Der Sandweg — Hörgeschichte für Erwachsene zum Entspannen

Shownotes

Kurz vor sechs. Der Wecker, der Moment des Zögerns, dann steht man auf — im Halbdunkel, jeder Handgriff sitzt. Die Wohnung ist still, nur die eigenen Schritte. Hinaus, auf den Sandweg, in die Dämmerung, wenn die Welt noch niemandem gehört.

Eine ruhige Geschichte über das frühe Aufstehen, über einen Weg, den der Körper kennt, und über die Stille einer Stunde, in der man mit sich allein ist.

Stille Orte — ruhige Geschichten von stillen Orten und Momenten. Jeden Freitag eine neue Episode.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Der Sandweg.

00:00:01: Es ist kurz vor sechs, der Wecker hat geklingelt – man hat ihn gehört!

00:00:05: Man hat kurz gewartet nicht lange nur ein Moment.

00:00:09: Den Moment in dem er noch nicht sicher ist ob man aufsteht, ob man es wirklich tut, ob es sich lohnt… Ob man nicht einfach nochmal umdrehen könnte ….

00:00:18: Noch eine halbe Stunde.

00:00:21: Aber man tut das nicht….

00:00:22: Man kennt diese halbe stunde, man kennt sie gut.

00:00:26: Sie ist nicht erholsam, sie ist zäh.

00:00:29: Man liegt und ist nicht wach und nicht schläfrig.

00:00:32: Man liegt, und denkt an das was man hätte tun können – Das ist keine gute halbe Stunde!

00:00:39: Dann steht man auf, man zieht sich an im Halbdunkeln Die Laufhose, dass langärmelige Schört Im Frühling, das Kurzärmelige im Sommer Die Schuhe, man kennt jeden Handgriff, man muss nicht nachdenken Der Körper weiß, was kommt.

00:00:54: Er hat es oft genug gemacht.

00:00:57: Das Licht lässt man aus, die Wohnung ist still – nur das leise Geräusch der eigenen Schritte auf dem Boden.

00:01:04: Das Geräusche, dass man sonst nicht hört, weil immer irgendein anderes Geräuschen da ist, Stimmen, Musik, der Fernseher irgendwo aber jetzt nicht… Jetzt nur das!

00:01:17: Die eigenen Schritten, die eigene Stille.

00:01:20: Draußen ist es kühl im Frühling mehr als man dachte ….

00:01:25: Man atmet und sieht den Atem Kurz, eine kleine Wolke.

00:01:29: Dann weg!

00:01:30: Man denkt so kalt und fängt trotzdem an zu laufen.

00:01:35: Im Sommer ist es anders – warm schon um sechs.

00:01:39: Diese Wärme die Nacht nicht ganz weg bekommt, die einfach da bleibt.

00:01:44: Man läuft an und schwitzt schon nach der ersten Runde.

00:01:47: Das ist anders als im Frühling, das ist anders wie im Herbst aber es ist gut.

00:01:53: Jede Jahreszeit ist gut auf ihre eigene Art.

00:01:58: Im Herbst riecht es nach dem, was die Nacht hinterlassen hat – Nach Erde, nach Gras, nach Feuchtigkeit, die sich auf allem abgesetzt hat Auf den Blättern, auf dem Asphalt, auf den Banken, die niemand benutzt.

00:02:12: Um diese Zeit dieser Geruch Dieser Herbstmorgengeruch Dem man nicht kaufen kann Den man nur hat wenn man draußen ist Wenn man früh genug draußen ist Bevor er weg ist bevor die Stadt ihn übertönt.

00:02:28: Man läuft los, erst langsam dann etwas schneller, dann das Tempo dass das eigene ist, das man gefunden hat – nicht zu schnell, nicht zu langsam…das eigene!

00:02:41: Die ersten Schritte sind schwer, das weiß man, das wusste man schon bevor man losgegangen isst, die ersten Schritten sind immer schwer.

00:02:50: der Körper fragt Warum?

00:02:52: Warum jetzt, warum nicht später?

00:02:54: Warum

00:02:55: überhaupt?".

00:02:56: Man antwortet nicht.

00:02:58: Man läuft einfach – weil man weiß das die Frage aufhört.

00:03:02: Irgendwann hört sie auf!

00:03:05: Schleswig um sechs.

00:03:07: Die Stadt schläft noch oder sie wacht geradeauf.

00:03:10: Man kann es nicht genau sagen.

00:03:12: Die Straßen sind leer, die Rollläden sind unten, die Lichter sind aus nur ab und zu ein Fenster in dem schon Licht brennt jemand, der früher aufgestanden ist oder noch nicht geschlafen hat.

00:03:26: Man weiß es nicht – man läuft vorbei!

