Der Straßenmusiker — Hörgeschichte für Erwachsene zum Zuhören

Shownotes

San Francisco. Der Nebel über den Hügeln, das kühle Salz in der Luft, die roten Türme der Golden Gate, die durch den Dunst schauen. Man geht durch die Straßen und bleibt stehen, weil ein Mann auf einem Klappstuhl Gitarre spielt. Cat Stevens. Eine Melodie aus der Kindheit, die plötzlich wieder da ist.

Eine ruhige Geschichte über eine Stadt zu Fuß, über den Nebel, das warme Sourdough-Brot, eine Insel mit einem Geheimnis und über einen Moment, den man nicht festhält, sondern behält.

Stille Orte — ruhige Geschichten von stillen Orten und Momenten. Jeden Freitag eine neue Episode.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Der Straßenmusiker Erspielte Cat Stevens.

00:00:03: Das ist alles, was man noch weiß.

00:00:05: Und dass die Gitarre gut klang Und das seine Stimme nah dran war.

00:00:09: Nicht perfekt Aber warm und ehrlich.

00:00:13: Das Ehrliche ist das Wichtigste Dass ehrliche übersteht die Zeit.

00:00:17: Das Perfekte vergisst man irgendwann Das Eährliche nicht Das bleibt Das sitzt anders Das geht tiefer Und es braucht keine Perfektion dafür.

00:00:28: Es braucht nur diese eine Sache, das man meint was man spielt, dass man da ist wenn man spielt – ganz da!

00:00:37: Der Mann war ganz da, Man hat das gespürt nicht gedacht, gespürt.

00:00:42: Das is der Unterschied.

00:00:44: Er spielte Cat Stevens und man glieb stehen Obwohl man eigentlich weiter wollte.

00:00:50: San Francisco, man ist angekommen nach dem langen Süden, nach der Wüste die man kannte, nach Palm Springs, nach dem Death Valley, nach Las Vegas.

00:01:00: Nach dem Hoover Dam der aussieht wie ein Monument für etwas das die Menschen können wenn sie wollen.

00:01:07: Nach den Pazifik denen man zum ersten Mal gesehen hat.

00:01:10: nicht auf einem Foto wirklich!

00:01:13: Man stand am Strand und dachte Das ist also das Ende des Landes unter hinter nichts außer Wasser.

00:01:21: Das war ein Gedanke, der eine Weile brauchte.

00:01:24: Der sackte!

00:01:25: – das war zu zweit dieser Gedankel, der sacktete.

00:01:29: Das ist die Hochzeitsreise nicht die Hotels, nicht die Sehenswürdigkeiten, nicht Die Fotos, die man macht, die Gedanken, die Man zusammen hat, das kühlere Amerika.

00:01:54: San Francisco riecht anders als Los Angeles, schon beim Aussteigen merkt man es – die Luft ist schwerer, feuchter, sie hat Gewicht!

00:02:03: Man atmet ein und denkt A – Das is das Meer, da's wirklich da ißt, nicht als Kulisse, als Tatsache.

00:02:12: San Fransisco Ist eine Halbinsel, fast eine Insel, das Wasser iest überall, links die Bucht rechts der Pazifik, nördlich das Meer.

00:02:23: Man spürt das – nicht mit dem Verstand, mit dem Körper!

00:02:27: Diese Schwere in der Luft, dieses Salz, dass man schmeckt wenn der Wind kommt, dieses Gefühl, daß man hier nicht zu weit gehen kann ohne ans Wasser zu stoßen….

00:02:38: Das ist ein gutes Gefühl, das begrenzt einen auf eine ruhige Art.

00:02:43: San Francisco ist kleiner als Los Angeles, dichter, hügeliger Europäischer sagen manche, das stimmt ein bisschen.

00:02:52: Die Straßen die sich um Hügel winden, die viktorianischen Häuser mit ihren Holzfassaden, die painted ladies, die bunten Häuser, die in Reihen stehen als hätte jemand beschlossen hier ist Schönheit erlaubt – hier darf es aussehen!

00:03:09: Man sieht sie von Alamo Square, ein Park, man sitzt auf dem Rasen andere Touristen neben einem alle machen dasselbe Foto Die painted ladies vorne, die Skyline dahinter.

