Der Hering
Shownotes
Man kommt früh. Bevor die anderen da sind. Bevor der Kai voll ist. Kappeln an der Schlei zur Osterzeit — und der Hering kommt, wie er immer kommt. Seit Jahrhunderten. Stille Orte — Geschichten zum Einschlafen. Jeden Freitag eine neue Episode.
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00:00:00: Der Hering, man kommt früh.
00:00:02: Das ist wichtig!
00:00:03: Früh ankommen – bevor die anderen da sind, bevor der Kai voll ist, bevor alle denselben Platz wollen.
00:00:11: Ein guter Platz an der Kai-Kante das ist wichtig.
00:00:15: Die Stadt schläft noch halb oder ist gerade aufgewacht.
00:00:19: Die ersten Bäckereien vielleicht?
00:00:21: Der erste Café irgendwo….
00:00:23: Die Stadt wacht auf.
00:00:26: Man geht durch die Straßen, die Altstadt Diese kleinen Gassen, die noch leer sind.
00:00:33: Dann der Hafen – Der Kai.
00:00:35: Man schaut schon ein paar andere da Die auch früh kamen, die auch wussten Früh ist besser!
00:00:43: Man sucht seinen Platz.
00:00:45: Ein Stück Kai-Kante Genug für sich, genug Abstand Genug Für die Bewegung des Wurfs.
00:00:52: Man stellt sich, man baut auf Die Angel den Paternoster Den Eimer.
00:00:58: Man macht alles bereit, diese kleinen Handgriffe die man kennt oder lernt.
00:01:05: Man ist bereit – der Tag kann anfangen!
00:01:10: Man steht an der Kai-Kante Die Angel in der Hand Den Paternoster fünf Haken Das Gewicht unten Die Haken dazwischen Das Wasser vor einem Die Schlei.
00:01:22: Kappeln.
00:01:24: Diese Stadt die man kent, die an der Schlei liegt die nach Fisch riecht, nicht unangenehm dieser Geruch der zum Ort gehört, der immer hier war, der Immer-Hier sein wird.
00:01:37: Die Stadt selbst ist klein – überschaubar!
00:01:41: Man findet sich schnell zurecht.
00:01:42: Hafen, Altstadt, Mühle, Schlei.
00:01:46: Das isst Kappeln.
00:01:49: Sie liegt dort wo die Schlei schmaler wird Wo man von einer Seite zur anderen schauen kann Wo die Brücke die beiden Ufer verbindet.
00:01:59: Die Stadt riecht nach Fisch, nach Räucheral, nach Salzwasser – nach dem was hier immer war.
00:02:06: Weil hier gefischt wird, weil hier immer gefisht wurde!
00:02:10: Seit dem Mittelalter seit dem fünfzehnten Jahrhundert, seit dem Heringstzaun.
00:02:18: Der Angelschein Man braucht einen für die Schlei Das gehört dazu das ist die Regel.
00:02:25: Man hat ihn man hat ihm besorgt In der Stadt bei der Gemeindeverwaltung.
00:02:30: diese Erlaubnis, diese kleine Karte die erlaubt.
00:02:34: Die sagt ja du darfst.
00:02:38: Zehn Euro vielleicht oder zwanzig das ist nicht viel Das ist wenig für diesen Tag Für diese Stunden, für diese Heringe.
00:02:48: Man hat den Schein in der Tasche man denkt nicht daran man angelt Man is jung Das merkt man manchmal an dem, was man nicht weiß.
00:02:59: An dem, das man noch lernt.
00:03:02: Das Ammeln!
00:03:03: Man hat es gelernt – irgendwann, irgendwo von jemandem oder von selbst.
00:03:09: Man hatte sich beigebracht mit dem Paternoster mit diesen fünf Haken.
00:03:15: Man steht hier an diesem Kai in dieser Stadt, an diesem Wasser, dass man kennt, das einem gehört ein
00:03:23: bisschen.".
00:03:25: Norddeutschland, das ist hier.
00:03:27: Das ist dieser Kai, diese Schlei, dieser Hering, dieses Angeln, dass man kennt, das man hier gelernt hat oder mitgebracht hat oder einfach tat.
00:03:39: Diese Stille die kein Lärm isst weil der Kai laut ißt manchmal, weil die Angler reden und weil die Brücke klappt.
00:03:48: Aber trotzdem stille diese Stille, die man nicht erwartet, die innen Wenn man angelt, wenn man wartet.
