Der Mittag

Shownotes

Palm Springs. Die Sonne steht hoch. Trockene Hitze — die Art, die nicht klebt, sondern brennt. Die Berge stehen um die Stadt wie Wände und lassen die Hitze nicht raus.

Eine ruhige Geschichte über einen Mittag in der Wüste, breite Straßen, und die Zeit, die hier anders läuft.

Stille Orte — ruhige Geschichten von stillen Orten und Momenten. Jeden Freitag eine neue Episode.

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00:00:00: Der Mittag.

00:00:01: Es ist heiß.

00:00:02: Nicht die Hitze, die man kennt Die Hitze – die man nicht kennt Bis man hier ist Trockene Hitze Die Art, die keine Feuchte hat Die einem nicht klebt Die einfach brennt.

00:00:16: Die Sonne steht hoch Es ist Mittag Oder kurz Nachmittag.

00:00:20: Die Uhr sagt etwas Aber man glaubt ihr nicht richtig?

00:00:24: Die Zeit hier läuft anders.

00:00:27: In der Hitze läuft Zeit langsamer oder schneller, man weiß es noch nicht.

00:00:32: Man ist noch nicht lange hier.

00:00:34: Parmsprings Das Wort kannte man vorher von Fotos und Filmen Von dem was man sich vorstellt.

00:00:41: wenn jemand sagt Kalifornien Palmen blauer Himmel weite Straßen das stimmt alles.

00:00:48: Und trotzdem ist es anders als man dachte.

00:00:51: Größer Lehrer ruhiger.

00:00:54: Die Berge um die Stadt hat man nicht erwartet.

00:00:58: So nah So hoch, so kahl!

00:01:01: Sie stehen um Palm Springs wie Wände.

00:01:04: Als hätte jemand eine Stadt in eine Schale gesetzt – im eine Wüstenschale.

00:01:09: Und die Berge halten die Hitze.

00:01:11: Sie lassen sie nicht raus.

00:01:13: Sie halten alles drin.

00:01:14: Man geht durch eine Straße.

00:01:16: Die Straße ist breit, breiter als zu Hause.

00:01:19: Alles hier ist breiter also Zuhause.

00:01:22: Die Straßen, die Autos, die Abstände zwischen den Häusern…die Häuser selbst Die Gärten, der Himmel.

00:01:30: Man geht und fühlt sich kleiner als sonst – nicht weil man kleiner ist, weil alles größer ist.

00:01:36: Alles ist ein bisschen zu groß!

00:01:39: Und trotzdem?

00:01:40: Trotzdem fühlt man sich allein, nicht auf eine schlechte Art, auf eine stille Art, die neu ist.

00:01:48: Das Praktikum hat vor drei Wochen angefangen.

00:01:50: Drei Wochen in Palm Springs noch drei Monate, sechs Monate insgesamt Ein halbes Jahr in dieser Stadt, In dieser Hitze.

00:02:00: In diesen Straßen, in diesem Licht.

00:02:02: Man hat Ja gesagt und das ja war das Richtige Das weiß man jetzt!

00:02:07: Das weiß Mann wenn man durch die Straßen geht Und denkt hier bin ich Hier wo es heiß ist und weit Hier wo die Berge um die Stadt stehen und alles einschließen Hier wo Die Palmen in Reihen die Straßensäumen Hier.

00:02:23: das ist kein Traum Das is Palm Springs Das bin ich in Palm Springs.

00:02:29: Man hat ja gesagt, man hat nicht lange überlegt.

00:02:32: Jemand hat gefragt, willst du nach Kalifornien?

00:02:35: Und man hat gesagt Ja so einfach!

00:02:38: So einfach dass man danach ein bisschen erschrocken war – über sich selbst, über das Jahr, das so schnell kam.

00:02:44: Aber das Jahr war richtig.

00:02:46: Das merkt man jetzt.

00:02:48: Das Merkt man an jedem Mittag wenn man durch die Hitze geht und denkt Ich bin hier wirklich In Palm Springs, Kalifornien USA.

00:02:58: Man wohnt in einer kleinen Wohnung zwei Straßen vom Büro.

00:03:02: man geht morgens hin, man geht abends zurück.

00:03:05: manchmal läuft man mittags raus so wie jetzt einfach raus in die Hitze, in die Stille der Mittagsstraßen.

00:03:12: bei dieser Hitze ist kaum jemand draußen.

00:03:15: Die Vernünftigen sind drin!

00:03:17: Mann isst draussen.

00:03:18: Das ist eine Entscheidung Eine kleine Aber eine eigene den Mittag draußen verbringen, wenn es so heiß ist.

00:03:27: Aber hier macht man das, weil es Palm Springs ist, weil die Hitze hier anders ist.

