kommt nicht schnell. Ein Schiff nähert sich, zwölf Stundenkilometer, und wirkt doch, als stünde es still — der ruhende Punkt, während die Welt vorbeizieht. Der Nord-Ostsee-Kanal zieht durch Schleswig-Holstein wie ein Gedankengang: gerade, ruhig, ohne Eile. Achtundneunzig Kilometer, seit achtzehnhundertfünfundneunzig.
Eine ruhige Geschichte über die Langsamkeit großer Schiffe, über einen Wasserweg, der teilt und verbindet, und über das Sitzen am Ufer, wenn die Eile nichts mehr bedeutet.
Stille Orte — ruhige Geschichten von stillen Orten und Momenten. Jeden Freitag eine neue Episode.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Der Kanal Er kommt nicht schnell.
00:00:02: Das ist das erste, was man lernt wenn man am Kanal sitzt.
00:00:06: Ein Schiff kommt Aber nicht schnell.
00:00:09: Es kommt langsam Sehr langsam Als hätte es entschieden dass Eile hier nichts bedeutet.
00:00:15: Zwölf Stundenkilometer Das ist die Höchstgeschwindigkeit auf dem Nordostseekanal.
00:00:21: zwölf.
00:00:22: Ein Mensch geht vier Kilometer in der Stunde.
00:00:25: Das Schiff fährt dreimal so schnell aber es wirkt nicht so.
00:00:29: Es wirkt, als würde es stehen.
00:00:31: Als würde die Welt an ihm vorbeigehen.
00:00:33: Als wäre es der ruhende Punkt und man selbst am Ufer wäre der, der sich
00:00:39: bewegt.".
00:00:40: Der Kanal geht durch Schleswig-Holstein wie ein Gedankengang gerade ruhig ohne Abweichung.
00:00:58: Elf Meter, das Kanalbett.
00:01:00: Achtzehnhundert fünfundneunzig eröffnet damals noch Kaiser Wilhelm Canal.
00:01:06: Es war ein Ereignis eine der größten Ingenieursleistungen der Zeit.
00:01:10: Achttausend Arbeiter haben ihn gebaut.
00:01:13: Neuen Jahre.
00:01:14: Sie haben das Land durchgegraben sie haben Dörfer umgesiedelt sie haben Straßen unterbrochen sie haben die Landschaft verändert.
00:01:22: Das Land das vorher durchgehend war wurde geteilt Nicht für immer getrennt, die Fähren verbinden.
00:01:29: Aber geteilt!
00:01:30: Das ist was ein Kanal macht.
00:01:32: Er teilt und verbindet gleichzeitig.
00:01:35: Er isst beides – immer beides.
00:01:38: Der Kanal hat die Dörfer auf beiden Seiten getrennet Familien, die früher auf derselben Seite lebten Bauernhöfe deren Land auf beiden Seiten liegt Wege, die unterbrochen wurden Und gleichzeitig Die Verbindung Die Fähre, die kostenlos übersetzt.
00:01:54: Der Tunnel, der kostenlos verbindet.
00:01:56: Die Brücken – was getrennt wurde, wurde auch wieder verbunden auf andere Art durch Wasser.
00:02:02: Das ist, was ein Kanal macht.
00:02:05: Achtzehnhundertfünfundneunzig eröffnet Damals noch Kaiser Wilhelm-Kanal.
00:02:10: Ein Kaiser hat ihn eingeweiht.
00:02:12: Heute passieren ihm dreißigtausend Schiffe im Jahr.
00:02:15: Der meist befahrene Kanal der Welt.
00:02:18: Er liegt in Schleswig-Holstein Er liegt zwischen Feldern und kleinen Dörfern.
00:02:22: Er liegt Zwischen Kühen und Koppeln, er liegt da still auf den ersten Blick Und trägt die Welt durch Norddeutschland.
00:02:30: Man sitzt am Ufer Irgendwo zwischen Rendsburg und Brunsbüttel.
00:02:35: Die Stelle liegt auf halber Strecke ungefähr.
00:02:37: Das Land hier ist das Flachste dass man sich vorstellen kann.
00:02:40: Die Felder gehen bis zum Horizont.
00:02:43: Kein Hügel keine Erhebung Nur das Land der Himmel und der Kanal dazwischen.
00:02:48: Diese Flachheit hat etwas Beruhigendes.
00:02:51: Man kann alles sehen, es gibt nichts was sich versteckt.
00:02:54: Das Schiff das kommt, kommt von weit sichtbar!
00:02:57: Der Radfahrer der Nährt ist lange zu sehen – das Land hat keine Überraschungen.
00:03:02: Das ist gut manchmal, das ist gut wenn man Ruhe sucht….
00:03:07: Wenn man sitzen und schauen will ohne Druck, ohne das Gefühl etwas zu verpassen.
00:03:12: hier verpasst man Nichts.
00:03:13: Das Nächste kommt auch, man wartet.
00:03:20: Nicht mehr – das ist genug!