00:03:56: Wenn man die Schmuhr hält, wenn das Wasser anschaut.
00:04:01: Angeln – Die Landschaft heißt so Diese Region nördlich von Schleswig.
00:04:06: Die flach ist, die weit isst, die nach Wasser riecht Nach Schlei und Ostsee.
00:04:13: Kappeln ist ein Teil davon.
00:04:15: Dieser Teil an der Schlei Dieser Teil mit dem Hering.
00:04:20: Frühling an derSchlei Das ißt die Zeit, die Zeit auf die man wartet wenn das Wasser wärmer wird, wenn die Tage länger werden, wenn der Hering kommt.
00:04:32: Die Schlei riecht anders im Frühling – anders als im Sommer.
00:04:36: noch nach Winter manchmal, nachdem was der Winter hinterlassen hat, nach Kälte im Wasser, nach dem Ende des Winters, nachem Ende von etwas, nach nem ersten Neuen.
00:04:50: Dieser Frühling, der an der Schlei früh ankündigt Früher als im Inland vielleicht, weil das Wasser die Wärme speichert oder weil man es sich einbildet.
00:05:00: Weil man es wünscht, weil der Frühling an der Küste anders riecht.
00:05:05: anderes Licht andere Luft.
00:05:09: Man steht an der Kajkante Die Luft ist noch kühl aber nicht kalt.
00:05:14: Dieser Unterschied zwischen kalt und kühl den man kennt den man an diesem Morgen spürt.
00:05:22: Man ist hierher gekommen, um zu angeln.
00:05:26: Das is der Plan – Der einfache Plan Die Angel das Wasser die Heringe.
00:05:33: Die Heringen kommen zur Osterzeit Sie kommen zum Leichen.
00:05:37: Das machen sie jedes Jahr Das haben sie immer gemacht.
00:05:41: Dieser Zug ins Süße dieser Instinkt, der sie bringt Sie folgen dem Wasser Dem süßer werdenden Wasser.
00:05:51: Die Schlei ist kein reines Salzwasser, sie ist eine Mischung.
00:05:55: Mehr süß als die Ostsee, weniger süß wie ein Fluss.
00:06:00: Diese Mischungen, die die Heringe mögen, die sie sucht und findet jedes Jahr zur selben Zeit.
00:06:08: Man hat davon gehört man weiß die Haringe kommen, man weiß jetzt ist die Zeit!
00:06:15: Also kommt man auch.
00:06:17: also steht man hier an der Kai-Kante mit dem Paternoster, mit fünf Haken.
00:06:25: Der Paternoster Das ist kein gewöhnliches Angelgerät – das ist das Gerät für Kappeln, für die Schlei und für die Heringe.
00:06:36: Eine lange Schnur, das Gewicht ganz unten Die Haken in Abständen Fünf Haken manchmal mehr, manchmal weniger.
00:06:45: Fünf ist gut, fünf macht man.
00:06:50: Die Haken haben einen kleinen Federschmuck, eine Kunststofffeder rot vielleicht oder silberig.
00:06:57: Die Heringe mögen das, die sehen das, sie beißen drauf!
00:07:02: Nicht weil Sie Hunger haben nicht wegen dem Futter einfach, weil sie beiessen, weil es Ihre Zeit ist, weil das Leichen diesen Reflex bringt, diesen Refleks der älter ist als alles, der nicht aufhört, der jedes Jahr
00:07:17: kommt.".
00:07:20: Man wirft, der Paternoster fliegt.
00:07:23: Man zählt kurz eins zwei dann zieht man hoch.
00:07:29: Manchmal wartet man länger manchmal kürzer man entwickelt ein Gefühl für die Schnur für das Wasser Für den richtigen Moment.
00:07:38: Das kommt von allein wenn man oft genug steht Wenn man oft genug wirft.
00:07:45: das Zucken man lernt es kennen dass ist unverkennbar Das ist nicht der Strom, das ist nicht.
00:08:22: Nicht lange, man wartet kurz.
00:08:25: Das Wasser, die Schlei, die Heringe, die darin sind – Die Heringen, die kommen!
00:08:32: Dann ein Zucken.
00:08:35: Das ist nicht Einbildung, das ist echt.
00:08:38: Diese Bewegung an der Schnur, dann noch einen Zucken, dann zieht man hoch.
00:08:43: Langsam gleichmäßig drei Haken, drei Heringhe auf einmal.
00:08:54: Sie ziehen zusammen, sie folgen zusammen.