00:03:33: Weil man sie kennenlernen will!

00:03:34: Man isst jung – man kann das.

00:03:37: Man geht in die Mittagshitze und lernt Sie kennen.

00:03:40: Die ersten paar Mal lacht man ein bisschen über sich selbst, weil man schwitzt, weil der Haut sich anders anfühlt hier.

00:03:47: Trockener, gespannter… weil die Lippen aufspringen … weil man mehr trinkt als je zuvor.

00:03:53: Wasser Immer Wasser.

00:03:55: Das hat man schnell gelernt.

00:03:56: Durst kommt zuerst, Hunger, Erschöpfung – sie folgen!

00:04:00: Die Wüste nimmt das Wasser unmerklich.

00:04:03: Das ist die Wüse.

00:04:05: Sie nimmt das water aus einem.

00:04:06: Unmerklich.

00:04:08: Die trockene Luft.

00:04:09: Die Hitze.

00:04:10: Man schwitzt und merkt es nicht, weil der Schweiß sofort verdunstet.

00:04:14: Das is' die trockne Hitze... Sie lässt einen denken….

00:04:18: Es ißt nich so schlimm.

00:04:19: Dabei iß des Schlimm.

00:04:20: Man muss trinken.

00:04:22: Eine Flasche morgens?

00:04:23: Eine Mittags, eine Abends.

00:04:25: Mehr wenn man draußen war.

00:04:27: Das Wasser hier schmeckt anders als zu Hause Ein bisschen mineralischer Oder man bildet es sich ein.

00:04:33: Egal Man trinkt!

00:04:35: Man geht in die Mittagshitze und lernt sie kennen Die trockene Hitze, die brennt Den weißen Himmel das flirren.

00:04:43: Die Palmen stehen in Reihen an der Straße.

00:04:45: Sie sind hoch viel höher als die Häuser daneben.

00:04:49: Ihr Schatten fällt schräg zur Seite.

00:04:51: Bei Mittag gibt es kaum Schatten.

00:04:53: Die Sonne steht zu hoch, die Palmen werfen dünne Streifen – zu dünn für einen Menschen.

00:04:59: Man steht trotzdem kurz in einem.

00:05:01: Einen Moment!

00:05:02: Es hilft kaum aber es hilft etwas.

00:05:05: Dann geht man weiter.

00:05:07: Die Straße heißt South Palm Canyon Drive.

00:05:10: Man hat sich den Namen gemerkt, man hat sich viele Namen gemärkt.

00:05:14: Das ist eine Art irgendwo anzukommen.

00:05:19: Die Menschen im Büro, die alle anders heißen als die Menschen zu Hause.

00:05:43: So weit weg, dass zu Hause gerade der Abend beginnt während man hier in der Mittagshitze steht.

00:05:56: Die Eltern sitzen vielleicht beim Abendessen – die Freunde gehen aus!

00:06:00: Die Stadt macht das was Städte abends machen Hier ist es Mittag, hier flirrt die Hitze, hier sind die Straßen leer.

00:06:09: Das ist die Gleichzeitigkeit der Welt, das überall gleichzeitig etwas passiert Dass man an einer Kreuzung in Palm Springs stehen kann, während zu Hause der Abend beginnt.

00:06:20: Das ist eine neue Art die Welt zu verstehen – eine räumliche Art.

00:06:25: Eine, die man nicht lernt wenn man nie weggeht!

00:06:29: Wenn man mittags durch die Straßen von Palm Springs geht schlafen die Leute Zuhause.

00:06:34: Das isst ein merkwürdiger Gedanke.

00:06:36: das ist Fremdsein in etwas Schönem weil alles neu ißt und aufpassen muss dass man nicht vergisst wo man weil man nicht will, dass die Tage ineinander rinnen.

00:06:48: Die Tage hier – man will sie behalten!

00:06:50: Man ist jung, man ist weit weg von zu Hause….

00:06:54: …man ist allein in einer Stadt, die einem noch nicht gehört.

00:06:58: Diese Erfahrung — man will Sie behalten.

00:07:01: Man weiß schon jetzt, das man sie vergessen würde wenn man nicht aufpasst.

00:07:05: Also merkt man sich die Namen.

00:07:07: South Palm Canyon Drive.

00:07:10: Der Bäcker an der Ecke is ein anderer Bäcker Nicht der deutsche Bäcker, nicht das was man kennt.

00:07:16: Hier gibt es Muffins, Donuts diese süßen Dinge.

00:07:20: Pulvercafé, der nach nichts schmeckt!

00:07:23: Man hat es versucht am ersten Morgen, seitdem trinkt man den Kaffee im Büro.