00:03:29: Die Schlei liegt irgendwo da.

00:03:32: Man sieht sie nicht von hier aber man weiß dass sie da ist.

00:03:36: Man spürt es fast diese Nähe zum Wasser, diese Feuchtigkeit in der Luft die Schleswig immer hat, die zum Ort gehört wie die Kirche dazu gehört, wie der Dom dazugehört, der auch noch schläft Um diese Zeit schläft er noch.

00:03:53: Schleswig und das Wasser, man kommt nicht weit ohne das Wasser!

00:03:58: Man läuft durch die Stadt und das water ist immer irgendwo hinter einer Ecke am Ende einer Straße in der Luft, die man atmet.

00:04:07: Das Wasser ist immer da wie die Stadt immer da ist Wie dieser Morgen immer da isst wenn man früh genug aufsteht.

00:04:17: Die Straßen von Schleswich haben eine eigene Stille Nicht die Stille einer großen Stadt, die nachts verstummt.

00:04:24: Sondern die Stlle einer kleinen Stadt, Die einfach so ist, die nicht anders kann, Die nicht größer ist als sie isst.

00:04:32: Und das ist gut – Das ist genug!

00:04:35: Man braucht keine große Stadt für einen guten Morgen, man braucht einen Weg und die Bereitschaft früh aufzustehen, nicht mehr.

00:04:45: Man läuft durch diese Stille, man ist ein Teil von ihr Für diese eine Stunde Dieser eine Morgen, dieser eine Mensch der läuft während die anderen noch schlafen.

00:04:57: Das dänische Gymnasium liegt am Rand der Stadt – man kennt den Weg!

00:05:02: Man hat ihn so oft gegangen das man nicht mehr nachdenkt.

00:05:05: Die Füße wissen wo sie hin müssen.

00:05:08: Links dann geradeaus Die Straße die leicht ansteigt Die Kurve danach Dann das Tor Das Sportgelände.

00:05:18: Um diese Zeit ist es immer still Kein Schüler, kein Lehrer, kein Betrieb.

00:05:24: Nur das Gelände – die Bahn der Kunstrasen auf dem noch der Tau liegt Die Hügel dahinter Der Himmel, der gerade anfängt heller zu werden Dieses Grau, dass kein Grau ist Dass irgendwas zwischen Nacht und Morgen ist Das keinen richtigen Namen hat Das dänische Gymnasium.

00:05:42: Man weiß wenig darüber Dass es dänisch isst Dass es für dänischen Schüler ißt Dass es am Rand der Stadt liekt Mehr nicht.

00:05:50: Man hat nie einen Blick hineingeworfen, man ist nie hineingegangen.

00:06:14: Irgendwann kennt man diesen Platz.

00:06:16: Die Bahn mit ihren Linien, den Kunstrasen daneben, dem kleinen Hügel am Rand – die Bank auf der manchmal jemand sitzt.

00:06:23: Um sechs noch nicht!

00:06:24: Um sechs ist die Bank leer.

00:06:26: Sie wartet wie alles wartet um diese Zeit.

00:06:30: Man läuft die ersten Runden zwei, manchmal drei warm werden.

00:06:34: das ist der Sinn Nicht schnell, nicht weit nur warm werden Den Körper wecken und daran erinnern was er kann Was er eigentlich kann Wenn man ihn lässt, wenn man ihm Zeit gibt.

00:06:46: Wenn man nicht gleich zu viel verlangt!

00:06:48: Die ersten Male war es anders.

00:06:50: Die ersten male war es hart – sehr hart.

00:06:53: Man wollte nicht.

00:06:54: Man stand draußen und dachte Warum bin ich hier?

00:06:58: Warum um sechs?

00:06:59: Warum laufen?

00:07:00: Warum

00:07:01: überhaupt?!

00:07:01: Die Lunge brannte nach der ersten Runde.

00:07:04: Die Beine wurden schwer.

00:07:05: Nicht schwer wie beim Gehen.

00:07:07: Schwer wie Blei Als würde jemand ziehen.

00:07:10: Als würde der Körper streiken Als hätte er eine eigene Meinung und seine eigene Meinung war, aufhören.

00:07:17: Man dachte das ist zu viel!

00:07:19: Man dachte Das ist nichts für mich!

00:07:21: Man dachte Ich höre auf Aber man hörte nicht auf!

00:07:25: Man lief weiter Langsamer vielleicht Keuchender vielleicht aber weiter Weil man wusste dass es aufhört.

00:07:32: Irgendwann hört alles auf Auch das!

00:07:35: Man kam nach Hause Und war erschöpft.

00:07:37: Eine Stunde laufen Und man war erschepft.