00:03:22: Man macht es auch und dann schaut man auf das Foto später zu Hause.

00:03:27: Das Foto ist gut aber es trifft nicht was man gefühlt hat.

00:03:31: Es trifft nie was man Gefühlt Hat!

00:03:34: Die Painted Ladies im Foto sind kleiner als auf dem Platz.

00:03:38: Das ist immer so.

00:03:39: Das Sehen ist größer als das Fotografieren –das weiß man–und macht das FOTO trotzdem weil man es machen muss weil man beweisen will, ich war hier.

00:03:50: Ich habe das gesehen.

00:03:52: Als wäre das Sehen selbst nicht genug.

00:03:54: Dabei ist das Seen genug – Das Sehen isst alles!

00:03:58: Die Hügel San Francisco hat sieben Sieben-Hügel wie Rom.

00:04:04: Das sagen die San Franciscana.

00:04:06: Man glaubt es ihnen.

00:04:07: Man geht sie nicht alle aber man geht und merkt diese Stadt ist nicht flach.

00:04:14: Diese Stadt macht einem etwas aus.

00:04:17: In Los Angeles geht man und kommt an, in San Francisco geht man steigt.

00:04:22: Man keucht manchmal, man hält an, man schaut zurück – und dann sieht man die Stadt!

00:04:29: Die Straße, die man heraufgegangen ist, die Häuser, die kleiner werden je weiter man zurückschaut, die Bucht am Horizont grau-blau, das Wasser, das immer da ist….

00:04:41: Das ist das Geschenk der Hügel, dass man sieht … Immer wieder Unerwartet.

00:04:47: Man biegt ab und da ist ein Ausblick, den man nicht gesucht hat.

00:04:51: Die Stadt liegt unter einem Und für einen Moment ist man sehr still.

00:04:56: Man schaut und sagt nichts.

00:04:58: Die Frau neben einem schaut auch.

00:05:00: Man braucht keine Worte – die Stadt sagt alles Der Nebel.

00:05:06: San Francisco hat Nebel.

00:05:08: Das hat man nicht erwartet.

00:05:10: Im Sommer In Kalifornien Nebel.

00:05:13: Man hat Sonne erwartet Man hat Wärme erwartet, man hat bekommen Karl.

00:05:19: Die Locals nennen den Nebel Carl – das hat man irgendwo gelesen oder jemand hat es einem gesagt in einem Café.

00:05:27: Karl!

00:05:28: Als wäre der Nebel ein alter Mann, der jeden Morgen die Stadt besucht, der über das Wasser kommt, der sich über die Hügel legt, der die Golden Gate Bridge schluckt.

00:05:39: einfach so weil er es kann, weil er schon immer da war Bevor es die Brücke gab, bevor es die Stadt gab.

00:05:48: Karl war da und er kommt wieder jeden Tag wenn er will.

00:05:53: Die Golden Gate im Nebel.

00:05:55: Nur die Türme schauen raus – die roten Türme.

00:05:59: Das hat man nicht auf dem Foto gesehen.

00:06:01: das Foto zeigt immer die klare Brücke.

00:06:05: Das Foto zeigt was die Brücke ist Wenn Karl nicht da ist.

00:06:09: Aber wenn Karl da isst Ist die Brücken etwas anderes etwas Schöneres, das Flüchtige.

00:06:16: Das was kommt und geht!

00:06:18: Das was man nicht festhalten kann.

00:06:21: Nur die Türme schauen raus Rot über dem Weiß.

00:06:26: Man schaut Und denkt Das ist schöner Das Unvollständige Das dass sich versteckt.

00:06:34: Die Golden Gate Bridge.

00:06:36: Man fährt drüber Man steht daneben.

00:06:39: Sie isst rot Nicht golden.

00:06:42: Das hat man gewusst und trotzdem erwartet man etwas anderes.

00:06:47: Man erwartet immer das Foto, was man bekommt wenn man wirklich davor steht – die Größe!

00:06:54: Die Größe, die das Fotto nicht fasst.

00:06:57: Die Türme so hoch dass man den Nackenzure klegt, dass man nach oben schaut und das Ende nichts sieht.

00:07:05: Die Wolken kommen und gehen.