00:03:22: Man muss nicht verstehen woher das Schiff kommt, man muss nicht wissen was es trägt, man mußnicht wissen wohin es fährt.
00:03:29: Man muß nur sehen dass es kommt, dass es langsam isst, daß es durch das stille Land zieht, da's es wieder weg ißt, da´s das Wasser sich beruhigt und daß das nächste kommt… Mehr nicht …das ist genug.
00:03:42: Die Stelle hat keinen besonderen Namen Ein Grasstreifen ein paar Bäume eine Bank.
00:03:47: Jemand hat hier eine Bank hingestellt.
00:03:50: Man weiß nicht wann, man weiß nicht wer aber die Bank steht und man sitzt.
00:03:55: Das Wasser des Kanals liegt vor einem Ruhig grau-grün Breiter als jeder Fluss den man kennt.
00:04:02: Auf der anderen Seite Felder flaches Land Ein Bauernhof weit weg Windräder am Horizont Der Himmel darüber Grau und Weit.
00:04:11: das ist Schleswig-Holstein.
00:04:17: Der Himmel liegt darüber, wollten ziehen.
00:04:19: Der Wind ist leicht heute – nicht der Westwind der Nordsee!
00:04:23: Hier, tiefer im Land, isst er windruhiger.
00:04:26: Er kommt und geht.
00:04:28: Er bringt den Geruch von Feld-und Gras Und manchmal den Gerucht des Wassers.
00:04:33: Das ist der Kanal von seiner ruhigsten Seite.
00:04:36: Nicht das Meer, nicht der Lärm eines Hafens.
00:04:39: Das Land, der Kanal, der Himmel Und die Schiffe, die kommen.
00:04:44: Dann kommt das Schiff.
00:04:45: Man hört es, bevor man es sieht.
00:04:47: Ein tiefes Brummen weit entfernt – dann eine Bugwelle die den Kanal schräg durchzieht… Dann der Buch!
00:04:54: Dann der Rumpf!
00:04:56: Dann das ganze Schiff!
00:04:58: Ein Containerschiff!
00:04:59: Groß!
00:05:00: Sehr groß!
00:05:01: Man wusste dass sie groß sind.
00:05:03: aber Wissen und Seen sind verschiedene Dinge.
00:05:06: Das Schiff fühlt den Kanal Es füllt den Blick Es ist größer als die Bäume daneben Es ist grösser als das Dorf dahinter Es gleitet, es macht keinen Lärm nur das Brummen der Motoren tief gleichmäßig und dass Wasser das vor ihm zurückweicht und hinter ihm zusammenläuft.
00:05:26: Wellen die ans Ufer laufen kleines Schwappen dann wieder stille.
00:05:32: Auf dem Schiff stehen Männer Einer auf der Brücke weit oben.
00:05:36: er schaut nach vorne Er schaut nicht auf einen.
00:05:39: warum sollte er?
00:05:41: Er trägt Verantwortung für das Schiff, für die Ladung und für die Crew.
00:05:46: Er ist Kapitän oder erster Offizier oder Lohze.
00:05:51: Jedes Schiff auf dem Nordostseekanal braucht einen Lohzen – einen Mann oder eine Frau, die den Kanal kennen, die wissen wo die Fähren kreuzen, wo die engen Stellen sind, wo man aufpassen muss.
00:06:04: Ein anderer Mann steht auf dem Deck.
00:06:06: Er schaut aufs Ufer!
00:06:08: Er hat den Kanal schon oft gesehen, er hat viele Kanäle gesehen.
00:06:14: Viele Häfen, viele Küsten.
00:06:17: Der Mann auf dem Deck ist müde vielleicht oder er genießt die Luft.
00:06:21: Man weiß es nicht.
00:06:23: Das Schiff zieht vorbei der Name steht am Heck Ein Buchstabe.
00:06:28: dann zahlen Dann der Heimathafen Panama City Oder Limassol Oder Singapur.
00:06:36: das Schiff kommt von weit her Es fährt weit hin.
00:06:39: Der Kanal ist nur ein Abschnitt, Ein Atemzug auf einer langen Reise.
00:06:45: Das Schiff ist vorbei – das Wasser beruhigt sich wieder Die Wellen werden kleiner Dann ist das Wasser wieder glatt Als wäre das Schiff nie da gewesen.
00:06:55: Nur das Brummen noch in der Ferne Dann das auch weg!
00:07:00: Der Kanal liegt still Wartet oft.
00:07:02: als Nächste Zwischen den Schiffen liegt der Kanal still.
00:07:07: Das kann kurz sein drei Viertel Stunden, manchmal weniger.
00:07:10: Manchmal länger!
00:07:12: Wenn ein großes Schiff kommt und ein kleines danach wartet – wenn ein Schiff in der Weiche ankert?
00:07:18: Wenn etwas passiert was den Verkehr kurz hält?
00:07:21: Dann liegt der Kanal still.
00:07:23: Manchmal zehn Minuten, manchmal länger.
00:07:27: In diesen Minuten ist der Kanal am deutlichsten er selbst.