00:07:40: Das war merkwürdig, das war neu.

00:07:42: Dieser Körper der plötzlich Grenzen hatte, den man nie so erlebt hatte – der einem sagte «das ist zu viel», aber man ging wieder am nächsten Morgen und übernächsten nicht weil es leichter war sondern weil man wusste dass es irgendwann leichter werden würde.

00:07:59: Irgend wann!

00:08:00: Und dann wird's leichter Man merkt es nicht sofort Es kommt nicht an einem Tag Es kommt in kleinen Schritten.

00:08:07: Eine Morgen, wo man die zweite Rundeschaft ohne zu stoppen.

00:08:10: Eine Morgen , wo man den Sandweg bis zur Zuckerfabrik durchläuft.

00:08:14: Eine morgen, woman auf dem Rückweg noch Luft hat – noch richtig Luft!

00:08:19: Und dann dieser Morgen, Wo man fertig ist und denkt Das war gut.

00:08:23: Nicht das war überstanden Sondern das war gut.

00:08:27: Das is der Unterschied Das es der Moment, auf den man gewartet hat.

00:08:31: Die Vögel fangen an.

00:08:32: Zuerst einer.

00:08:34: Man hört ihn und denkt Da is der Der erste.

00:08:37: Er singt als wäre er der Einzige, Als wäre die ganze Welt für ihn.

00:08:41: Dann einer mehr Von woanders Eine andere Stimme Einen anderen Ton Und dann mehr Immer mehr Bis aus dem einen Vogel viele geworden sind Bis aus der Stille eine Art Chor geworden ist Nicht laut Aber dicht und überall.

00:08:57: Man hört sie beim Laufen.

00:08:59: Man hört Sie ohne hinzuhorchen.

00:09:01: Sie sind einfach da wie die Bäume da sind, wie der Weg da ist, wie dieser Morgen da ist.

00:09:07: Sie waren immer da nur eben nicht zu hören weil man zu spät draußen war, weil man diese Stunde verpasst hat – diese Stunde, die ihnen gehört!

00:09:16: Im Frühling ist es am lautesten.

00:09:18: Da singen sie als hätten sie Monate gewartet Als wären sie froh dass es wieder warm ist Dass die Tage länger werden Das der Winter vorbei ist.

00:09:27: Man versteht sie, man isst auch froh.

00:09:30: Im Sommer ist es anders, ruhiger selbstverständlicher als wäre das Singen jetzt einfach da.

00:09:36: Als würde es nicht mehr auffallen weil es so normal ist, weil es einfach zum Morgen gehört.

00:09:41: in Herbst werden sie weniger.

00:09:43: man hört es dieses weniger Diese beginnende Stille zwischen den Stimmen Man hört auf den Räumen dazwischen Auf dem hast du nichts mehr da ist und denkt bald wird es Winter.

00:09:57: Nach den Runden auf dem Gelände geht es weiter den Sandweg entlang Richtung alte Zuckerfabrik und kennt diesen Weg.

00:10:04: Man hat ihn so oft gelaufen, dass er sich anfühlt wie ein Gespräch – das man schon kennt, das man auswendig kennt und das man trotzdem gerne führt weil es ein gutes Gespräch ist, weil es Ein ruhiges Gespräch isst.

00:10:18: Der Sand unter den Füßen ist anders als Asphalt weicher nachgiebiger und spürt jeden Schritt anders und spührt ob der Boden feucht ist oder fest Ob er aufgeweicht ist nach einem Regentag, dann ist der schwerer.

00:10:33: Die Füße sinken ein bisschen nicht tief aber man spürt es wie der Boden nachgibt, wie er sich anpasst.

00:10:41: Im Frühling ist der Weg oft noch feucht die Nacht hat Regen hinterlassen oder Tau.

00:10:46: Die Schuhe werden nass an den Seiten Nicht nass, feucht dieser leichte Feuchte die man erst zu Hause merkt wenn man die Schuhen auszieht.

00:10:56: im Sommer ist der Boden fest trocken.

00:10:59: Der Sand staubt manchmal leicht auf, wenn man schneller läuft.

00:11:03: Man sieht es nicht – aber man riecht es fast!

00:11:06: Diesen Geruch nach trockenem Sand und warmem Morgen.

00:11:09: Im Herbst liegen Blätter auf dem Weg, sie rascheln leise nur für einen weil sonst niemand da ist.

00:11:17: Man is der Einzige, der dieses Rascheln hört an diesem Morgen auf diesem Weg.

00:11:22: Das iß ein merkwürdiges Gefühl, ein gutes.

00:11:25: Manchmal iß der Boden uneben Eine Wurzel, die aus dem Boden kommt.

00:11:30: Eine kleine Senke, die man nicht erwartet.