00:07:07: Manchmal stecken sie die Türme an Dann verschwinden die Türme oben im Grau.

00:07:13: Und die Brücke hängt, hängt einfach da – im Nichts!

00:07:18: Das macht etwas mit einem.

00:07:20: Das lässt einen kurz kleiner werden und das ist gut.

00:07:25: Das ist das Richtige.

00:07:27: Manchmal soll man kleiner werden.

00:07:30: Manchmal soll die Welt größer sein als man selbst.

00:07:33: Die Viertel.

00:07:35: San Francisco is nicht eine Stadt.

00:07:38: San Francisco ist viele kleine Städte.

00:07:41: Chinatown, man geht hinein und die Sprache ändert sich.

00:07:46: Die Schilder, die Zeichen, die Schriften.

00:07:50: Man kann sie nicht lesen.

00:07:52: Man isst Gast Das spürt man.

00:07:55: Die Straßen werden enger Die Läden haben andere Waren.

00:08:00: Die alte Frau, die an einem Stand Gemüse kauft schaut kurz Dann wieder auf das Gemüsen.

00:08:06: Man geht, man schaut.

00:08:11: Man ist froh dass es diese Städte in der Stadt gibt Das nicht alles gleich isst Dass San Francisco Ecken hat die einem fremd sind Gut fremt.

00:08:22: North Beach Ein anderes Viertel ein anderer Ton Die Cafés die Espresso machen und Nicht Filtercafé Ginzburg.

00:08:39: Die Beats.

00:08:40: Ginzberg schrieb sein großes Gedicht hier, nineteenhundertfünfundfünfzig in North Beach.

00:08:48: Er begann?

00:08:49: Ich sah die besten Köpfe meiner Generation!

00:08:54: Er schrieb auf was er sah.

00:08:57: Er machte aus dem Sehen Worte.

00:08:59: Das ist das San Francisco der Beats – das Aufschreiben, das Sagen, dass ehrlich seien über das was man sieht.

00:09:09: Man sitzt in einem der Cafés, man trinkt Espresso.

00:09:13: Man schaut auf die Straße.

00:09:15: Man denkt – hier saßen sie!

00:09:18: Hier haben Sie geschrieben.

00:09:20: Das Café war nach dem großen Erdbeben wieder da.

00:09:24: Ninzehundert und sechs.

00:09:26: Das Erdbäben und das Feuer danach.

00:09:29: Drei Tage brannte San Francisco.

00:09:32: Das Gas das ausströmte.

00:09:35: Die Leitungen, die brachen... Die Feuerwehr, die kein Wasser hatte.

00:09:40: Drei Tage!

00:09:42: Und dann bauten sie.

00:09:44: Das ist etwas das man spürt in San Francisco.

00:09:47: Dieses Aufstehen, dieses Man baut wieder.

00:09:52: Man baud wieder egal was war.

00:09:55: Man sitzt im Café und trinkt Espresso und die Straße macht das, was Straßen tun.

00:10:01: Die Leute gehen.

00:10:03: Manche bleiben kurz.

00:10:05: Manch setzen sich Das Leben, das von selbst passiert.

00:10:10: Man liest vielleicht.

00:10:12: Man schaut.

00:10:14: Man denkt an Karowak der hier saß.

00:10:16: Der mit seiner Schreibmaschine kam.

00:10:19: Der auf der Rolle tippte.

00:10:21: Mann denkt Was hat er gesehen?

00:10:24: Der hier saas.

00:10:26: Die selbe Straße Nicht dieselbe Eine andere Aber die selbe Stadt Die selben Luft.

00:10:35: Karl war auch damals schon da.

00:10:38: Karl ist immer da gewesen.

00:10:40: Karl kennt alle, die je in North Beach saßen Die Beats, die Hippies, die Touristen, die Hochzeitsreisenden.

00:10:51: Alle hat er gesehen, alle hat er eingehöhlt.

00:10:55: Das ist etwas das tröstet Dass Karl da isst, dass manche Dinge nicht verschwinden Der Nebel, die Straße, die Cafés Das Aufstehen nach dem Erdbeben.

00:11:11: Der Kabelkar.

00:11:13: Man fährt, man klammert sich fest.

00:11:16: Die Straße wird steiler Steiler als man dachte.