00:08:57: In großen Schwärmen manchmal das weiß man, dass sieht man, wenn einer beißt dann beißen alle.
00:09:05: Wenn keiner beißts, dann keiner.
00:09:09: Es gibt diese Momente wo alle gleichzeitig ziehen Wo der Kai lebendig wird, wo alle auf einmal Heringe hochholen Und dann wieder stille.
00:09:21: Dann wartet man, dann ist das Wasser ruhig dann zieht man und nichts ist dran.
00:09:28: Das gehört auch dazu, das ist auch das Angeln dieses Wechseln, dieses Auf-und Ab, dieses Kommen-und Gehen, dass der Hering bestimmt nicht man selbst.
00:09:40: Das ist das Anglen – Nicht Man Selbst!
00:09:45: Das ist des Heringsangeln – Nicht Geduld, nicht Warten, nicht die stille Kunst des geduldigen Fischers.
00:09:53: Das hier ist anders die Heringe beißen, immer wenn sie da sind.
00:09:59: Wenn das Wasser stimmt, wenn die Zeit stimmt – wenn man den Paternoster ins Wasser hält, beißen Sie!
00:10:06: So einfach ist es manchmal.
00:10:09: So einfach kann Angeln
00:10:11: sein.".
00:10:14: Man schaut auf die anderen Angler.
00:10:16: Sie stehen dicht nebeneinander an der Kai-Kante Schulter an Schulter fast.
00:10:21: Jeder mit seiner Angel, jeder Jeder mit seinem Eimer, jeder mit seinem Angelschein in der Tasche.
00:10:31: Alte Männer dabei, Junge, Familien manchmal Kinder die zum ersten Mal angeln Die noch nicht wissen wie man den Hering vom Haken nimmt, die es lernen hier an diesem Kai.
00:10:46: Alle ziehen hoch alle gleichzeitig.
00:10:49: fast.
00:10:49: diese Bewegung dieses Ziehen dieses Hochholen diese Linie von Menschen, die alle dasselbe tun – dieselbe Bewegung der selbe Rhythmus.
00:11:01: Die alle denselben Rhythmuss haben.
00:11:04: Werfen, warten, ziehen.
00:11:09: Es gibt kein Gespräch nötig es gibt keine Erklärung.
00:11:12: jeder weiß warum er hier ist Alle wissen es!
00:11:18: Die Heringe Silberich glänzend Diese Farbe dieses Blitzen.
00:11:25: Der Hering ist kein großer Fisch, nicht wie ein Lachs.
00:11:29: Nicht wie ein Kabeljau – klein Handteller groß, manchmal etwas größer!
00:11:35: Aber dieser Glanz diese Frische wenn man ihn aus dem Wasser zieht Dieser Silberglanz der fast leuchtet, der im Licht blinkt, der sagt eben noch im Wasser jetzt hier Man nimmt den Hering vom Haken das geht schnell Das hat man gelernt oder lernt es hier an diesem Tag, an dieser Kai-Kante.
00:11:59: Man legt ihn in den Eimer – das Blitzen ist weg!
00:12:02: Das Silber bleibt aber das Blitzen ist weg…das ist so.
00:12:07: …das gehört dazu….das Blitze gehört dem Wasser nicht im Eimer…das es gutso…das is richtig so.
00:12:16: Man wirft wieder aus Wenn das Licht zieht trifft.
00:12:21: Man nimmt sie vom Haken man legt sie in der Eimer und wirft die Angel wieder aus.
00:12:26: Das ist der Rhythmus.
00:12:27: Werfen, warten, ziehen, ablegen, werfen!
00:12:34: Die Mühle Amanda.
00:12:36: Man schaut hoch – diese Mühlle die über alles ragt, zweiunddreißig Meter, die höchste in Schleswig-Holstein.
00:12:45: Achtzehnhundertachtundachzig gebaut nach holländischer Art.
00:12:49: Diese Flüge, diese Form, diese Präsenz.
00:12:53: Bis nineteenhundertsechzig hat sie gemahlen dann nicht mehr Das große Mühen sterben, die Konzerne.
00:13:00: Die kleinen Mühlen, die Aufgaben!
00:13:04: Aber die Amanda steht noch – sie malt nicht mehr, aber sie steht.
00:13:09: Sie schaut auf die Schlei, sie schaut auf den Hafen, sie schaut auf die Angler wie sie immer geschaut hat.
00:13:17: Von ihrer Galerie aus wenn man dort oben steht sieht man alles, die Schlei, den Heringszaun, die Anglar an der Kai-Kante, den Hafn, die
00:13:27: Stadt.".