00:11:33: Ein Stein, den jemand nicht weggeräumt hat.

00:11:35: Man passt auf!

00:11:36: Nicht bewusst – der Körper passt auf.

00:11:39: Er macht das von selbst.

00:11:41: Er hat es gelernt.

00:11:42: Er weiß, dass dieser Weg unebenheiten hat.

00:11:45: Er weiss wo sie sind.

00:11:47: Er erinnert sich auch wenn man selbst nicht daran denkt.

00:11:51: Manchmal kommt man oft her kurz nur, wo der Sandweg aufhört und die Straße beginnt Und dann wieder Sand.

00:11:59: Der Wechsel ist jedes Mal zu hören, zu spüren unter den Füßen.

00:12:03: Herter, direkter – der Asphalt gibt nicht nach!

00:12:06: Er is da fest unveränderlich und dann wieder sand weich nachgebend wie eine Rückkehr.

00:12:15: Ab und zu kommt einem jemand entgegen ein anderer Läufer um.

00:12:19: diese Zeit sind immer ein paar da.

00:12:21: man sieht sie von weitem die Art wie Sie laufen ob sie schnell sind oder langsam Ob sie Kopfhörer haben oder nicht.

00:12:29: Man nickt, wenn man aneinander vorbeiläuft.

00:12:31: Der andere nickt mehr nicht!

00:12:34: Man muss sich nicht reden und nicht vorstellen.

00:12:37: Man muss nicht fragen wie geht es dir?

00:12:39: Was machst du hier?

00:12:40: Wohin läufst Du?

00:12:41: Man weiß was der Andere gerade macht.

00:12:44: Man macht dasselbe.

00:12:45: Man ist aus demselben Grund hier um diese Zeit auf giesem Weg.

00:12:50: das verbindet ohne ein Wort Das reicht – das hat immer gereicht.

00:12:56: Manchmal läuft jemand in dieselbe Richtung, man überholt oder man wird überhohlt.

00:13:01: Das ist auch egal!

00:13:03: Es geht nicht ums Überholen, es geht nicht Um Geschwindigkeit, es Geht um den Weg, um die Stunde, um das Draußen sein.

00:13:11: Der Körper lernt – das ist das Erstaunliche.

00:13:14: Er lernt obwohl man ihm nichts erklärt.

00:13:17: Obwohl man ihm keinen Plan gibt, dann läuft einfach jeden Morgen oder fast jeden Morgen und der Körper lernte Nach einer Woche läuft es besser als am ersten Tag.

00:13:29: Nach einem Monat läuft das besser, als nach einer Woche.

00:13:32: Man merkt es nicht täglich – man merkt ist wenn man zurückschaut Wenn man vergleicht wie es am Anfang war und wie jetzt ist.

00:13:40: Das ist ein gutes Gefühl dieses Zurückschauen, dieses Sehen was sich verändert hat.

00:13:46: Der Körper vergisst nicht auch wenn man aufhört Auch wenn man Wochen pausiert auch wenn umzieht Auch wenn der Sandweg nicht mehr da ist, man fängt wieder an und es dauert weniger lang.

00:13:59: Der Körper erinnert sich!

00:14:01: Er hat es gespeichert – er holt es wieder raus, langsamer vielleicht aber erholtes Raus.

00:14:08: Das isst kein schlechtes Wissen zu wissen das der Körper er innert, dass er lernt, dass einem nicht fremd ißt, dass man ihn kennen kann Wenn man ihm Zeit gibt, wenn man früh aufsteht, Auch wenn der Wecker um sechs klingelt.

00:14:25: Es gibt einen Rhythmus, den man lernt – nicht sofort aber irgendwann!

00:14:30: Man wacht auf bevor der Weckerklingel.

00:14:33: Der Körper weiß es.

00:14:34: Er weiß dass es Zeit ist.

00:14:36: Er hat sich daran gewöhnt er will es jetzt.

00:14:40: Das ist das merkwürdigste Dass der Körper es irgendwann will, dass man nicht mehr kämpfen muss.

00:14:47: Im Frühling ist er morgen noch dunkel beim Losgehen.

00:14:50: Man läuft und es wird hell.

00:14:53: Man sieht es passieren, dieses aufgehendes Lichts.

00:14:56: Das kein Schalter ist, das ein Prozess ist minutenlang Dieser Übergang von dunkel zu hell den man nur sieht wenn man draußen ist Wenn man früh genug draußen isst.

00:15:10: Das Gymnasium liegt dann anders im licht Die Gebäude die Bäume dahinter erst grau dann blau Dann das erste gelb das erste richtige licht.

00:15:22: Man läuft und die Welt wird heller.