00:11:21: Man klammet sich fester.

00:11:23: Die Sitze sind aus Holz Das Holz ist alt.

00:11:28: Man riecht das Holz Man rIEch das Öl dass die Bremsen brauchen.

00:11:33: Dann der Gipfel.

00:11:36: Die Straße hört auf zu steigen Und da ist alles.

00:11:41: San Francisco unten Das Wasser Die Brücke in der Ferne Alcatras, die Insel in der Bucht.

00:11:50: Man schaut, man klammert sich noch.

00:11:53: Der Kabelkar hat keine Türen, man hängt raus fast!

00:11:57: Die Luft, die an einem vorbei zieht Kühle, feuchte Luft, Karzluft.

00:12:03: Die Leute auf den Bürgersteigen unten schauen nicht hoch, die es gewohnt sind.

00:12:08: Man ist Tourist, das ist okay.

00:12:11: Man isst in San Francisco.

00:12:13: Man klammert sich und schaut – Das macht man einmal, das muss man einmal gemacht haben!

00:12:19: Alcatras die Insel in der Bucht.

00:12:22: Man sieht sie von der Stadt aus immer Sie es da.

00:12:27: Man kann nicht in San Fransisco sein Und alcatras nicht sehen.

00:12:31: Man fährt rüber.

00:12:33: Das Wasser i'st kalt Grau, kalt, arbeitend.

00:12:37: Die Insel nähert sich.

00:12:39: Das Gebäude, das man kennt – der Zellenblock!

00:12:43: Man geht rein… Der Audioguide beginnt … die Stimme erzählt….die Zellen…man geht durch sie…sie sind klein…sehr klein…kleiner als man gedacht hat.. Man misst mit den Augen…denkt hier hat jemand gelebt...nicht gelebt…gewesen…neunundzwanzig Jahre war das Gefängnis in Betrieb von nineteenhundertvierunddreißig bis neunzehnhundertdreiundsiebzig.

00:13:11: Man rechnet, man ist kurz woanders, dann isst man wieder hier – in der Zelle!

00:13:17: Die Drei Frank Morris und die Brüder Englinn, neunzenthundertzweiundsechzig.

00:13:23: Sie basteten Werkzeuge aus Löffeln, sie gruben sich durch die Wände monatelang, sie bauten ein Floß aus Regenmendeln, Sie verschwanden, wurden nie gefunden.

00:13:36: Das FBI sagt, er trunken.

00:13:39: Das Wasser war zu kalt – die Strömung zu stark!

00:13:43: Manche sagen nein.

00:13:45: Manche haben es geschafft.

00:13:48: Die Geschichte ist offen – das macht sie gut.

00:13:52: Die Bucht hält das Geheimnis – Sie gibt es nicht raus.

00:13:56: Man steht am Ufer der Insel und schaut auf das graue Wasser, denkt an die Strömmungen darunter, die man nichts sieht… die einfach da sind.

00:14:06: Man schaut auf San Francisco von der Insel aus, die Skyline, die Hügel dahinter, die Brücke links – so sieht die Stadt aus von außen, von der Mitte der Bucht wie eine Kulisse, wie etwas das man sich ausgedacht hat.

00:14:23: aber es ist wirklich da!

00:14:25: Man isst wirklich hier!

00:14:27: Man steht auf einer Insel in der San Francisco Bay auf einer Hochzeitsreise aus Deutschland.

00:14:35: Das ist manchmal schwer zu glauben, dass man wirklich hier ist – nicht Zuhause, nicht auf dem Weg, Hier!

00:14:43: Das muss man manchmal festhalten, den Moment einmal halten, sagen Jetzt, jetzt bin ich hier, das is der Moment.

00:14:53: Dann fährt man zurück, zurück zur Stadt, zurück zu den Hügeln, zurück zum Kahl, der Straßenmusiker.

00:15:02: Man geht durch die Straßen, Fisherman's Wharf vielleicht oder die Gegend um Union Square.

00:15:09: Man weiß es nicht mehr genau.

00:15:11: Man geht und die Stadt macht Geräusche, Autos stimmen das Rattern des Kabelkar irgendwo – und dann Gitarre!

00:15:21: Man hört es bevor man es sieht.