00:07:31: Ein breites Wasser das nichts trägt Das einfach da isst.
00:07:35: Das Wasser trägt noch die Buchwelle des letzten Schiffes, diese kleinen Wellen, die ans Ufer laufen immer wieder kleiner werdend bis das Wasser wieder glatt ist.
00:07:46: Das dauert ein paar Minuten!
00:07:48: In diesen Minuten liegt der Kanal ganz still als würde er sich erinnern an das Schiff das gerade war – an alle Schiffe, die je waren.
00:07:57: Das Wasser hat sie alle getragen.
00:07:59: Das water trägt alles.
00:08:01: es stellt keine Fragen.
00:08:03: Das Wasser des Kanals ist kein natürliches Wasser.
00:08:06: Es ist das Wasser von Regen und Eider und kleinen Flüssen, es ist Brackwasser ein bisschen – es fließt kaum!
00:08:14: Ein künstlicher Kanal fließ nicht wie ein Fluss — er liegt, er hält das Wasser und das Wasser hält die Schiffe.
00:08:22: Das ist der Unterschied zwischen einem Kanal und einem Fluss.
00:08:26: Der Kanal ist gemacht, der Fluss ist gewachsen Aber das Wasser macht keinen Unterschied.
00:08:32: Es trägt immer, es macht keinen Unterschied.
00:08:36: Ein Containerschiff aus Panama und ein kleines Segelboot – das Wasser trägt beide!
00:08:42: Das ist das Kanalprinzip, das ist das Wasserprinzip.
00:08:46: Am anderen Ufer steht ein Mann mit einem Fahrrad.
00:08:49: Er hat angehalten, er schaut auf das Wasser.
00:08:52: Er hat das Schiff auch gesehen, er schaut noch als dass Schiff schon weg ist.
00:08:57: Dann fährt er weiter Den Kanalweg entlang flach geradeaus.
00:09:02: Er wird heute noch weit kommen.
00:09:04: Der Kanalweg hat keine Steigungen, das Land hier ist flach.
00:09:09: Der Canal selbst hat keine Strömung, keine Kurven, keine Überraschungen – er liegt und trägt!
00:09:15: Er liegt und wartet!
00:09:17: Das ist seine Art.
00:09:20: Der Kanalweg auf der Nordseite und der Südseite ist für Radfahrer- und Fußgänger über dreihundert Kilometer insgesamt wenn man die ganze Strecke abfährt.
00:09:30: Die meisten fahren ein Stück Eintag, zwei Tage.
00:09:34: Sie sehen die Schiffe, sie sehen die Felder daneben, sie sehn wie das Land flach ist und weit – wie der Himmel groß ist!
00:09:42: Sie sehn Kühe, die neben Containerschiffen grasen.
00:09:46: Das isst das Bild des Kanals.
00:09:48: Das macht ihn besonders.
00:09:50: Diese Gleichzeitigkeit, diese zwei Welten, die nebeneinander liegen.
00:09:55: Die eine, Containerschiffe aus Singapur, Tanker aus Rotterdam, Frachter aus aller Welt.
00:10:01: Die andere?
00:10:02: Kühe, Knicks.
00:10:03: Ein Bauer auf seinen Traktor.
00:10:05: Beide da!
00:10:07: Beide gleichzeitig – das ist der Nordostseekanal.
00:10:11: Weiter östlich liegt Rendsburg die Stadt, die der Kanal in zwei Hälften schneidet oder verbindet je nachdem wie man es sieht.
00:10:19: Die Eisenbahnhochbrücke überspannt ihn.
00:10:22: Zweiundvierzig Meter hoch Das ist die Höhe aller Brücken über dem Kanal.
00:10:27: Alle zehn Brücken haben dieselbe lichte Höhe.
00:10:32: Das wurde so festgelegt, als der Kanal für die Linienschiffe der kaiserlichen Marine gebaut wurde.
00:10:38: Die Schiffe bestimmen die Brücken – nicht die Brücke, die Schiffe!
00:10:42: Die Rendsburger Eisenbahn Hochbrücke ist die bekannteste.
00:10:45: Sie sieht aus wie ein Aquedukt der Moderne lang beschwungen aus rotem Stahl.
00:10:51: sie überspannt nicht nur den Kanal sie überspannt Zeit.
00:10:55: hoch genug für die größten Schiffe.
00:10:57: unter ihr hängt die Schwebefähre Eine Gondel, die an einem Stahlträger über dem Wasser schwebt.
00:11:03: Sie trägt Autos und Radfahrer von einer Seite zur anderen – kostenlos!
00:11:10: Das ist das Versprechen des Kanals.
00:11:12: Wer durch ihn getrennt wird, wird kostenlos verbunden.
00:11:16: Unter der Eisenbahnhochbrücke hängt die Schwebefähre eine Gondell, die am einem Stalträger auf dem Wasser gleitet.
00:11:23: Sie nimmt Autos mit und Radfahren mit – kostenlose.