00:15:25: Das ist kein schlechtes Gefühl.

00:15:29: Im Sommer ist es schon hell beim Losgehen, schon warm Die Vögel singen schon seit Stunden.

00:15:35: Man kommt zu spät zur Party Aber man ist trotzdem da, man hat trotzdem seinen Teil.

00:15:41: Die frische Luft, die leeren Straßen Den Weg den auch niemand gelaufen ist.

00:15:47: An diesem Morgen Im Herbst kommt die Dunkelheit zurück Beim Losgehen ist es wieder grau Die Blätter liegen auf dem Sandweg, man hört sie.

00:15:58: Man riecht den Herbst diese besondere Mischung Erde, feuchtes Laub etwas Süßliches das man nicht benennen kann dass einfach Herbst ist.

00:16:10: Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Weg denselben Weg aber anders.

00:16:16: Das ist das Schöne daran Dass es immer derselbe Weg ist und immer ein anderer.

00:16:23: Der Sandweg hat eine Länge.

00:16:25: Man kennt sie nicht in Metern, man kennt sie in Minuten, in Atemzügen, in Schritten die man nicht zählt.

00:16:33: Man weiß von hier bis zur Zuckerfabrik sind ungefähr so viele Minuten.

00:16:38: Man weiss wo die Hälfte ist, wo der Baum steht, der schiefer ist als die anderen, Wo der Weg kurz breiter wird, wo links der Zaun anfängt.

00:16:48: Man kennt jeden Abschnitt – Nicht mit dem Kopf, mit den Füßen.

00:16:55: Es gibt Stellen die man mag den Abschnitt, wo die Bäume dichter sind, wo der Weg im Schatten liegt auch wenn keine Sonne da ist.

00:17:03: Auch im Winter dieser Schatten diese Dichte.

00:17:07: man läuft dadurch und es ist anders ruhiger geschützter als wären die Bäumen für einen dar Als hätten sie gewartet als wüssten Sie dass man kommt jeden Morgen um diese Zeit auf diesem Weg.

00:17:23: sie stehen man läuft.

00:17:25: das ist Die Abmachung.

00:17:28: Es gibt Stellen, die man weniger mag Die offene Stelle wo der Wind kommt Im Herbst im Winter Wo kein Baum steht und nichts schützt Wo der Wind von der Schlei kommt Feucht kalt.

00:17:42: Man läuft da durch Und zieht die Schultern hoch unwillkürlich.

00:17:46: Der Körper weiß was kommt Er erinnert sich.

00:17:52: Und dann wieder Bäume Wieder Schutz Wieder dieser andere Teil des Weges.

00:17:58: Man kennt ihn besser als viele Dinge, die man kennt.

00:18:03: Besser als manche Straßen auf denen man gefahren ist.

00:18:07: Besser als manchen Menschen, die er getroffen hat.

00:18:10: Weil man ihn früh morgens kennengelernt hat.

00:18:13: Wenn die Welt noch schläft, wenn man offen ist.

00:18:16: Wenn man nicht beschäftigt ist!

00:18:18: Wenn man Nicht an anderes denkt... Wenn man einfach läuft und schaut Und fühlt und da ist Ganz Die alte Zuckerfabrik steht am Ende des Weges.

00:18:32: Man sieht sie schon von weitem, diese Gebäude die einmal etwas waren, die jetzt stehen – die man nicht genau kennt, die man nie genau kennengelernt hat, die immer nur vom Sandweg aus gesehen hat beim Laufen im Vorbeigehen.

00:18:50: Man läuft bis dorthin, man schaut kurz.

00:18:53: dann dreht man um zurück denselben Weg aber anders.

00:18:58: Jetzt läuft man in die andere Richtung, man sieht andere Dinge.

00:19:02: Die selben Bäume aber von der anderen Seite – dasselbe Licht, aber anders im Gesicht.

00:19:09: Jetzt kommt das Licht von vorne wenn die Sonne schon höher steht, wenn der Morgen schon weiter ist.

00:19:17: Auf dem Rückweg ist es leichter nicht weil man weniger läuft sondern weil man weiß wohin man läuft, weil das Ziel vor einem liegt Das dänische Gymnasium der Ausgangspunkt, der Ort von dem aus man aufgebrochen ist.

00:19:33: Der Ort zu dem man zurückkommt – immer!

00:19:37: Jeden Morgen.

00:19:38: Das ist auch etwas dieses Zurückkommen, dieses Wissen wohin man gehört.

00:19:44: Zumindest für diese Stunde, zumindest für diesen Morgen.

00:19:51: Die anderen Läufer Man lernt sie kennen ohne sie zu kennen.

00:19:55: Man sieht sie oft, immer um dieselbe Zeit Immer auf demselben Weg.