00:15:23: Die Melodie kommt um eine Ecke oder durch eine Lücke zwischen den Gebäuden.

00:15:29: Man folgt ihr, man geht auf sie zu der Mann mit Und man bleibt stehen.

00:16:04: Cat Stevens, diese Gitarrenart, die Stimme, die der Mann nachmacht – nicht perfekt!

00:16:11: Nicht Cat Stevens aber nah genug.

00:16:15: Nah genug dass man plötzlich woanders ist.

00:16:18: Nicht auf der Straße sondern in einer Küche, in einem Auto.

00:16:23: als Kind Das Radio das den ganzen Tag lief Der Vater der diese Musik mochte die Mutter, die manchmal mitsang – Cat Stevens.

00:16:34: Diese Stimme!

00:16:35: diese Melodien, die man nie lernen musste, die einfach da waren von Anfang an Man hat sie nie gelernt.

00:16:44: Sie waren immer schon da So als wären sie mit einem gekommen Als wäre man damit aufgewachsen wie mit dem Duft des Hauses Den man nicht mehr riecht wenn man zu Hause ist den man erst riechht Wenn man wieder kommt wenn man die Tür öffnet.

00:17:01: Ah, das ist es!

00:17:03: Das!

00:17:04: So isst es mit dieser Melodie.

00:17:07: Man hört sie und denkt A. Das kannte man – das hat man immer gekannt.

00:17:14: Der Musiker schaute nicht auf die Leute, die standen.

00:17:17: Er spielte für sich Oder für die Musik Oder für etwas, dass man nichts sieht Ein paar Münzen.

00:17:30: Man kramte, man fand etwas – man legte es rein.

00:17:35: Er nickte Kurz Kaum merkbar.

00:17:38: Dann wieder die Gitarre.

00:17:40: Die Frau neben einem stand.

00:17:42: auch Sie hatte angehalten ohne es zu merken So wie man selbst angehalten hatte.

00:17:47: Er spielte Cat Stevens.

00:17:49: sie kannte die Melodie.

00:17:50: Man sah es an der Art wie sie den Kopf ein bisschen neigte zur Seite Ganz leicht An dem kleinen Lächeln das nicht für jemanden war Das einfach kam, das Wiedererkennen, das Widerhören.

00:18:02: Sie kannte die Melodie aus ihrer Kindheit – man kannte sie aus der eigenen zwei Kindheiten, zwei Häuser und zwei Radios.

00:18:10: Die selbe Melodie!

00:18:11: Das ist etwas, dass man nicht planen kann, was einfach passiert.

00:18:15: Dass man mit jemandem auf einer Straße in San Francisco steht und beide hören dieselbe Melodie und beide sind kurz woanders.

00:18:22: Und beide lächeln leicht ohne dass man sich ansieht.

00:18:26: Das ist auch etwas.

00:18:27: Das ist vielleicht das Schönste!

00:18:29: Man hat in diesem Moment nichts gesagt, man hat einfach gestanden und gehört.

00:18:34: Manchmal braucht man keine Worte, manchmal reicht es stehen, dass gemeinsame hören, dass gleichzeitig erkennen – das ist genug, das ist mehr als genug.

00:18:44: Man hat sich nicht angesehen in diesen Moment, man stand einfach nebeneinander so nahe, daß man spürte wie der andere atmete diese Wärme, diese Stille zwischen zwei Menschen die dieselbe Melodie kennen.

00:18:56: Das passiert nicht oft.

00:18:58: Vielleicht einmal, wenn man Glück hat, dass man neben jemandem steht und beide erkennen – beide wissen!

00:19:04: Beide sind kurz an demselben Ort, nicht auf dieser Straße sondern woanders in der Kindheit, in dem Moment als die Melodie das erste Mal ankam.

00:19:13: Und jetzt, auf dieser Strasse in San Francisco kommt sie wieder für beide zur selben Zeit.

00:19:19: Das verbindet stärker als ein Gespräch manchmal, das gemeinsame Schweigen, Das ist die Hochzeitsreise, die man sich nicht vorstellt.

00:19:28: Man stellt sich die Golden Gate vor, man stellt sich Die Bucht vor und etwas Großes vor.

00:19:34: Und dann ist es das!