00:13:29: Man steht unten, man schaut hoch.
00:13:32: Man denkt von oben sieht das alles klein aus – die Angler der Kai, die eigene Angel.
00:13:40: Aber von unten ist es groß.
00:13:42: Von unten ist der Kai lang Die Angel voll Der Hering schwer Alles ist groß von unten Man schaut nicht hin, man schaut aufs Wasser aber man weiß dass sie da ist.
00:14:01: Man sieht sie von überall in Kappeln diese drei Schornsteine auf jedem Einbuchstabe, A-A-L.
00:14:10: Die Al und Fischräucherei föhe seit Generationen die Schornstein, die rauchen.
00:14:17: dieser Geruch der über die Stadt zieht manchmal dieser Räuchergeruch Holzrauch und Fische.
00:14:25: Man riecht es, wenn der Wind stimmt.
00:14:28: Wenn man am richtigen Ort steht.
00:14:30: Dieser Geruch, der zu kappeln gehört Wie der Fischgeruch wie die Schlei wie der Hering Geräucherte Aal Das ist auch Kappeln das is das andere neben dem Hering Der Aal, der geräuchert wird, der über der Stadt hängt in diesen Schornsteinen.
00:14:50: Man angelt keinen Aal heute, man angelt Hering Aber die Schornstein stehen Sie stehen immer A-A-L, von weitem zu lesen für jeden.
00:15:03: Die Fischräucherei Phöe, die seit Generationen räuchert, die zum Bild dieser Stadt gehört wie die Mühle, wie die Schlei, wie der Heringszaun.
00:15:15: Der Herings-Zaun Man schaut auf ihn Von der Kai-Kante Dieser Zaun aus Pfälen Diese Konstruktion, die so einfach ist und so alt Fünfzehnhunderteinundfünftig, zuerst urkundlich erwähnt.
00:15:31: Aber er war schon vorher da – wahrscheinlich!
00:15:35: Ehemals gab es fast vierzig solcher Zäune in der Schlei, vierzig die Dicht beieinander standen, Die alle fingen, die alle den Hering wollten.
00:15:46: Es gab Streit darum zwischen den Holmer-Fischern aus Schleswig und dem anderen Den Schleijunkern.
00:15:53: Dieser Streit, der Jahrhunderte dauerte Der Hering war Geld, der Hering War Leben.
00:16:01: Jetzt ist noch einer übrig – dieser Eine hier in Kappeln, der Letzte in Europa, der Einzige noch Funktionierende!
00:16:12: Man schaut auf ihn und denkt das nicht alles, man schaut auf ihm und denkt Das ist alt, dass es sehr Alt, das ist älter als Alles was man kennt.
00:16:23: Zwei tausend Pfäle in den Schleigrund gerammt Die Heringe folgen dem Zaun.
00:16:29: Sie können nicht zurück, sie kommen in die Räuse – sie werden abgefischt!
00:16:35: Seit fourteenhundert-einundfünfzig, seit dem fünfzehnten Jahrhundert dieser Zaun der Letzte seiner Art in Europa, der Einzige der noch steht, der einzige der noch fängt.
00:16:49: Man denkt nicht daran.
00:16:50: beim Angeln, man angelt, man denkt ans Wasser an die Heringen, an den Paternoster, an die Fünffaken… Die anderen Angler, man kennt manche, man kent manche nicht.
00:17:03: Das ist egal!
00:17:05: Hier sind alle gleich.
00:17:07: Alle stehen an der Keikante.
00:17:09: Alle wollen Heringe – das verbindet.
00:17:12: Ohne ein Wort, ohne Vorstellung Nur dieser gemeinsame Blick aufs Wasser.
00:17:18: Jemand zieht hoch Fünf Haken, fünf Heringen Er lacht.
00:17:23: Man schaut kurz Man angelt weiter Die Schlei.
00:17:28: Man kennt sie Man ist an ihr aufgewachsen, in Schleswig.
00:17:32: Aber die Schlei isst lang – sie beginnt bei Schlesweg, sie endet hier, bei Kappeln und dann geht sie ins Meer.
00:17:40: Fünfzig Kilometer von der Quelle bis zur Mündung.
00:17:44: Dieser Fjord dieser einmalige Fjorde Der tiefste und längste Fjort an der deutschen Ostseeküste Dieser Fjord, der tief ins Land schneidet, der fünfzig Kilometern lang ist der Schleswig mit der Ostsee verbindet, der immer diese Verbindung war.