00:07:28: Der Kaffee ist besser – nicht gut aber besser.

00:07:33: Das ist das Ankommen in einer anderen S-Kultur.

00:07:37: Man sucht das Vertraute, findet es nicht, findet stattdessen etwas anderes Einen Dainer an der Hauptstraße, der um sechs Uhr früh aufmacht.

00:07:47: Eier Toast Kaffee Großzügig.

00:07:51: Man gewöhnt sich daran!

00:07:52: Man beginnt die Dainers zu mögen Nicht wegen dem Essen Wegen der Art Wegen den Platz Wegen dem Kaffees, der immer nachgefüllt wird ohne zu fragen.

00:08:03: Das ist auch Amerika Nicht das Palm Springs.

00:08:06: der reichen Willen – das gibt es auch Aber das ist nicht das was man kennt.

00:08:12: Man kennt die andere Seite, die Straßen auf denen man geht.

00:08:16: Die Diners, die kleinen Läden – diese Großzügigkeit, dieses Nicht-Kleinlichsein!

00:08:22: Die Portionen, die groß sind, der Kaffee, der nachgefüllt wird, die Freundlichkeit, die nicht aufhört.

00:08:29: Das ist auch hier, das gehört dazu, dass nimmt man mit.

00:08:34: Das isst auch

00:08:35: Amerika.".

00:08:36: Die Straßen von Palm Springs sind fast leer mittags.

00:08:40: Autos fahren, aber Menschen gehen kaum.

00:08:43: Das ist anders als zu Hause – Zuhause gibt es Fußgänger!

00:08:47: Hier sind alle im Auto.

00:08:50: Man geht und fühlt sich merkwürdig dabei.

00:08:52: Als würde man etwas falsch machen.

00:08:54: Als gäbe es eine Regel die besagt «Hier geht man nicht, hier fährt man».

00:09:00: Man geht trotzdem….

00:09:01: das ist auch eine kleine Entscheidung.

00:09:04: Eine täglich.

00:09:05: Morgens-und Mittags-und Abends.

00:09:08: Zu Fuß statt mit dem Auto.

00:09:10: Das Auto hat man nicht, man braucht es auch nicht.

00:09:13: Alles ist nah genug und wer keine Angst vor der Hitze hat oder wer sie kennenlernen will, der geht.

00:09:21: Diese Stadt sieht man anders zu Fuß – langsamer, näher, heißer aber echter!

00:09:27: Man sieht die Risse im Asphalt, die Wasserflecken auf den Bürger steigen wo die Sprinkler das Gras bewässern.

00:09:34: Die kleinen Eidechsen, die in der Sonne liegen dann schnell weg huschen Die Kaktänen vor den Häusern, ihre seltsamen Formen.

00:09:42: Als hätte jemand Skulpturen in die Vorgärten gestellt – Nichtskulpturen, Pflanzen.

00:09:48: Lebendige Pflanzen, die in der Hitze leben.

00:09:51: Die die Hitze brauchen, die ohne sie nicht wären!

00:09:55: Die Kakterien blühen manchmal.

00:09:57: Orange, gelb, rot.

00:10:00: Blüten, die nicht zu dem passen was man von außen sieht.

00:10:03: So stachelig der Kaktus, so zart die Blüte… Das ist auch Wüste, diese Zartheit die man nicht erwartet.

00:10:12: Diese Schönheit, die sich nicht zeigt wenn man nicht aufpasst, die man verdient wenn man hinschaut.

00:10:18: Man schaut hin!

00:10:20: Man hat Zeit zum Hinschauen – das ist das Praktikum, das ist die Zeit, das is' die Wüse, dass i's die Stadt die man sechs Monate bewohnen wird ,die man nie ganz verstehen wird.

00:10:33: aber ein Stück davon, ein Mittagdavon Eine Kreuzung davon, eine Hitze davon, einen Berg davon, ein Sternenhimmel davon.

00:10:42: Das ist genug – das ist mehr als genug!

00:10:45: Das is Parmsprings.

00:10:47: Dieser eine Ort, dieser eine Zeit diese sechs Monate.

00:10:53: Man hat sie gehabt, man hat sie gelebt Jeden Mittag, jeden Abend, jeden Morgen wenn man aufgewacht ist und aus dem Fenster geschaut hat und die Berge gesehen hat.

00:11:03: Manchmal bevor man aufwacht Hat man sie schon gefühlt?

00:11:07: Das Licht, das durch die Vorhänge kam.

00:11:09: Das harte weiße Licht, dass kein Erbarmen kennt.

00:11:13: Das sagt auch stehen!