00:19:36: Ein Mann mit einer Gitarre eine Melodie Eine Frau, die den Kopf neigt – das ist der Moment.

00:19:41: Die Passanten gingen vorbei, die meisten gingen Vorbei.

00:19:45: Manche blieben kurz, manche legten Etwas in die Tasche, manchen Nicht.

00:19:49: Der Musiker spielte weiter Unabhängig davon wer blieb und wer ging Erspielte einfach Kat Stevens, Wild World oder Father and Son auf einer Straße in San Francisco an einem Nachmittag.

00:20:02: Das bleibt!

00:20:03: Das bleibt von San Francisco.

00:20:05: nicht die Golden Gate, nicht Alcatraz – der Musiker, der Kat Stevens spielte.

00:20:10: und dass man stehen blieb und das die Frau den Kopf neigte und es gut war.

00:20:15: Man hat keine Aufnahme davon, man hat kein Video, man wollte das Telefon rausnehmen, man hatte es gelassen.

00:20:21: Es hätte nicht gepasst.

00:20:22: Manche Momente will man nicht einfangen Die will man nur haben.

00:20:26: Im Kopf, im Körper, nirgendwo sonst – Nur da!

00:20:30: Man hat auch kein Foto von dem Gesicht der Frau als sie den Kopf neigte Das Lächeln das für niemanden war, dass einfach kam.

00:20:37: Das Foto würde es nicht treffen, das trifft kein FOTO.

00:20:40: Das ist gut so.

00:20:41: Manche Dinge gehören nicht auf ein Foto die gehören in die Erinnerung.

00:20:45: Dort sind Sie sicher dort bleiben sie und wenn man sich erinnert sind sie genauso da.

00:20:53: Cat Stevens auf einer Straße in San Francisco, an einem Nachmittag als man auf Hochzeitsreise war.

00:20:59: Der Fischer-Mens' Wharf – nicht elegant, touristisch!

00:21:03: Man weiß das, man riecht es auch.

00:21:05: Fisch und Meer und frittiertes Zeug und Sonne auf altem Holz.

00:21:09: Man geht trotzdem wegen dem Klemmtschauder, wegen dem Brot… Das Sauerdow …das Sauerteigbrot dass San Francisco erfunden hat oder dass San Fransisco gepflegt hat.

00:21:19: Generation für Generation Die Bäcker, die den Teig nie wegwarfen.

00:21:24: Die ihn weitergaben Mutter an Tochter Vater an Sohn.

00:21:28: Der Teig der Jahrzehnte alt ist Der immer noch lebt.

00:21:31: Das Brot ist schwer Man hält es in beiden Händen Es ist warm Man schneidet oben auf Die Suppe wird eingefüllt Der klemmt Schauder Die Muschelsuppe Weiß Cremich Warm.

00:21:43: Man isst Zuerst die Suppe Dann die Innenwände des Brots, die die Supphe aufgesogen haben Das Brot, das nach Suppe schmeckt.

00:21:51: Das Suppe ist und gleichzeitig Brot Dann den Deckel, dann den Rest.

00:21:55: Nichts bleibt übrig – nichts.

00:21:57: Man schaut auf den leeren Teller Denkt «das war gut», »das war sehr gut«.

00:22:02: Das einfachste Essen des ganzen Trips – das Beste.

00:22:05: So ist es manchmal!

00:22:06: Das Einfachste trifft einen am meisten.

00:22:09: Das Einfachste bleibt Wie die Melodie wie der Musiker Die Postkarten Anschrieb sie am nächsten Morgen im Mutellzimmer Das kleine rote Rabatt-Heft auf dem Tisch, der Kaffee den man im Styroporbecher hatte.

00:22:25: Man schrieb – handschriftlich!

00:22:28: Mit dem Kugelschreiber, den ich in meinem Koffer hatte An die Eltern, an Freunde Hier sind wir, hier ist es schön.

00:22:36: Die Hüge Der Nebe Die Brücke Das Brot.

00:22:41: Man schrieb was man sah, man schriebt was man gegessen hatte.

00:22:46: Man schiebt nicht über den Musiker Manche Dinge schreibt man nicht, die behält man.

00:22:53: Die Postkarten kamen wahrscheinlich an.

00:22:56: Manche vielleicht erst nach der Rückkehr – das war das Postkatenrisiko!