00:18:03: Man kennt ihn – man kennt ihn von Schleswich, man kennt ihm von Heiterbu, man kent ihn von hier, von Kappeln, von dieser Kai-Kante.
00:18:13: Immer dieselbe Schlei!
00:18:15: Immer dieses Wasser, das immer da war, dass die Wikinger kannten, dass sie Herzöge kannten und Fischer kannten.
00:18:23: Das man selbst kennt.
00:18:26: Das Wasser der Schlei Man kennt es von Schleswig, von der anderen Richtung.
00:18:30: Von dort wo man aufgewachsen ist.
00:18:33: Aber hier in Kappeln ist es anders.
00:18:36: Hier ist die Schlei schmaler Hier ist das Wasser enger Die beiden Ufer nahe beieinander.
00:18:43: Dieses Schleivasser Es hat eine eigene Farbe Nicht dass Blau der Postkarten nicht das Türkees der Tropen dieses grau-braun dieses schilf und tiefe Grau Das nur die Schlei hat dass man kennt, das man immer kannte.
00:19:01: Das Wasser bewegt sich – leicht!
00:19:04: Die Strömung ist da nicht stark aber da Man spürt sie manchmal an der Schnur.
00:19:09: Diese leichte Bewegung diese Schlei die fließt, die immer fließts Es ist nicht grün, nicht blau.
00:19:18: es ist dieses Schlei grau manchmal Dieses braun, dieses Wasser das Süß und Salz mischt, das beides ist, das keines ganz isst dass die Heringe bringt, weil sie das mögen.
00:19:31: Dieses Wasser – diese Mischung!
00:19:33: Man angelt weiter Der Eimer füllt sich.
00:19:38: Hering für Hering.
00:19:39: Man schaut rein manchmal.
00:19:41: Man zählt nicht.
00:19:42: Man schaut nur, wie viel schon da ist, wieviel noch kommen kann.
00:19:48: Die Heringelieden drinnen Silberig glänzend Diese Farbe, die nicht verblasst Nicht sofort Noch frisch Noch dieser Glanz.
00:19:59: Manche Angler haben große Eimer, manche nehmen Plastiktüten.
00:20:03: Manche tragen die Heringe direkt zum Auto, kommen zurück und angeln weiter.
00:20:09: Man hat einen normalen Eimer der reicht, der fühlt sich langsam aber erfüllt sich.
00:20:15: Irgendwann ist er halb voll – man schaut, man nickt innerlich das ist gut, das reicht schon!
00:20:22: Aber man angelt weiter.
00:20:30: Irgendwann macht man Pause, man stellt die Angel ab.
00:20:33: Man streckt sich, die Schultern den Rücken.
00:20:36: Man hat nicht gemerkt wie man stand, man hat nur geangelt.
00:20:41: Man schaut auf den Hafen – Die Boote, die Liegen, die Alten, die Neuerinnen Der Museumshafen ein Stück weiter, die historischen Schiffe, die Galleassen, die Shona Diese Namen, die man kaum kennt.
00:20:56: Die Klapprücke Sie steht offen manchmal, wenn ein Boot durchfährt.
00:21:01: Man schaut zu – dieses Hochklappen diese Mechanik dann schließt sie sich langsam Dann ist alles wieder normal.
00:21:10: die Autos fahren man angelt Der Raddampfer Die Schlei Princes Man sieht manchmal das Schaufelrad Dieses Mississippi-Gefühl hier in Schleswig-Holstein an der Schlei.
00:21:25: Kappeln hat diese Qualität dieses zusammengedrängte Dieses viele auf kleinem Raum, die Mühle, die Schornsteine der Heringszaun.
00:21:35: Der Museumshafen, die Brücke, die Fischerfigur Die Schlei – alles beieinander Alles zu Fuß erreichbar Auf die Schlei, auf die anderen Angler Auf die Stadt hinter einem Der Museumshafen Man geht manchmal daran vorbei.
00:21:54: Die alten Schiffe, die Historischen, die restaurierten Galleassen Shona, diese Namen die man nicht kennt.
00:22:03: Die man nachliest manchmal, die man vergisst.
00:22:06: aber die Schiffe behält man dieser alten Holzschiffe die noch schwimmen die noch fahren.
00:22:14: Jemand hat sie gerettet jemand hat sie restauriert jahrelang mühsam in seiner Freizeit weil er das wollte Weil er diese Schiffe nicht vergessen wollte.