00:11:15: Das sagt der Tag hat angefangen Der Tag in Palm Springs Immer die Berge immer da An einer Kreuzung bleibt man stehen Vier Richtungen alle gleich weit Alle gleich heiß alle gleich breit In alle vier richtungen Palmen flache Häuser Der Asphalt, der in der Hitze flirrt.

00:11:36: Dieses Flirren – das kennt man von Fotos!

00:11:40: Aber auf einem Foto flirt es nicht wirklich.

00:11:43: Hier flört es.

00:11:44: Das ist der Hitzespiegel so nennt man das.

00:11:47: Die heiße Luft über dem Asphalt bricht das Licht.

00:11:51: Sie verhält sich wie Wasser.

00:11:52: sie lässt Dinge unwirklich aussehen.

00:11:55: Beim ersten Mal dachte man «das Licht ist kaputt».

00:11:58: Die Luft flimmert als wäre sie flüssig.

00:12:01: Das ist die Wüste, die zeigt was sie isst.

00:12:06: Sie zeigt die Hitze sichtbar.

00:12:08: Sie macht das Unsichtbare sichtbaar.

00:12:11: Die Luft selbst wird sichtbaar – das ist das Flirren!

00:12:15: Die Luft über dem Asphalt bewegt sich, sie verzerrt das Bild.

00:12:20: Die Häuser am Ende der Straße tanzen leicht, die Palmen tanzen leicht als wäre alles nicht ganz fest, als würde die Welt an ihren Rändern unscharf.

00:12:30: Man steht an der Kreuzung Man wählt eine Richtung, nicht weil sie besser ist.

00:12:35: Einfach, weil man stehen bleiben kann.

00:12:37: Die Wohnung liegt zwei Straßen weg.

00:12:40: Man hat sie noch nicht zum Heim kommen – drei Wochen noch kein Heimkommen!

00:12:44: Es ist eine Wohnung mit einer Küche die man kaum benutzt und einem Fernseher den man anhat, weil es sonst zu still ist.

00:12:52: Mit einem Bett das groß ist für eine Person.

00:12:55: Das Bett ist gut, das Bett ist das Beste an der Wohnung.

00:13:01: besser als erwartet.

00:13:02: Der Körper ist müde.

00:13:04: vom Tag, von der Hitze, vom Englisch sprechen.

00:13:07: das ermüdet anders als Deutsch sprechen.

00:13:10: Man denkt nach sucht Wörter übersetzt Das kostet Energie.

00:13:15: Am Abend ist man müde auf eine andere Art Eine gute Art Man schläft ein und schläft durch Bis der Wecker klingelt Oder bis es zu hell wird.

00:13:25: Das Licht hier beginnt früh Das harte weiße Licht der Wüste dass kein Erbarmen kennt.

00:13:31: Die Stille der Wüste nachts ist anders als jede Stille die man kennt, tiefer absoluter, kein Verkehr keine Nachbarn die man hört nur manchmal der Wind.

00:13:43: Der Wind nachts in Palm Springs isst anders als der Wind tags kühler fast kalt.

00:13:49: Die Wüse kühl schnell aus.

00:13:52: das hat man nicht erwartet.

00:13:53: Man war auf die Hitze vorbereitet nicht auf die Kälte danach.

00:13:57: es gibt einen Pool In fast jeder Wohnung.

00:14:00: hier gibt es einen Pool oder es gibt einen im Komplex.

00:14:04: Man hat ihn einmal benutzt, am ersten Wochenende.

00:14:08: Man ist allein – das erste Wochenende allein in einer fremden Stadt!

00:14:12: Man hat keinen Plan gemacht, man hat einfach geschaut was passiert?

00:14:17: Was passiert ist?

00:14:18: Nichts!

00:14:19: Nichts im guten Sinne….

00:14:20: Man hat gefrühstückt alleine im Deiner... Man hat die Zeitung aufgeschlagen obwohl man nicht alles versteht.

00:14:27: Man hat Kaffee getrunken, der nachgefüllt wurde ohne zu fragen.

00:14:32: Man hat einen langen Spaziergang gemacht – weiter als man geplant hatte bis an den Rand der Stadt wo die Häuser aufhören und die Wüste anfängt.

00:14:41: Das geht schnell.

00:14:42: Palm Springs ist nicht groß.

00:14:44: In zwanzig Minuten zu Fuß ist man am Stadtrand.

00:14:48: in dreißig steht man in der Wüse.

00:14:50: wirklich in der wüste.

00:14:52: Die Häuser hinter einem Der Asphalt hinter einem Vor einem Sand Fels, die Saguaro-Kakteen, die man kennt von Fotos.

00:15:01: Und jetzt kennt man sie auch von wirklich – Von dem Moment in dem man davor steht, indem man hoch schaut und merkt wie groß Sie sind.