00:23:02: Man schickte trotzdem immer, weil es damals so war.

00:23:07: Weil man schrieb wenn man reiste, weil man Postkartenschickte, weilman sagte Schaut wo wir sind, schaut was es gibt.

00:23:18: die längste Station.

00:23:23: Man hatte Zeit in San Francisco, mehr Zeit als anderswo und das war das Richtige.

00:23:30: San Francisco braucht Zeit!

00:23:32: San Francisco ist keine Stadt durch die man fährt.

00:23:36: San Fransisco ist eine Stadt in der man geht – Die Hügel geht, die Straßen geht, Weil eine Melodie um die Ecke kommt, weil man nicht weiter kann obwohl man weiter will.

00:23:57: Das Motelzimmer Die Klimaanlage die zu laut ist das große Bett Das amerikanische Motelbett dass immer gut ist.

00:24:07: Das ist ein Gesetz das gilt Man liegt Es ist fast still Draußen.

00:24:14: San Francisco Diese Stadt die nie ganz schläft.

00:24:19: Manchmal hört man ein Auto, manchmal eine Stimme weit weg.

00:24:25: Manchmal nichts, manchmal Karl.

00:24:29: Karl macht kein Geräusch, Karl ist einfach da!

00:24:33: Er liegt über der Stadt, über den Hügeln, über der Brücke.

00:24:38: Man denkt daran wie die Stadt von der Insel aussah – Die Skyline, die Hügel, Man war wirklich da, nicht in einem Film, nicht auf einem Foto.

00:24:55: Wirklich im San Francisco Das ist manchmal schwer zu glauben dass das wirklich passiert Dass man hier liegt In diesem Motel, in dieser Stadt Auf dieser Reise die man gemeinsam macht Die man gemeinsam behalten wird Immer!

00:25:15: San Francisco draußen – die Hügel, die Bucht Karl, der irgendwo wartet.

00:25:22: Der Morgen wiederkommt Weil er immer wieder kommt, weil er das tut.

00:25:29: Man denkt an den Musiker Den Mann mit der Gitarre Cat Stevens auf der Straße Wild World oder Father and Son.

00:25:39: Man weiß es nicht mehr Aber die Melodie ist noch da Im Ohr im Kopf Die Melodie, die man immer kannte Die man nie lernen musste die jetzt in San Francisco war, auf einer Straße an einem Nachmittag.

00:25:56: Als man auf Hochzeitsreise war – als man noch nicht wusste was diese Woche bedeuten würde.

00:26:02: Das weiß man erst später.

00:26:05: Man weiß es jetzt Nicht.

00:26:07: damals.

00:26:09: Die Frau neben einem schläft Die Klimaanlage läuft Die Stadt ist draußen Die drei, die vielleicht entkamen.

00:26:23: Das Sourdoughbrot – The Painted Ladies Karl.

00:26:28: Alles da Alles San Francisco.

00:26:32: Man schläft ein.

00:26:34: Die Melodie bleibt.

00:26:35: Cat Stevens bleibt Auf der Straße In der Erinnerung Immer.

00:26:43: Der Nebel liegt jetzt über der Stadt Carl.

00:26:46: Er legt sich über die Hügel.

00:26:49: Er kriegt das Wasser hoch Er umhüllt die Brücke.

00:26:54: Nur die Türme schauen raus, Die roten Türme, die immer schauen Durch Nebel, durch Regen, durch alles!

00:27:04: Die rotten Türme ,die immer da sind Über dem Nebel über allem, Die Schauen.

00:27:11: Man schläft, die Türmen schauen Karl liegt, San Francisco schläft leise Die Melodie Cat Stevens.

00:27:21: Man kann Zahlen vergessen, Namen vergessen, Gesichter vergessen.

00:27:28: Aber eine Melodie die man als Kind kannte – Die geht nicht!

00:27:33: Die ist eingraviert.

00:27:35: Die ist tiefer als das Denken.

00:27:38: Die sitzt woanders Und wenn sie kommt aus einem Radio, Aus einer Küche, Aus der Gitarre auf einer Straße in San Francisco Dann ist man sofort da.

00:27:49: Sofort in der Küche sofort im Auto, sofort Kind.