00:22:26: Man schaut kurz man geht weiter Der Kai martet Die Angel wartet, die Heringe warten nicht.
00:22:35: Die Klappbrücke Sie öffnet zur Dreiviertelstunde für die Schiffe.
00:22:39: Man schaut zu wenn sie sich öffnete.
00:22:41: dieses Schauspiel diese Mechanik das Klappen Das Hochgehen das Öffnen das Warten das Zurückklappen.
00:22:51: Ein Boot fährt durch langsam der Skipper nickt man nickt zurück.
00:22:58: Das Fischbrötchen man steht am Stand die Auswahl hering.
00:23:02: natürlich marinierter Hering, gebratener Hering bis Mark-Hering.
00:23:08: Man wählt, man bezahlt, man bekommt.
00:23:12: Man steht und isst die Schlei vor einem das Wasser, die Angler den Heringszaun dahinter Ein Fischbrötchen in Kappeln – Das ist nicht irgendwo, das ist Kappel'n!
00:23:25: Das ist hier an diesem Ort mit diesem Hering der aus dieser Schlei kommt, der hier geräuchert wurde oder mariniert oder gebraten.
00:23:37: Man ist langsam, man schaut, man isst nicht in Eile, nirgendwo muss man hin, niemand wartet – der Tag gehört einem!
00:23:47: Der Eimer ist fast voll die Angel wartet.
00:23:51: Hering natürlich hering hier in Kappeln Hier an diesem Tag hering.
00:23:59: Man steht und isst, man schaut auf die Schlei das Wasser Die anderen Angler die weiter fischen, Die Fischerfigur, man geht daran vorbei.
00:24:11: Dieser Mann aus Bronze – er steht neben der Brücke!
00:24:14: Er schaut auf die Schlei, er hat eine Angel, er wartet.
00:24:19: Auf der anderen Seite des Wassers steht Ellie seine Frau auch aus Bronze mit einer Bratpfanne.
00:24:27: Man isst sich nicht einig ob die Pfanne für die Fische ist oder ob sie ihrem Mann damit eins überziehen will weil er wieder nicht hört, weil er immer wieder angelt, Weil er immer wieder zu spät kommt, weil er immer weiter zu lange bleibt.
00:24:44: Weil die Schlei ihn hält – immer wieder!
00:24:47: Weil er einfach wieder nicht nach Hause
00:24:49: kommt.".
00:24:50: Man lächelt, man kennt das, man versteht den Fischer, man steht ja selbst hier mit der Angel, man versteht auch Eli.
00:24:58: Man geht weiter zurück an die Kai-Kante Die Heringstage, man kent sie.
00:25:06: Wer in der Region aufwächst, kennt sie dieses Fest an Himmelfahrt seit neunzehntneinundsebzig, seit über vierzig Jahren.
00:25:17: Die Heringswette – wer fängt am meisten?
00:25:20: Wer wird Heringskönig?
00:25:22: Das ist das Spiel!
00:25:23: Das is die Wette!
00:25:25: Festzelt, Musik, Hafenmarkt, Kappeln feiert, kappeln und alle, die kommen aus der ganzen Region.
00:25:35: Aber heute sind keine Heringstage, Heute ißt früher, Heute eßt Osterzeit, Heute es nur der Kai Nur die Angel, nur die Heringe.
00:25:44: Kein Fest, kein Lärm, keine Bühne!
00:25:49: Das ist besser für heute – das ist das Eigentliche nicht das Fest sondern dieses Die Kai-Kante, die Schnur, das Wasser, die Hiringe.
00:26:01: Der Heringskönig den gibt es bei den Heringstagen.
00:26:05: Wer die meisten Heringen fängt, wer gewinnt Ein Titel ein schöner Titel, ein Spaß, ein Brauch Man ist kein Heringskönig.
00:26:14: Man fischt für sich, Für den Eimer, für diesen Tag – das reicht!
00:26:20: Die Schlei abends Wenn man fertig isst, wenn man nach Hause geht, schaut man noch einmal zurück auf das Wasser.
00:26:28: Die Schlei abens ist anders als die Schlei morgens.
00:26:31: Das Licht ist anders.
00:26:33: Das Wasser es dasselbe Aber es sieht anders aus.
00:26:36: Wärmer, goldener, wenn die Sonne tiefer steht.
00:26:43: Manche sind noch da, manche gehen auch.
00:26:45: Man nickt – man geht!
00:26:48: Dieser Tag der gehört einem jetzt.