00:11:29: Man fährt sechs Meter über dem Kanal, man schaut ihn unter auf das Wasser.
00:11:33: Man schaut auf die Schiffe wenn sie gerade kommen.
00:11:36: Man ist kurz zwischen den Welten – nicht auf dem Ufer oder auf dem Schiff.
00:11:41: Irgendwo dazwischen in der Gondel.
00:11:44: Sechs Meter über den Wasser des Kanals Das ist eine besondere Art, den Kanal zu überqueren.
00:11:50: In Rendsburg begrüßt man die Schife.
00:11:53: Ein Team von ehemaligen Kapitänen steht an der Schiffsbegrüßungsanlage.
00:11:57: Sie kennen die Schiffe, sie kennen die Flaggen.
00:12:00: Jedes Schiff bekommt die Nationalhymne seines Heimatlandes.
00:12:04: Das Schiff aus Singapur bekommt die Singapura-Hymne das Schiff Aus Norwegen – Die Norwegische.
00:12:10: Ob die Kurs hört?
00:12:11: Ob sie es schätzt?
00:12:12: Man weiß es nicht!
00:12:14: Die Seeleute auf diesen Schiffen verbringen Monate auf See.
00:12:17: Sie können viele Häfen, viele Kanäle, viele Ufer, die an ihnen vorbeiziehen.
00:12:23: Manche von ihnen kommen aus Ländern, die weit weg sind.
00:12:26: Manche kommen zum ersten Mal durch diesen Kanal.
00:12:29: Manche kennen ihn seit Jahren.
00:12:31: Für manche ist der Nordostseekanal ein Vertrauterabschnitt, für manche isst er fremd.
00:12:37: Aber die Nationalhymne, die hört man.
00:12:39: Die kennt man wenn man aus diesem Land kommt.
00:12:42: Man hört sie und denkt Da!
00:12:44: Da wissen Sie woher ich komme.
00:12:47: aber die alten Kapitäne spielen sie trotzdem.
00:12:49: Das ist eine Art Respekt Eine stille Verbeugung.
00:12:53: Wir sehen Euch Ihr seid willkommen.
00:12:55: Ihr fahrt durch unser Land.
00:12:57: Am Ufer, ein Stück westlich von Rendsburg sitzen zwei alte Männer auf einer Bank.
00:13:02: Sie schauen auf den Kanal – sie reden Ab und zu reden sie.
00:13:06: Meistens schweigen sie.
00:13:08: Sie haben viel Zeit mitgebracht die beiden Oder sie haben keine Eile mehr.
00:13:13: Das ist manchmal dasselbe.
00:13:15: Einer zeigt auf etwas Auf einen Schiff das kommt Der andere nickt.
00:13:19: Beide schauen.
00:13:21: Das Schiff zieht vorbei beide nicken.
00:13:23: Dann reden Sie wieder, ein bisschen.
00:13:26: Dann schweigen sie wider.
00:13:27: Das ist Ihr Kanal Ihre Bank Ihr Nachmittag.
00:13:31: Ein Radfahrer kommt den Weg entlang.
00:13:33: Er fährt schnell.
00:13:35: Er trägt einen Helm Eine gelbe Jacke Einen Rucksack.
00:13:38: Er schaut nicht auf das Wasser.
00:13:40: Er fahrt durch.
00:13:41: Er hat ein Ziel.
00:13:42: Das ist auch eine Art am Kanal zu sein.
00:13:45: Ein anderer Radfahrers kommt langsamer Er schaut.
00:13:48: Er bremst kurz ab als ein Schiff kommt.
00:13:50: Schaut!
00:13:51: Dann fährt er weiter.
00:13:52: Der Kanal ist für alle, Für die, die langsam sind.
00:13:56: Und für die, Die durch!
00:13:58: Er macht keinen Unterschied.
00:14:00: Am Wasser zwischen Brunsbüttel und Rendsburg sitzt manchmal jemand und angelt.
00:14:04: Die Angler kennen den Kanal.
00:14:06: Sie kennen die Stellen wo die Fische sind.
00:14:08: Die Fische, die sich an den Rand halten wenn ein großes Schiff kommt... ...die Stellen, die ruhig sind,... ...die Stellen, die warten lassen.
00:14:16: Der Angler sitzt.
00:14:17: Er wartet.
00:14:18: Das Schiff Kommt!
00:14:19: Er zieht die Angel kurz rein Wartet, das Schiff geht vorbei.
00:14:23: Er wirft wieder aus!
00:14:25: Das ist das Ritual des Kanalangels.
00:14:27: Warten auf Fische, warten zwischen den Schiffen.
00:14:31: Er trägt die Schiffe egal woher – er liegt im Land.
00:14:34: Egal wer schaut und das Land lieht gut dabei.
00:14:38: Die Dörfer am Kanal haben sich an ihn gewöhnt.
00:14:41: Sie wissen dass das Schifff kommt Dass es immer ein Schiff kommt.
00:14:45: Manche der Alten erinnern sich als es noch mehr waren.
00:14:48: Früher kamen noch mehr Schiffe.