00:15:10: Die Saguarokakteen wachsen langsam.

00:15:12: Jahrzehnte brauchen sie um so hoch zu werden.

00:15:16: Man steht vor einem Kaktus und denkt du warst hier als ich noch nicht war Du wirst hier sein wenn ich weg bin.

00:15:22: Das relativiert etwas.

00:15:24: das ist gut.

00:15:26: Man steht am Rand der Wüste und schaut.

00:15:29: Sand, Fels, Gestrüpp In der Ferne die Berge Nichts bewegt sich Kein Wind, kein Tier Nur die Hitze Und das Schweigen.

00:15:39: dass so laut ist Dass man es hört Das hat man nicht erwartet Das Stille so laut sein kann.

00:15:45: Die Wüse ist ein Ort Der einem etwas nimmt.

00:15:48: Alle Nebengeräusche alle Ablenkungen Das Rauschen des Alltags Das bleibt zu Hause.

00:15:55: Hier isst nichts davon.

00:15:56: Hier ist nur Sand und Hitze, und Stille und Himmel.

00:16:00: Und man selbst!

00:16:02: Der da steht und schaut.

00:16:03: Das is die Wüste – das iß der Rand von Palm Springs.

00:16:07: Das iß den Rand von allem was man kennt.

00:16:10: Aber der Rand iß kein Ende…der Rand eis dein Anfang …von etwas anderem….von dem was dahinter liegt…der Sand...die Stille..die Weite…der Rand lädt ein,…er sagt «Komm weiter, schau was da ißt».

00:16:26: Man geht ein Stück rein, nicht weit aber ein Stück.

00:16:30: Weit genug das die Stadt hinter einem kleiner wird.

00:16:34: Weid genug dass man allein ist – wirklich alleine!

00:16:38: Niemand weiß wo man gerade steht, nicht die Eltern, nicht Freunde zu Hause nur man selbst.

00:16:45: Wenn man hier umfällt und keine anhält hat man verloren.

00:16:49: Man denkt es tatsächlich Dann geht man trotzdem weiter rein mit dem Sand, den Kaktänen Mit der Stille, mit dem Himmel.

00:16:58: Mit dem Gefühl das man hier sein darf Das die Wüste einen lässt Dass sie einen aufnimmt für den Moment Als wäre ein Tier das kurz reinläuft Kurz schaut, kurz bleibt Dann wieder geht.

00:17:13: Das ist gut – das ist genug!

00:17:16: Das is' der Rand von Palm Springs Das i'st errand von allem.

00:17:22: Man iß ins Wasser gegangen Am Nachmittag Warm wie eine Badewanne.

00:17:27: Das hat man auch nicht erwartet, Man hat sich einen Pool vorgestellt als Abkühlung – das Wasser ist warm Es hilft gegen die Hitze ein bisschen Aber nicht so wie man dachte.

00:17:39: Seitdem sitzt man manchmal am Pool ohne reinzugehen.

00:17:43: Man sitzt und schaut auf das blaue Wasser.

00:17:46: Das blaue water, das Blau isst wegen der Folie Dass die Sonne reflektiert, dass still liegt Wie alles hier mittags still liegt.

00:17:56: Man sitzt am Pool und hört den Wind in den Palmen, dieser Klang, dieses Rascheln der Palmenblätter wenn der Wind kommt – das ist kein Birtenblätterrascheln, das ist anders, schwerer, trocken!

00:18:10: Als würgen die Blätter sagen Wir leben hier, wir leben in der Hitze, wir sind gemacht dafür.

00:18:17: Die Palmen kennen Pormsprings.

00:18:20: Sie kennen es besser als jeder Mensch.

00:18:23: Sie stehen hier, seit man diesen Ort Pormsprings genannt hat.

00:18:27: Manche schon davor!

00:18:29: Die Kawia lebten hier bevor es Porm Springs gab.

00:18:34: Sie lebten in der Wüste – sie kannten die Wasserquellen, sie kannte die Pflanzen, sie cannten die Jahreszeiten der Wüsste.

00:18:43: Heute gibt es noch Kawia hier.

00:18:45: Man begegnet ihnen manchmal….

00:18:48: …man sieht ihre Namen auf Straßenschildern, auf Ortsnamen... Die Wüste gehört ihnen mehr als jedem anderen.

00:18:56: Die Palmen wissen das, die stehen hier seit man diesen Ort Pormsprings genannt hat.

00:19:02: Sie stehen und rascheln Man sitzt und hört zu!

00:19:07: Die Berge.

00:19:08: Man schaut immer wieder auf die Berge – sie sind immer da Am Morgen wenn man ins Büro geht… Berge Am Mittag wenn man durch die Straßen läuft….