00:26:51: Man trägt ihn den Eimer, den Fisch, den Tag.
00:26:56: Irgendwann nimmt man seine Sachen Den Eimer die Angel….
00:27:00: man geht Die anderen bleiben vielleicht … man geht.
00:27:05: Kappeln erstmals erwähnt, thirteenhundertsiebenundfünfzig Eine Hafenstadt, die immer eine Hafenstatt war, die imer vom Wasser lebte vom Fisch, vom Hering besonders.
00:27:18: Das hat sich verändert – nicht ganz!
00:27:21: Aber es hat sich verändert.
00:27:22: Die Fischerei ist kleiner geworden die Touristen mehr, die Ferienwohnungen mehr.
00:27:28: der Hering aber bleibt.
00:27:31: Der Hering kommt noch jedes Jahr zur Osterzeit Er folgt dem Wasser er folgt den Instinkt er weiß nichts.
00:27:42: Er kommt einfach, weil er immer kam und die Angler kommen auch mit dem Paternoster, mit dem Eimer, mit den Angelschein.
00:27:57: diese Kontinuität dieses Immer-Wiederkehren dieser Hering der immer kommt diese Angler die immer kommen Diese stille Wiederholung jedes Jahr dasselbe.
00:28:09: Die Altstadt von Kappeln man geht hindurch die schmalen Gassen dieser Altstadt, die eine einzige Sehenswürdigkeit ist.
00:28:17: Man geht nicht schnell – man schaut!
00:28:19: Dieser Häuser, diese Geschichte, diese Stadt, die immer eine Fischer-Stadt war... ...die immer am Wasser war….
00:28:26: …die immer den Hering hatte….
00:28:29: Die Nikolajkirche.
00:28:30: Sie steht zwischen den Häusern.
00:28:32: Sie überragt sie.
00:28:33: Dieser Backsteinbau aus dem achzehnten Jahrhundert der immer da ist wie die Mühle, wie die Schlei Erbaut zwischen seventeenhundertneunundachtzig und siebzehnhundertdreiundneunzig.
00:28:44: Dieser Backsteinbau, diese Ruhe die von ihr ausgeht – auch wenn die Stadt drum herum lebt!
00:28:50: Man geht vorbei, man schaut kurz, man schaute hoch zu ihr, zweiunddreißig Meter, man geht weiter zum Hafen, zurück zum Kai, zurück zur Angel... Die Mühle Amanda….
00:29:01: man geht daran vorbei, Diese Mühle, die alles überragt.
00:29:06: Die eighteenhundert achtundachtzig gebaut wurde, die noch steht – die immer stand.
00:29:11: Von der Mühlengalerie aus kann man die Stadt sehen.
00:29:14: Man geht nicht hinauf, man schaut von unten.
00:29:17: Man denkt…von oben sieht man Alles!
00:29:19: Die Schlei, den Hafen, die Angler an der Kai-Kante, den Heringszaun...man geht weiter.
00:29:25: Man ist später manchmal in Kappeln.
00:29:27: Nicht zum Angeln, zum Spazieren, zum Schauen….Man geht an der Kaikante entlang Die selbe Kai-Kante, man erinnert sich.
00:29:35: Die Mühle steht noch Der Heringszaun steht noch Die AAL Schaunsteine stehen noch Die Fischerfigur steht noch Und Ellie steht noch Mit ihrer Bratpfanne.
00:29:45: Manches ändert sich Neue Restaurants, neue Läden, neue Ferienwohnungen.
00:29:50: Die Stadt verändert sich ein bisschen Wie alle Städte sich verändern.
00:29:54: Aber die Schlei...die Schlei ändert sie nicht.
00:29:57: Sie fließt!
00:29:58: Sie bringt die Heringe Zur Osterzeit Jedes Jahr.
00:30:01: Man steht an der Kai-Kante, man schaut auf das Wasser, dasselbe Wasser die selbe Kai- Kante dieselbe Schlei.
00:30:08: Man denkt hier habe ich gestanden mit dem Paternoster – Mit fünf Haken!
00:30:12: Man geht nach Hause den Eimer mit Heeringen diese Ausbeute dieser Tag.
00:30:17: Man ist zufrieden nicht weil viele drin sind sondern weil man dabei war Weil man dort stand An der Kai kante in Kappeln an der Schlei mit dem Patanoster.
00:30:27: Die Heringe werden gemacht, man säubert sie.
00:30:30: Man brät sie vielleicht oder man mariniert sie – das ist Geschmackssache!