00:14:51: Der Handel hat sich verändert, die Routen haben sich verändert.
00:14:55: Aber der Kanal ist noch da und die Schiffe kommen noch.
00:14:59: Dreißigtausend im Jahr.
00:15:01: Achtzig am Tag im Schnitt.
00:15:04: Alle dreivirte Stunden eines!
00:15:06: Man muss nicht lange warten – Die Lampenmasten stehen alle zweihundertfünfzig Meter auf beiden Seiten symmetrisch als würden sie ein Tor bilden, Tor nach Tor Tor nach Tor, nach Tor.
00:15:21: Achtundneunzig Kilometer weit von Brunsbüttel bis Kiel Wenn man nachts am Kanal steht sieht man die Linie der Lichter links und rechts.
00:15:32: Sie laufen zusammen in der Ferne als würden sie sich treffen Als gäbe es einen Punkt wo beide Seiten eins werden.
00:15:40: Das ist die Perspektive das ist das Licht des Kanals.
00:15:45: Die Lampenmasten stehen alle zweihundertfünfzig Meter.
00:15:49: Im Dunkeln leuchten sie, man kann den Kanal nachts abfahren!
00:15:54: Er ist beleuchtet – die Schiffe fahren auch nachts.
00:15:58: Dreißigtausend Schiffe im Jahr schlafen nicht alle am selben Tag.
00:16:02: Sie fahren immer Tag und Nacht Durch das Land durch den Regen durch den Nebel der manchmal über dem Kanal liegt durch den Winter durch alle Jahreszeiten.
00:16:14: Der Kanal schläft nicht.
00:16:17: Manchmal, spät abends wenn das Tageslicht weg ist dann sieht der Kanal anders aus.
00:16:23: Das Wasser ist Schwarz Die Lampen spiegeln sich darin Gelbe Punkte die im Wasser zittern.
00:16:30: Und dann ein Schiff.
00:16:33: Es kommt aus der Dunkelheit mit Positionslichtern Grün an Steuerbord Rot an Backbord und Mit der Bugwelle die man im Dunkelnicht sieht aber hört Das Wasser, das ans Ufer läuft.
00:16:47: Das Brummen der Motoren, das in der Nacht weiter trägt.
00:16:50: Das Schiff gleitet durch das schwarz Es ist beleuchtet Die Brücke die aufbauten.
00:16:56: es sieht aus wie ein fahrendes Haus Wie ein Dorf auf dem Wasser.
00:17:01: Auf diesem Dorf leben Menschen Manchmal zehn, manchmal zwanzig, manchmal dreißig auf den ganz großen Schiffen.
00:17:10: Sie schlafen dort sie essen dort Sie verbringen Wochen dort, Monate.
00:17:16: Für sie ist das Schiff zu Hause.
00:17:19: Der Kanal ist ein kurzer Besuch.
00:17:21: Sie haben ihre Kabinen, ihren Speisesaal, ihre Schichten.
00:17:26: Vier Stundenwache acht Stunden frei.
00:17:29: Vierzundenwache, acht Stundenfrei.
00:17:33: Das ist das Leben auf See.
00:17:35: Der Canal ist nicht See aber er isst ein Teil davon.
00:17:39: Ein Atemzug zwischen dem Wasser Der Mann in der Kabine, der schläft.
00:17:44: Er schläft über dem Kanal, er schlägt über Schleswig-Holstein.
00:17:49: Er weiß es vielleicht – er schlässt trotzdem!
00:17:53: Dann ist es durch.
00:17:54: Die Dunkelheit schließt sich wieder und die Lichter spiegeln weiter.
00:17:59: Der Kanal schlämt nicht aber er ist ruhig.
00:18:03: Er war nicht immer so ruhig.
00:18:05: In den ersten Jahren musste er ausgebaggert werden immer wieder.
00:18:09: Der Schlick setzte sich ab Die Schiffe wurden größer.
00:18:13: Der Kanal wurde vertieft, verbreitert.
00:18:17: seven das erste Mal.
00:18:20: fourteen das zweite.
00:18:22: Noch heute baggert man jährlich Sechseinhalb Millionen Kubikmeter Schlick.
00:18:28: Das ist die Arbeit, die niemand sieht.
00:18:30: Die passiert damit der Kanal funktioniert Damit die Schiffe kommen können, damit man hier sitzen kann und zuschauen.
00:18:40: Der Kanal wurde eighteenhundertfünfundneunzig eröffnet.
00:18:44: Kaiser Wilhelm II.
00:18:45: schnitt das Band, er hieß damals Kaiser-Wilhem-Kanal bis nineteenhundertachtundvierzig.
00:18:53: dann wurde er umbenannt.
00:18:55: die Geschichte steckt in ihm.
00:18:56: man sieht sie nicht wenn man nur die Schiffe schaut aber sie ist da Die Anfänge der kaiserlichen Marine zwei Weltkriege die über ihn gegangen sind die Jahrzehnte danach der Wiederaufbau, die Schiffe aus aller Welt.