00:20:01: Den Mann mit dem Hund.

00:20:03: Der Hund läuft vorne, der Mann hinterher.

00:20:06: Man weiß nicht wer weh'n führt.

00:20:09: Jedes Mal Die Frau mit den Kopfhörern Sie schaut gerade aus Sie schaut nicht links und nicht rechts.

00:20:17: sie läuft ihren eigenen Weg in ihrer eigenen Welt.

00:20:20: man respektiert das.

00:20:21: man läuft in seiner eigenen Welt Den älteren Mann, der schneller ist als man denkt.

00:20:30: Der aussieht, als würde er sich keine Mühe geben und trotzdem schneller ist.

00:20:35: Man sieht das!

00:20:36: Man denkt – Das wird irgendwann auch so.

00:20:39: Irgendwann macht der Körper das einfach ohne Aufwand weil er es so oft gemacht hat.

00:20:45: Diese Menschen kennt man nicht.

00:20:47: Man weiß nicht wie sie heißen.

00:20:49: Man weiss nicht wo sie wohnen.

00:20:57: Diesen Weg, diese Stunde, diese Stille – das ist genug.

00:21:01: Das ist manchmal mehr als genug!

00:21:04: Es gibt einen Moment auf dem Rückweg irgendwo auf dem Sandweg, irgendwo zwischen der alten Zuckerfabrik und dem Gymnasium wo der Körper aufhört zu fragen, wo die Lunge aufhört zu klagen, ohne Widerstand, ohne Protest.

00:21:22: Man merkt es wenn es passiert diesen Moment wo alles leichter wird.

00:21:27: Wo man nicht mehr kämpft, wo man einfach läuft.

00:21:31: Es passiert nicht immer.

00:21:32: an manchen morgen bleibt es schwer bis zum Ende bis man aufhört und man steht und denkt heute war kein guter Tag das gibt es auch das gehört dazu.

00:21:45: Aber an anderen Morgen passiert es.

00:21:47: Man läuft und läuft, und dann ist da dieser Moment – Dieser Übergang den man nicht herbeiführen kann, den man planen kann der einfach kommt oder nicht kommt.

00:21:59: In diesem Moment denkt man nicht Der Kopf ist leer Nicht leer wie erschöpft Leer wie frei.

00:22:05: Das ist selten das ist schwer zu beschreiben Das muss man selbst kennen.

00:22:11: Das ist der Grund nicht der Gedanke gesündert zu werden Nicht das Gewicht, nicht irgendein Plan dieser Moment.

00:22:18: Dieser eine Moment auf dem Rückweg wo es einfach ist.

00:22:22: Wo der Körper macht was er machen soll ohne nachzudenken.

00:22:26: Wo alles stimmt!

00:22:27: Wo der Kopf frei ist, wo der Sandweg unter den Füßen ist und die Vögel singen und die Luft kühl isst Und man läuft – einfach läuft.

00:22:37: Die Vögle singt jetzt lauter, die Sonne ist höher noch nicht hoch aber höher als beim Losgehen.

00:22:44: Das Licht ist anders geworden.

00:22:46: Wärmer, goldener, gieses Licht das nur am frühen Morgen so isst, dass mittags weg ißt, daß man nicht festhalten kann... ...daß man nur hat wenn man früh genug draußen isst Wenn man sich diese Stunde nimmt.

00:23:00: Schleswig wacht auf!

00:23:02: Man merkt es auf dem Rückweg.

00:23:04: Die ersten Autos Ein Fenster das aufgeht Jemand der seinen Hund ausführt Der Hund zieht an der Leine Will schneller Der Mensch lässt ihn nicht, man läuft vorbei.

00:23:16: Das dänische Gymnasium kommt in Sicht – Man läuft die letzten Meter Nicht schneller, nicht langsamer Einfach So wie man die ganze Zeit gelaufen ist.

00:23:26: Man hört auf, man steht, man atmet Tiefer als sonst Man legt die Hände auf die Knie Einen Moment, nicht lange.

00:23:34: Dann richtet man sich auf Man schaut auf die Uhr Eine Stunde ungefähr.

00:23:40: Das stimmt so, das hat immer gereicht.

00:23:43: Man geht nach Hause, nicht mehr laufen.

00:23:45: Nur gehen – die Beine sind warm, der Körper ist wach, der Kopf ist klar, klarer als vorhin, klarerer als wenn man einfach aufgestanden wäre und den Tag begonnen hätte ohne den Weg, ohne den Sand, ohne die Vögel, ohne diesen Moment auf dem Rückweg.

00:24:04: Der Weg nach Hause ist kurz, man geht, nicht läuft, geht.