00:27:56: Das ist das Schönste an Musik – dass sie das kann!

00:28:00: Dass sie einen zurückbringt ohne Ankündigung, ohne Erlaubnis.

00:28:06: Einfach so, weil eine Melodie das kann.

00:28:11: Die Woche in San Francisco war die Beste.

00:28:14: Das weiß man jetzt nicht damals.

00:28:17: Jetzt.

00:28:18: Weil der Musiker spielte, weil man stehen blieb weil die Frau den Kopf neigte, weil dieselbe Melodie aus zwei verschiedenen Kindheiten kam und auf einer Straße zusammenkam.

00:28:32: Das ist etwas das man nicht kaufen kann – das passiert oder es passiert nicht?

00:28:37: In San Francisco ist es passiert.

00:28:40: Irgendwo in der Stadt spielt jetzt noch jemand immer!

00:28:43: Diese Stadt schläft nie ganz.

00:28:45: Immer ist jemand auf der Straße, immer ist jemand, der spielt, der singt der die Melodie hat, die bleibt.

00:28:54: Man schläft.

00:28:56: Irgendwo draußen kahl, irgendwo draußen die Türme, irgendwo draussen ein Musiker vielleicht, Der die Melodie spielt auch wenn man schläft Auch wenn man weit weg ist – auch Jahre später.

00:29:11: Die Melodie bleibt Wild World oder Father and Son einer dieser Songs, der immer war Der immer bleibt.

00:29:22: Karl liegt über der Stadt, die Türme schauen durch ihn Die roten Türme – durch die Nacht Durch alles.

00:29:30: San Francisco schläft Mann schläft!

00:29:34: Die Woche war gut Die Woche sehr gut.

00:29:37: Die Woche in San Francisco war die beste Woche des ganzen Trips.

00:29:41: Das weiß man erst jetzt Nicht damals Jetzt Wenn man zurückdenkt.

00:29:49: Die Bucht, die grau-blau lag.

00:29:53: Alcatraz – die Insel mit dem Geheimnis.

00:29:56: Karl der jeden Morgen wiederkam.

00:29:59: Die Zellen, die kleiner waren als das Motelzimmer Das Brot, dass die Suppe trank.

00:30:05: Die Postkarten, die man schrieb.

00:30:06: Die Painted Ladies Der Kabelkar an den man sich klammerte Und der Musiker Immer der Musika Der Cat Stevens spielte An einem Nachmittag auf einer Straße In dieser Stadt, in dieser Woche auf dieser Reise.

00:30:25: Das bleibt von allem!

00:30:27: Das bleibt vom San Francisco.

00:30:29: Nicht die Golden Gate nicht Alcatraz.

00:30:32: der Musiker Die Melodie das Lächeln der Frau das Wiedererkennen zwei Kindheiten dieselbe Melodie Das ist San Francisco, dass isst die Woche das ist die Hochzeitsreise.

00:30:48: Die Morgen hier waren anders.

00:30:50: San Francisco morgens, Karl der noch nicht weg ist die Luft die noch kühler ist als am Nachmittag.

00:30:58: Man geht früh raus man kauft Kaffee im Styroporbecher Man geht durch Straßen die noch nicht voll sind.

00:31:06: die Stadt wacht auf Langsam die Bäcker machen auf die ersten Autos ein paar Leute die zur Arbeit gehen.

00:31:15: Karl der sich langsam hebt der die Brücke freigibt, Die Türme, die auftauchen Rot über dem Weiß Jedes Mal Jeden Morgen Als hätte man die Brücken noch nicht gesehen als wäre es das erste mal.

00:31:30: Das ist das Schöne Dass er sich wiederholt und trotzdem jedesmal neu isst Karl, der sich hebt.

00:31:39: Die Türmen, die auftauchen Die Stadt, die wacht.

00:31:43: Man trinkt den Kaffee.

00:31:44: Man geht!

00:31:45: Man hat Zeit Fast eine ganze Woche Zeit.

00:31:49: Das ist Reichtum, nicht das Geld – die Zeit!

00:31:54: Dass man gehen kann, dass man sehen kann, das man anhalten kann.

00:31:59: Wenn ein Musiker spielt, wenn eine Melodie kommt, die man immer kannte,

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