00:19:14: Der Kanal hat alles gesehen – er hat gute Jahre gesehen und schlechte!
00:19:19: Er hat Kriegsschiffe gesehen und Flüchtlingsschiffe Handelsfrachter- und Luxusjachten Ausflugsschiffen und Fischerboote Segelboote, die einen ganzen Sommer gebraucht haben um bis hier zu kommen Und Schnellfrachtern, die in zwei Stunden durch sind.
00:19:37: Alle hat er gesehen Alle hat er getragen.
00:19:41: Er macht keinen Unterschied, er trägt alle.
00:19:44: Er hat immer alle getragen.
00:19:47: Das ist seine Art gewesen von Anfang an.
00:19:50: Der Kanal kennt keine Seiten.
00:19:53: Er kennt nur die Richtung Brunsbüttel nach Kiel Kiel nach Brunsbürtl Hin Heer Immer Unter dem Kanal.
00:20:04: bei Rendsburg gibt es einen Tunnel Ein Fußgänger und Radfahrrad-Tunnel Hundertzwanzig Meter lang.
00:20:11: Man fährt mit dem Aufzug oder der Rolltreppe hinunter, eine lange Rolltrepe führt hinunter – so lang dass man Zeit hat, langsamer zu werden!
00:20:20: Dann läuft man durch die Röhre, hundert zwanzig Metern unter dem Wasser, unter dem Kanal, unter den Schiffen über einem Wasser.
00:20:30: Über dem Wasser ein Containerschiff vielleicht?
00:20:33: Das weiß man nicht wenn man unten ist.
00:20:35: Man geht durch und kommt auf der anderen Seite raus Man steigt die Rolltreppe hoch, man ist auf dem anderen Ufer.
00:20:42: Das ist die dritte Art den Kanal zu überqueren – die Brücke, die Fähre der Tunnel alle kostenlos, alle immer offen!
00:20:52: Das ist das Versprechen dass beim Bauge geben wurde.
00:20:55: Der Bund muss Quährungen bereitstellen für die die durch den Kanalbauge trennt wurden.
00:21:01: Das gilt bis heute.
00:21:02: es wurde nie aufgeroben.
00:21:04: Es gilt Es gilt für die Brücken.
00:21:08: Das ist Infrastruktur als Versprechen, als Verpflichtung, als bleibendes Jahr zum Zusammenhalt – alles kostenlos, alles immer offen!
00:21:19: Er ist sehr ruhig für das was er trägt.
00:21:22: Auf der anderen Seite des Kanals am Südufer sitzt eine Frau auf einer Decke.
00:21:27: sie liest Sie hat das Buch.
00:21:34: Sie liest hier, weil das Wasser ihr hilft.
00:21:37: Die Schiffe die kommen, die unterbrechen sie kurz.
00:21:40: Sie schaut dann ließt sie weiter.
00:21:43: Das ist auch eine Art am Kanal zu sein – das Buch und das Wasser.
00:21:48: Das ist kein schlechter Nachmittag.
00:21:50: Ein Frachtschiff kommt kleiner als das Containerschiff Niedriger aber immer noch groß.
00:21:56: Es trägt Getreide vielleicht oder Stahl Oder etwas dass man nicht sieht und nicht erräht.
00:22:03: Auf dem Deck stehen Container, aufgestapelt.
00:22:06: Bunte Container – rot, blau, grau.
00:22:09: Jeder Container eine Geschichte.
00:22:12: Jeder container ein Inhalt den jemand irgendwo braucht.
00:22:16: Das Schiff zieht vorbei Es macht keine Geste Es grüßt nicht Es zieht einfach durch.
00:22:22: Das ist genug.
00:22:23: Manchmal winkt jemand vom Ufer Ein Kind das mit den Eltern hier ist Ein alter Mann der immer winkt Ob die Mannschaft es sieht?
00:22:32: Ob sie zurückwinkt?
00:22:33: Manchmal.
00:22:34: Manchmal steht jemand an der Rehling und hebt die Hand, das ist ein Moment.
00:22:39: Ein kleiner Moment zwischen dem Ufer und dem Schiff, zwischen dem Land und dem Wasser, zwischen denen die bleiben und denen die fahren.
00:22:48: Dann ist das Schiff vorbei – und der Moment auch!
00:22:51: Aber man hat ihn….
00:22:52: Das Wasser läuft wieder ans Ufer.
00:22:55: Die Wellen, die Kleinen, die das Ufer immer wieder berühren.
00:22:59: Sie sind alle von den Schiffen.
00:23:01: Jede Welle ein Schiff, jede Welle einen Rest von etwas das weiterfährt.
00:23:06: Die Welle vom Containerschiff aus Singapur läuft ans Ufer.
00:23:09: Sie ist jetzt hier.
00:23:11: Das Schiff ist schon weiter, dreißig Kilometer vielleicht, vierzig.
00:23:15: die Welle ist noch hier, das Schiff is weg weit weg.