00:24:08: Die Lunge kühlt ab, die Beinen werden normal Der Herzschlag kommt zurück.

00:24:14: Man schaut die Straßen an, die man eben noch gelaufen ist.

00:24:17: Jetzt sieht man sie anders Langsamer!

00:24:20: Man hat Zeit zum Schauen.

00:24:22: Das Fenster das vorhin noch dunkel war Jetzt brennt Licht.

00:24:26: Die Katze, die auf dem Fensterbrett sitzt Den Briefträger der gerade anfängt Die Schule deren Tor noch geschlossen isst Aber nicht mehr lange.

00:24:36: Schleswig wacht auf, man iß dabei, man seht es.

00:24:39: Man hat es gesehen, wie es angefangen hat ganz am Anfang als noch alles still war.

00:24:45: Jetzt ist es weiter.

00:24:46: jetzt ist mehr Bewegung und man hat den ganzen Weg gesehen von der Stille bis hierher.

00:24:52: das gehört einem auch dieser Überblick dieser Bogen.

00:24:57: Zuhause ist die Wohnung anders als beim weggehen nicht anders aber Mann isst anders!

00:25:04: Man kommt rein und Alles ist noch gleich Die Tasse auf dem Tisch Die Jacke auf dem Stuhl.

00:25:10: Aber man ist nicht mehr derselbe wie vor einer Stunde!

00:25:14: Man hat etwas gehabt, das die Anderen noch nicht hatten – diese Stunde, diesen Morgen, diesen Weg.

00:25:23: Man duscht.

00:25:24: Das Wasser ist warm, wärmer als die Luft draußen.

00:25:28: Man steht und lässt es laufen, man denkt an nichts Bestimmtes oder an alles auf einmal.

00:25:35: Der Kopf macht das manchmal unter dem Wasser.

00:25:38: Er lässt die Dinge kommen und gehen, ohne sie festzuhalten, ohne zu greifen.

00:25:44: Einfach kommen undgehen!

00:25:48: Das ist die zweite Stille des Morgens.

00:25:51: Die erste war draußen – der Sandweg, die leeren Straßen, die Vögel.

00:25:56: Die zweite ist hier unter dem Wasser im eigenen Bad.

00:26:01: Auch diese Stille gehört einem.

00:26:06: Man zieht sich an….

00:26:08: …die Arbeitskleider.

00:26:10: Das is' der Übergang Von dem Morgen in den Tag, von der Stille in den Lärm.

00:26:16: Von dem was man sich genommen hat?

00:26:18: In das was kommt!

00:26:21: Man macht Kaffee – echten Kaffees.

00:26:24: Man sitzt kurz am Tisch nicht lange fünf Minuten zehn.

00:26:29: Man trinkt und schaut aus dem Fenster.

00:26:32: Die Straße ist belebter.

00:26:33: jetzt die ersten Autos Menschen auf dem Weg zur Arbeit Kinder auf dem weg zur Schule Jemand der joggt.

00:26:41: Man schaut ihm nach, man erkennt das.

00:26:44: Man weiß was er gerade macht, was er grade fühlt oder gleichfühlen wird diesen Moment auf dem Rückweg wenn alles leichter wird.

00:26:55: Man hätte ihm gerne etwas gesagt aber man sagt nichts.

00:26:59: Man trinkt sein Kaffee.

00:27:01: Das ist gut Der Tag hat begonnen Aber man war schon draußen, man hat diesen Morgen schon gehabt Bevor der Tag begann, bevor jemand etwas wollte, bevor das Telefon klingelte, bevor die E-Mails kamen.

00:27:20: Diese Stunde gehört einem – ganz!

00:27:24: Keine E-mails kein Telefon keine Termine Nur der Weg nur die Beine nur die Luft nur die Vögel Nur dieser eine Moment auf dem Rückweg Dieser Moment den niemand weggenommen hat den man sich genommen hat, um sechs als alle noch schliefen.

00:27:47: Das ist etwas – das ist mehr als etwas, dass es der Anfang des Tages bevor der Tag anfängt.

00:27:57: Das trägt den ganzen Tag!

00:28:00: Man merkt es nicht immer aber es ist da dieses Leichte, das man sich selbst gegeben hat vor dem Frühstück, vor dem ersten Termin, vor allem

00:28:11: anderen.".

00:28:13: An schweren Tagen ist es wichtiger.

00:28:16: An Tagen, wo vieles schiefläuft, wo Meetings schwierig sind, wo Entscheidungen warten, wo der Tag lang ist.

00:28:24: An diesen Tagen denkt man manchmal daran an den Morgen, an den Sandweg, an die Vögel – an diesem einen Moment und denkt ich hatte das heute morgen!