00:19:19: Berge Am Abend, wenn man zurückgeht – Berge.

00:19:24: Sie verändern sich mit dem Licht.

00:19:26: Am Morgen kühl und bläulich, am Mittag kahl und braun fast weiß im Licht.

00:19:33: Im Abend golden und für einen kurzen Moment fast rot!

00:19:38: Der San Jacinto der höchste über drei tausend dreihundert Meter mitten in der Wüste.

00:19:45: Das Wüstenfloor liegt bei hundertreißig Meter Der Gipfel bei Drei Tausend Dreihundert.

00:19:51: Das ist ein Unterschied, den man versteht wenn man hinschaut.

00:19:55: Der Berg ist riesig – er isst immer da!

00:19:58: Er schaut auf die Stadt.

00:20:00: Man hat das Gefühl, er schaut auch auf einen.

00:20:03: Man ißt neu hier.

00:20:05: Der berg kennt Pormsprings.

00:20:08: Derberg kennt alles was hier war.

00:20:10: Lange bevor es Porm Springs gab An einem Abend in der zweiten Woche hat man einen Anruf nach Hause gemacht.

00:20:19: Der Zeitunterschied macht das schwierig, wenn man nach dem Büro anruft ist es in Deutschland fast Mitternacht.

00:20:26: Man hat trotzdem angerufen, man hat geredet Hat erzählt was man sieht Die Berge die Hitze den Pool Die leeren Straßen mittags die Palmen Auf der anderen Seite Stimmen die man kennt Ein Stück zuhause durch das Telefon Dann aufgelegt, dann die Stille der Wohnung.

00:20:49: Diese Stille, die man kennt wenn man auflegt Wenn der Anruf beendet ist, wenn die Stimmen weg sind, wenn man wieder allein isst Nicht traurig allein nur allein in Porm Springs In der kleinen Wohnung Mit dem Fernseher den man anlässt mit dem großen Bett Mit dem Kaffee der nachgefüllt wird ohne zu fragen Mit dem Flirren der Hitze draußen, das man abends noch sieht wenn man ans Fenster geht.

00:21:20: An manchen Abenden geht man spazieren, wenn die Hitze nachlässt – Nach sechs Uhr!

00:21:26: Wenn der Schatten länger wird, wenn sich die Luft verändert, wenn das Licht golden wird Das goldene Stundenlicht der Wüste.

00:21:36: Es macht alles anders.

00:21:38: Die Palmen werden zu Silhouetten Die Berge werden tiefer Die leeren Straßen füllen sich ein bisschen.

00:21:46: Menschen kommen raus, die vernünftigen, die tagsüber drin waren.

00:21:50: Man trifft sie jetzt!

00:21:52: Alte Männer auf Fahrrädern, Frauen mit Hunden, Paare, die spazieren gehen – die gleichen Rituale wie überall.

00:22:02: Aber in diesem Licht, diesem besonderen Licht... ...die Sonne geht unter und wie sie untergeht.

00:22:09: Hier geht sie unter und macht dabei etwas….

00:22:12: Sie brennt die Berge an, sie macht den San Jacinto rot.

00:22:16: Für fünfzehn Minuten vielleicht zwanzig dann ist es vorbei Dann wird alles blau, dann schwarz und dann die Sterne Die Sterne in der Wüste.

00:22:27: Es gibt viele Dinge auf die man sich freut wenn man nach Hause kommt Das eigene Bett, die eigene Küche, die Menschen.

00:22:34: Aber die Sternen hier, die wird man vermissen.

00:22:37: das weiß man jetzt Drei Wochen und man weiß es schon dass man die Sterne vermissen wird.

00:22:44: Das sagt etwas, das sagt, dass Palm Springs etwas gegeben hat – etwas, was man mitnimmt … Etwas, das nicht in den Koffer passt… nur im Kopf!

00:22:53: Nur in der Erinnerung?

00:22:55: Nur in dem Wissen?

00:22:56: Es gibt Nächte, in denen der Himmel so ist und man hat sie gesehen.

00:23:01: Das hat man nicht erwartet….

00:23:03: So viele, so klar!

00:23:05: Keine Wolken, keine Feuchtigkeit, kein Licht.

00:23:10: Man liegt im Bett und der Himmel ist so nah, dass man das Gefühl hat ihn anfassen zu können.

00:23:16: Das stimmt natürlich nicht!

00:23:17: Der Himmel is genau soweit wie überall aber er sieht näher aus weil er klarer ist, weil nichts dazwischen ist.

00:23:25: keine Wolken, keine Feuchtigkeit nur die Luft und dann die Sterne.

00:23:30: Die Milchstraße sieht man hier als Band Als weißes Band über dem schwarzen Himmel.