00:23:19: schon In einer Stunde es in Brunsbüttel oder in Kiel je nach Richtung.
00:23:24: In zwei Stunden ist es in der Elbe oder in der Kieler Förde.
00:23:29: In ein paar Tagen ist es irgendwo auf dem Offenen Meer, wo man den Kanal nicht mehr sieht.
00:23:34: Wo man Schleswig-Holstein nicht mehr sieht.
00:23:37: Aber es war hier Es ist durch das flache Land gefahren Es hat das Wasser des Kanals bewegt Es hat Wellen ans Ufer geschickt.
00:23:45: Die Wellen sind noch da Das Schiff ist weg.
00:23:48: Das ist das Seltsame an Wellen.
00:23:50: Sie überleben die Ursache Sie laufen weiter Sie bringen die Energie mit, die das Schiff eingesetzt hat Und legen sie ins Ufer.
00:23:59: Klein, kaum spürbar.
00:24:01: Aber da!
00:24:02: Der Abend kommt über den Kanal Das Licht wird flacher Die Lampenmasten beginnen zu leuchten Einer nach dem anderen Fast gleichzeitig Tor nach Tor Bis zum Horizont Eine Linie aus Licht die den Kanal begleitet.
00:24:17: Irgendwo weit weg Jenseits des Horizons liegt die Elbe Dort endet der Kanal Oder fängt er an Je nach Richtung.
00:24:25: Jenseit liegt die Nordsee Und dahinter die Welt.
00:24:28: Der Kanal verbindet sie.
00:24:30: Diese kleine, gerade Linie durch Schleswig-Holstein Dieser künstliche Wasserweg der aussieht als wäre er immer da gewesen Als gehörte er zur Landschaft.
00:24:41: Vielleicht gehört er inzwischen dazu.
00:24:43: Hundertdreißig Jahre.
00:24:45: Die Kühe auf den Feldern daneben kennen ihn nicht anders.
00:24:48: Die Bäume am Ufer kennen ihn auch nicht anders.
00:24:51: die Möwen, die auf dem Dalben sitzen Sie kennen ihn noch nicht anders.
00:24:55: Er ist da Seit hundertzwanzig Jahren.
00:24:59: Die Kinder der Kinder der Menschen, die ihn zuerst sahen, kennen ihn jetzt – für sie ist er immer da gewesen.
00:25:07: Sie wissen nicht wie das Land war ohne ihn!
00:25:09: Das ist eine Generation.
00:25:12: Das ist der Punkt wo ein Bauwerk zur Landschaft wird, wo es aufhört gemacht zu sein und anfängt zu gehören.
00:25:20: Der Nordostseekanal gehört zu Schleswig-Holstein.
00:25:23: Er isst Schleswich Holstein ein Stück davon.
00:25:27: Er ist da.
00:25:28: Der Kanal ist das längste Projekt, dass Schleswig-Holstein je hatte.
00:25:32: Es ist immer noch das Längste.
00:25:34: Neunundneunzig Kilometer Wasser, das durch das Land läuft.
00:25:38: Es wurde gegraben, es wurde ausgehoben, es wurden vertieft und es wurde verbreitert.
00:25:44: Es war nie fertig!
00:25:46: Es ist nicht fertig.
00:25:48: Die fünfte Schläuse in Brunsbüttel ist gerade im Bau.
00:25:52: Ein Kanal ist nie fertig.
00:25:54: er braucht Pflege Er braucht Wartung, er braucht die Menschen, die ihn kennen.
00:25:59: Die Baggerschiffe, die Lotsen, die Fairleute, die Schleusenführer und die Menschen am Ufer – die sitzen und schauen und nichts tun außer Dasein, die auch dazugehören, die Auch Teil davon
00:26:14: sind.".
00:26:15: Das ist der Kanal in seiner vollen Bedeutung.
00:26:18: nicht nur der Wasserweg, Nicht nur die Ingenieursleistung, sondern alles was neben ihm ist.
00:26:27: Neben ihm und wegen ihm!
00:26:29: Die Bank der Abend das Wasser das trägt Das Brummen in der Ferne Und die Stille dazwischen.
00:26:37: Man sitzt noch – die Bank ist immer noch da Das Wasser ist immer nog da.
00:26:43: Das nächste Schiff Ist irgendwo zwischen Brunsbüttel und hier.
00:26:47: Es kommt.
00:26:48: Irgendwann kommt es Alle dreiviertel Stunden eines im Schnitt.
00:26:53: Man muss nicht lange warten, man muss nur sitzen und schauen und atmen!
00:26:59: Der Abend hat angefangen – das Licht ist wärmer die Schatten länger.
00:27:04: Auf dem Kanalweg fahren weniger Radfahrer jetzt Die meisten sind heim Das Ufer wird stiller Die Lampenmasten zünden bald Dann sieht der Kanal anders aus Aber immer noch schön Immer noch ruhig.
00:27:20: Das nächste Schiff ist irgendwo zwischen Brunsbüttel und hier.
00:27:24: Zwölf Stundenkilometer, keine Eile – das Schiff hat Zeit!