00:28:37: Ich hatte das!

00:28:38: Das kann mir niemand mehr

00:28:40: nehmen.".

00:28:43: Das ist merkwürdig und stimmt gleichzeitig, dass ein früher Morgen einen durch den Tag trägt.

00:28:49: Dass diese eine Stunde so viel Gewicht hat – mehr Gewicht als man dachte, als man am Anfang dachte!

00:28:57: Als man dachte ich laufe um gesünder zu werden, Ich lauffe für die Gesundheit Aber das is nicht der Grund.

00:29:06: Der Grund iß dieser morgen Diese Stille Dieser Weg Dieser Moment, wo alles leichter wird.

00:29:14: Irgendwann läuft man nicht mehr – das kommt auch!

00:29:18: Irgend wann ist es genug?

00:29:20: Oder das Leben ändert sich oder man zieht um oder der Morgen gehört plötzlich jemand anderem einem Kind, einem anderen Rhythmus einer Anderen Zeit.

00:29:33: Das ist kein schlechtes Ende.

00:29:35: Phasen enden Der Sandweg endet nicht Die alte Zuckerfabrik endet nicht, das dänische Gymnasium endet niet.

00:29:47: Nur diese Phase!

00:29:49: Diese Stunde!

00:29:51: Diese Runden auf dem Gymnasiums dieser Weg zur Zuckerfabrieg und zurück – sie endet.

00:29:58: Aber sie war.

00:30:00: Sie war vollständig.

00:30:02: Sie War gut.

00:30:03: Sie gehörte einem ganz Jeden Morgen um sechs Und das ist mehr als gut.

00:30:12: Nicht mehr!

00:30:15: Aber die Erinnerung bleibt, an diese Morgen, An diesen Weg, an das dänische Gymnasium Das um sechs noch schläft, An die alte Zuckerfabrik Am Ende des Sandwegs, an Die Vögel, die anfingen zu sinnen, An den Moment wo es leichter wurde, an die Stille, an dass rascheln Der Blätter im Herbst, an Den feuchten Boden Im Frühling an den Läufer, der entgegenkam und nickte.

00:30:44: An dieses Nicken!

00:30:46: Das alles gesagt hat ohne ein

00:30:49: Wort.".

00:30:51: Man erinnert sich an diese Morgen ohne daran zu denken.

00:30:55: Sie kommen von selbst wenn man früh aufwacht Wenn man das Fenster öffnet Und kühle Luft reinkommt Wenn man den ersten Vogel hört Dann ist der Sandweg da Der Weg zwischen dem Gymnasium und der Zuckerfabrik Der Boden, der nachgibt – die Stille, die einem gehörte.

00:31:15: Man muss nicht mehr dort sein!

00:31:16: Man muss nichts mehr laufen!

00:31:18: Die Erinnerung läuft von selbst.

00:31:21: Sie läuft den Weg — sie kennt jeden Abschnitt Den schiefen Baum, die offene Stelle mit dem Wind Den schattigen Teil mit den dichten Bäumen.

00:31:30: Sie kennt alles, sie vergisst nix.

00:31:34: Das ist das Merkwürdige an diesen frühen Morgen Dass sie so bleiben, dass sie so klarbleiben Obwohl man nicht daran gedacht hat, obwohl sie nie festhalten wollte – Sie haben sich selbst festgehalten.

00:31:47: Weil sie gut waren, weil sie einem gehörten, weil man allein war und die Welt noch schläft.

00:31:55: Der Sandweg ist noch da!

00:31:57: Das dänische Gymnasium steht noch Die alte Zuckerfabrik steht noch, Die Vögel singen noch Jeden Morgen auch wenn man Nicht mehr läuft Auch wenn man nicht mehr da isst.

00:32:08: Sie singen trotzdem Man schläft, draußen ist es still.

00:32:14: Morgen früh klingelt er wecker oder auch nicht – das ist egal!

00:32:19: Der Sandweg ist trotzdem da Die Vögel sind trotzdem da.

00:32:23: Sie singen jetzt In dieser Nacht Oder kurz davor.

00:32:27: Der erste ist immer kurz vor dem Morgen Noch in dunkeln Als wäre er der Erste, der weiß dass der Tag kommt Der is den anderen sagt Die alte Zuckerfabrik steht noch Das dänische Gymnasium schläft.

00:32:42: Die Straßen von Schleswig sind leer – noch!

00:32:47: Der Morgen kommt, er kommt immer ob man läuft oder nicht Er kommt einfach, erwartet nicht, erfragt nicht, er ist da Um sechs wenn der Wecker klingelt Oder kurz davor Weil der Körper es weiß weil er es gelernt hat Weil dieser Morgen ihn gehört und einem selbst.

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