00:23:40: Hier sieht man sie mit bloßem Auge.

00:23:42: Das ist ein Geschenk der Wüste, diese Klarheit, diese Weite, diese Nacht!

00:23:48: Man macht ein Foto – Mit dem Telefon.

00:23:51: Es wird nicht gut, es wird nie gut.

00:23:53: Man kann die Milchstraße nicht fotografieren mit dem Telefon.

00:23:57: Man kan diesen Himmel nicht in einen Bild packen.

00:24:00: Manche Dinge bleiben, manche Dinge gehen nur in den Kopf Nicht in das Telefon.

00:24:05: Dieser Himmel geht in den Kopf Er bleibt da Er ist noch da, Jahre später.

00:24:10: Wenn man irgendwo ist und nach oben schaut und denkt In Palm Springs war der Himmel so.

00:24:16: Das hat man dreimal gemacht die ersten Wochen Draußen liegen Und die Sterne anschauen.

00:24:21: Das macht man in Deutschland nicht.

00:24:23: Hier macht man es.

00:24:25: Das blaue Wasser des Pools Die Berge Man isst weit weg.

00:24:29: Das ist gutso Das icht richtig so Aber man merkt es Manchmal merkt man es.

00:24:35: Jetzt steht man an der Kreuzung Mittags Die Hitze flirrt, die Palmen stehen, die Berge schauen.

00:24:42: Man ist jung und weit weg – das sind zwei Zustände, die man selten zusammen hat.

00:24:47: Meistens ist man jung und zu Hause oder weit weg und nicht mehr so jung.

00:24:52: Beides gleichzeitig?

00:24:53: Das ist selten!

00:24:55: Das ist diese Zeit, diese sechs Monate.

00:24:58: Man weiß dass sie aufhören, man weiß dass man wieder kommt zurück nach Deutschland, zurück in das Vertraute.

00:25:05: aber jetzt isst man hier In Palm Springs, im Mittag in der Hitze allein in etwas Schönen.

00:25:12: Das ist ein Gefühl das man nicht immer hat, dass man selten hat.

00:25:16: Das Gefühl, daß das was passiert, passiert.

00:25:19: Dass man wirklich hier isst!

00:25:21: Daß dieser Moment, dieser Mittag diese Kreuzung, diese Hitze wirklich stattfindet.

00:25:27: Nicht in einem Film, nicht in einen Buch – nicht in dem was man sich vorgestellt hat.

00:25:32: Hier jetzt in der Wirklichkeit.

00:25:35: Das ist selten.

00:25:36: dieses Gefühl, das Gefühl wirklich da zu sein.

00:25:39: Voll da!

00:25:40: Ohne Abstand.

00:25:42: Ohne die Glasscheibe zwischen einem und dem Moment.

00:25:45: Man steht an dieser Kreuzung in Parmsprings.

00:25:48: Man isst jung, man isst allein, man ist weit weg – und man ist vollständig hier, dass man dabei ist.

00:25:55: Man nimmt die erste Richtung nicht weil sie besser ist einfach weil man stehen bleiben kann.

00:26:03: Der Asphalt strahlt Wärme unter den Schuhen oder man bildet es sich ein.

00:26:08: Die Palmen stehen, die Häuser stehen nur man selbst bewegt sich der einzige Mensch auf der Straße mittags in der Hitze In Palm Springs.

00:26:18: und dann weiß man was das bedeutet hat.

00:26:21: Dann weiss man was diese sechs Monate waren Was die Kreuzung war Was der Mittag war Was das Fremdsein in etwas Schönem war.

00:26:29: Noch nicht jetzt.

00:26:30: Jetzt geht man die erste Richtung.

00:26:33: Die Palmen stehen, die Hitze flirrt.

00:26:35: Die Berge schauen – man geht.

00:26:38: Das ist Palm Springs im Mittag.

00:26:40: Das isst man Im Mittag von Palm Springs.

00:26:43: Jung Allein Weit weg und vollständig da!

00:26:47: Die Hitze liegt auf der Haut Die Sonne brennt Der Asphalt flirt Die Palme stehen still Die Bergen schauen Nicht mehr.

00:26:55: Das ist genug.

00:26:57: Drei Wochen Noch drei Monate.

00:26:59: Man weiß nicht was diese Zeit aus einem machen wird Man weiß es noch nicht, aber man geht.

00:27:05: Man geht immer weiter – die erste Richtung Immer weiter!

00:27:09: Man erwartet viel wenn man nach Amerika geht Große Erfahrungen, große Momente.

00:27:14: Was man bekommt?