00:27:29: Der Kanal hat Zeit und man selbst.
00:27:33: Man hat auch Zeit heute Abend hier an dieser Bank.
00:27:38: Die Bank die jemand irgendwann hingestellt hat für die, die kommen, oder sich Zeit nehmen, das ist manchmal dasselbe.
00:27:52: Die Bank ist aus Holz ein bisschen verwittert aber stabil.
00:27:57: sie steht fest.
00:27:59: Sie kennt die Schiffe, sie kennt die Jahreszeiten den Winter wenn weniger Schiffe kommen den Sommer wenn Radfahrer kommen und die Kreuzfahrtschiffe Den Herbst, wenn der Kanal seinen langen ruhigen Rhythmus annimmt.
00:28:14: Den Winter, when der Nebel über dem Wasser liegt.
00:28:16: Wenn die Lampenmasten leuchten und man das andere Ufer kaum sieht – wenn die Schiffe durch den Grau fahren!
00:28:24: Die Bank kennt auch das.
00:28:26: Die Bank kent alles davon.
00:28:28: Die bank steht einfach.
00:28:31: Das ist genug.
00:28:32: Das Wasser liegt vor einem still-und breit wo irgendwo in der Ferne ein Brummen beginnt, tief gleichmäßig.
00:28:42: Das nächste Schiff ist kommt von weit langsam – zwölf Stundenkilometer keine Eile!
00:28:50: Das Schiff weiß dass es ankommt.
00:28:53: Es hat immer angehalten überall In jedem Hafen dieser Welt.
00:28:58: Es hat Kräne gesehen Docks, Hafenarbeiter in der Nacht das Entladen und Beladen Das warten auf die Schleuse, das warten auf den Lotzen.
00:29:09: Das alles kennt das Schiff und es kennt jetzt diesen Kanal – dieses flache Land, diesen Abend, dieses ruhige Wasser!
00:29:18: Das ist ein anderes Anhalten, kein Hafen, kein Entladen nur Fahren durch Schleswig-Holstein, durch das Licht, durch die Stille Rotterdam Hamburg Singapur überall angehalten überall weiter gefahren.
00:29:36: Jetzt fährt es durch Schleswig-Holstein, durch das flache Land, durch den Abend, durch Das Licht, durch die Kühe auf den Feldern daneben, durch Die Dörfer, die es kaum bemerkten – durch die Stille, die Es kurz unterbricht, durch all'das!
00:29:53: Das nächste Schiff ist kommt.
00:29:55: Man hört es schon, dass Brummen tief gleichmäßig weit entfernt dann näher Dann der Bug, der sich abzeichnet.
00:30:06: Dann das Schiff.
00:30:07: Großruhig langsam zwölf Stundenkilometer.
00:30:12: Es zieht vorbei es macht Wellen Die Wellen laufen ans Ufer kleines Schwappen.
00:30:19: Das Schiff zieht weiter das Brummen wird leiser dann weg das Wasser beruhigt sich die Lampenspiegeln Der Abend hält man sitzt der Kanal liegt still Und wartet auf das nächste.
00:30:34: Er hat immer gewartet, er wird immer warten!
00:30:37: Das ist seine Art – das ist der Kanal, dass ist der Nordostseekanal, Deutschlands stille Weltstraße.
00:30:45: Durch das flache Land immer weiter ohne Eile, ohne Ende.
00:30:50: Zwölf Stundenkilometer, das reicht vollständig, das hat immer gereicht seit Die Schiffe kommen, die Schiffe gehen.
00:31:05: Der Kanal bleibt!
00:31:06: Diese Verbindung Nord- und Ostsee immer verbunden seit dem ersten Brummen in der Ferne Seit dem ersten Schiff das Durchfuhr Seit dem Anfang.
00:31:18: Man sitzt noch ein Moment – die Bank gibt nach kaum spürbar Das Wasser liegt breit vor einem Und irgendwo weit draußen beginnt wieder dieses Brumen Nicht laut nur da Wie eine Erinnerung daran, dass alles getragen wird.
00:31:36: Auch jetzt – auch du!
00:31:39: Und während das nächste Schiff langsam näher kommt, wird der Gedanke daran schon wieder leichter bis er nicht mehr gedacht werden muss.
00:31:46: Diese Hintergrundmelodie die nie aufhört Die einen begleitet, die sagt Der Kanal ist da Die Welt is verbunden Alles geht weiter Nord und Ostsee Verbunden Seit Achtzehnhundertundneunzig, seit dem ersten Tag.
00:32:05: Das bleibt!
00:32:06: Der Kanal arbeitet – Tag und Nacht.
00:32:09: Das Brummen hört nicht auf Es bleibt Die Schleusen öffnen die Schleusan schließen das Wasser steigt das Wasser fällt der Kanal bleibt Man hört das Wasser, die Schlei hört man nicht.
00:32:25: aber den Kanal hört man dieses Brumen dieses Arbeiten seit dem ersten Brummen in der Ferne.
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