00:30:34: Das gehört einem.
00:30:35: diese Entscheidung.
00:30:36: Dieses kleine Eigentum, das entscheidet man selbst hier an diesem Herd mit diesem Heringen.
00:30:42: Aber das Beste ist nicht das Essen.
00:30:44: Das Beste is dieses Wissen.
00:30:46: Man hat diese Heringhe selbst gefangen heute Morgen in Kappeln an der Schlei Mit fünf Haken.
00:30:52: Man denkt manchmal an diesen Tag später Jahre später.
00:30:56: Man denkt an den Kai, an den Paternoster, an die Fünfhaken, an Man denkt, das war ein guter Tag.
00:31:14: Einfach – unkompliziert!
00:31:16: Kein Plan dahinter, keine große Geschichte.
00:31:19: Nur dieser Morgen, nur dieser Kai, nur diese Schlei.
00:31:23: Ein Morgen an einem Kai mit einer Angel In Kappeln.
00:31:26: Das stimmt so, das reicht vollständig.
00:31:29: Manchmal ist es genug einfach da gewesen zu sein, einfach geangelt zu haben, einfach den Hering in den Eimer gelegt zu haben Dieser Hering auf dem Teller selbst gefangen.
00:31:40: Er war noch heute Morgen im Wasser, dieser Morgen den man hatte – diesen Kai, auf dem man stand.
00:31:52: dass man fühlte, man ist, man sitzt.
00:31:54: Man denkt an den Morgen, an den Kai, an die anderen Angler, an das Zucken und der Schnur, an Das Ziehen, an Die Heringe, die silberig aus dem Wasser kamen, die geblinkt haben – kurz, die jetzt auf dem Teller sind – diese Ausbeute dieser Tag später zu Hause!
00:32:11: Die Hiringe werden gemacht, man isst sie.
00:32:14: Frischer Hering selbst gefangen An der Kai-Kante von Kappeln mit dem Paternoster mit fünf Haken.
00:32:21: Das ist ein gutes Gefühl.
00:32:23: Dieses Gefühl, wenn man selbst etwas getan hat Wenn man selbst draußen war, wenn Man selbst geangelt hat, wenn der Fisch auf dem Tisch vom eigenen Haken kommt.
00:32:35: Kappeln diese Stadt Diese Schlei dieser Kai!
00:32:39: Man kommt hierher und es ist fast immer dasselbe das Wasser die Mühle Der Heringszaun Die AAL Schornsteine zur Osterzeit.
00:32:54: Man war jung hier, man hat geangelt und den Hering nach Hause getragen – in diesem Eimer schwer durch diese Straßen!
00:33:02: Das ist genug, das war immer genug, dass ist genug.
00:33:07: Man schläft draußen ist irgendwo die Schlei sie fließt, sie fliesst immer von Schleswig nach Kappeln.
00:33:15: Diese fünfzig Kilometer diesen Weg den man kennt den die Heringe kennen Immer!
00:33:24: Die Heringe ziehen in der Nacht auch, sie folgen dem Wasser, dem Heringszaun entlang.
00:33:30: Sie kommen wie sie immer kommen seit dem fünftzehnten Jahrhundert, seit dem Heringezaun, seit den Pfälen aus Eschenholz, seit Fischern die hier standen lange vor einem viele vor einem.
00:33:44: und die Angler kommen auch mit dem Paternoster, Mit dem Eimer, mit dem Angelschein – immer wieder jedes Jahr zur Osterzeit an diese Kai-Kante.
00:33:56: Die Mühle Amanda steht, zweiunddreißig Meter sich schaut auf die Schlei wie immer – die AAL Schornsteine stehen AAL der Heringszaun steht, der Letzte, der Einzige.
00:34:11: Der Hering kommt er bleibt jedes Jahr Er bleibt jedes Ja In der Nacht.
00:34:17: auch sie folgen dem Wasser Dem Herings Zaun entlang.
00:34:21: Sie kommen Wie sie immer kommen seit Jahrhunderten Zur Osterzeit in die Schlei nach Kappeln.
00:34:28: Der Hering bleibt, Die Schlei bleibt der Kai bleibt, Kappel bleibt.
00:34:33: Der Hering kommt er bleibt jedes Jahr.
00:34:36: Die Mühle Amanda bleibt – zweiunddreißig Meter.
00:34:40: Sie schaut auf die Schlei sie schaut auf den Kai sie schaut Auf die Angler.
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