00:27:15: Kleine Dinge Den Berg jeden Morgen Den Kaffee der nachgefüllt wird Die leeren Mittagsstraßen Die Kreuzung mit vier Richtungen Die Stille der Wüste nachts Die Sterne.

00:27:28: Das sind keine großen Dinge Aber sie sind beständig.

00:27:31: Sie bauen sich auf, aus vielen kleinen Dingen wird etwas Großes.

00:27:36: Das ist diese Zeit so wie die Wüste immer weitergeht jenseits der Stadt, jenseit des Horizons – das Wüstenlang dehnt sich aus!

00:27:45: Es hat immer Zeit es hat immer Platz.

00:27:48: Es nimmt alle auf, die kommen und lässt alle gehen wenn sie müssen.

00:27:52: Das isst die Wüsste.

00:27:54: Manchmal denkt man ich könnte hier bleiben nicht für immer aber länger Noch ein halbes Jahr, noch ein ganzes.

00:28:01: Die Berge zu sehen jeden Morgen, die Sterne jede Nacht, die Hitze jeden Mittag – aber man geht!

00:28:08: Man weiß das man geht, dass Zuhause wartet.

00:28:11: und bis dahin dieser Mittag diese Kreuzung, diese Hitze, diese Berge dieses flirren, diese sechs Monate, die noch nicht vorbei sind, die man lebt.

00:28:24: Jeden Mittag, jeden Abend, jeden Morgen mit den Bergen, jeden Stern, jede Kreuzung, jede Richtung – alles davon!

00:28:32: Alles gehört dazu.

00:28:34: Alles ist Palm Springs.

00:28:36: Alles is dieser Mittag Dieser eine Mittag in Palm Springs Der flirrt, der brennt, der bleibt Immer wie die Wüste Wie der Berg, wie die Hitze um Mittag Wie dieser Ort, wie diese Zeit, wie der Mittag der immer war Immer weiter, man wird das mitnehmen.

00:28:54: Das Wissen dass man weggehen kann.

00:28:56: Dass man an eine Kreuzung kommen kann die man nicht kennt und trotzdem eine Richtung wählen kann einfach eine Nicht weil sie richtig ist Weil man geht, weil man immer geht.

00:29:07: Das ist das Mittagwissen.

00:29:08: Das wissen von der Kreuzungen.

00:29:10: Das wissen aus Palm Springs.

00:29:12: Man isst jung, man ist weit weg.

00:29:14: Man ist allein in etwas Schönem.

00:29:17: Das ist eine vollständige Aussage, das ist alles was man wissen muss.

00:29:21: Für jetzt für diesen Mittag, für diese Kreuzung – für Palm Springs!

00:29:26: Drei Wochen noch drei Monate der Berg schaut die Palmen stehen Die Hitze flirrt Man geht, dass es genug, mehr als genug.

00:29:36: Das ist der Mittag in Palm Springs, das isst man jung und weit weg und allein in etwas Schönem Das trägt man mit.

00:29:44: Die Hitze bleibt, sie hört nicht auf mittags Sie ist immer da aber man geht trotzdem Man geht durch sie hindurch, man lernt sie kennen Man wird ein Teil von ihr für diese sechs Monate Ein kleiner Teil, ein menschlicher Teil In der großen alten Wüstenhitze Und weil die Wüste immer eine Richtung hat Immer eine Egal welche man wählt Palm Springs Diese Stadt in der Wüse, diese Hitze, diese Stille Dieser Mittag, der sich nicht beeilt, Der wartet, der da ist.

00:30:16: Man sitzt, man atmet.

00:30:17: Das ist genug Es geht weiter.

00:30:20: Wie es immer weitergeht Die Wüste atmet Auf ihre Art Diese heiße trockene Luft, die sich bewegt Die Hitze, die flimmert Am Horizont Dieser Mittage, der nicht endet.

00:30:32: Wer sich hinzieht Der Palm Springs isst Der diesen Ort ausmacht.

00:30:36: Diese Stille, diese Hitze Dieses Licht Die Sonne sinkt langsam Die Wüste wird kühler, nur ein bisschen.

00:30:44: Noch nicht viel – aber man spürt es!

00:30:46: Diese Veränderung, diesen Übergang vom Mittag zum Nachmittag von der Hitze zur Wärme noch immer Palm Springs, noch immer Wüsten Man schläft.

00:30:56: draußen ist die Wüse Die Wüsste schläft nicht Sie isst sie wartet auf den nächsten Mittag.

00:31:02: Palm Springs dieser Mittag diese Stille, diese Wärmen, die noch da ist auch im Traum Dieser Mittag, der immer wieder kommt.

00:31:11: Der immer wieder geht dieser Ort diese Stille Diese Wärme die bleibt Die Wüste kühlt Es reicht für heute.

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